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Wüstenflimmern der Wanderdünen

Im “African Explorer” durch Namibia

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Als eine der ältesten Sandwüsten der Welt wuchert die Namib mit ihren üppigen landschaftlichen Reizen.

 

Nelson Mandelas runder Geburtstag elektrisiert seine Fangemeinde im südlichen Afrika. Selten zuvor hat jemand eine solche Wertschätzung erfahren wie er. Und damit zugleich ein Ansehen erworben, das heute bereits Züge der Heiligenverehrung in sich trägt. Seine riesige freistehende Skulptur unterhalb der Regierungsgebäude von Pretoria bestätigt diesen Eindruck. Gleich einem Heilsbringer steht er da mit erhobenen Armen, als wolle er der Stadt und den Erdkreis seinen persönlichen Segen erteilen.

Die Botschaft kommt an und bahnt sich ihren Weg bis hinunter zu den Gleisen und Hallen der „Rovos Rail Station“ von Pretoria. Hier steht der „African Explorer“ bereit für seine abenteuerliche Reise nach Namibia. Schon ertönt das Signal zum Aufbruch, und gemächlich setzt sich der Zug in Bewegung.

Diamanten in Kolmanskoop

Dabei ergibt sich genügend Gelegenheit, um sich mit den traditionsreichen Waggons des „African Explorer“ vertraut zu machen. Dazu gehören natürlich auch die beiden Speisewagen, der Salon- und Barwagen sowie die Aussichtsplattform am Ende des Zuges. Allesamt Treffpunkte, die während der gesamten Reise dem guten Ausblick und dem regen Gedankenaustausch dienen. Ja, hier lässt es sich in der Tat stilvoll leben, umgeben von einer wilden Landschaft, die sich auf vielfältige Weise präsentiert.

So auf dem Weg nach Lüderitz, einem Städtchen am Atlantischen Ozeans. Hier thront auf einem Abhang die lutherische Felsenkirche, zu der einst Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich ein kostbares Glasfenster beisteuerte. Größte Sensation ist jedoch die Geisterstadt Kolmanskoop. Seit der Entdeckung eines riesigen Diamantenvorkommens war es hier aus mit der Normalität. Auf dem Bauch kriechend wurden Unmengen von Marmeladengläsern mit den kostbaren Rohdiamanten gefüllt. So lange bis der Spuk vorüber war und neben maroden Villen vor allem die Erinnerung an bessere Zeiten übrigblieb.

Rote Sandwolken

Zu diesem überraschenden Ende trugen nicht zuletzt die Ausläufer der Namib Wüste bei, die noch heute die Straßen und Bahngleise mit prickelnden Sandschwaden überwehen. Doch was sind diese schon im Vergleich zu den feuerroten Dünenbergen, die sich weiter nördlich im Namib Naukluft Nationalpark zu einem ausgedehnten Dünenmeer verdichten? Als höchste Wanderdünen der Welt wird ihr scharfer Kamm je nach Windrichtung von roten Sandwolken umtost. Kein leichtes Unterfangen, sich bei flimmerndem Sonnenlicht auf der Dünenkante hinauf zu arbeiten.

Mit dem Weg in Richtung Norden ändert sich auch das Landschaftsbild. Hier hat sich der Sand verfestigt zu soliden Sandsteinformationen, aus denen heraus sich die Spitzkoppe als das „Matterhorn Namibias“ vor dem blauen Himmel abhebt. Ringsum fällt die Formenvielfalt der Erosion ins Auge, die in der Mythologie früherer Zeiten sicherlich die Kunstfertigkeit eines Schöpfergottes voraussetzte. Und in der Tat rufen die durchbrochenen Gesteinswände sowie die weiten Felsbögen noch heute Erstaunen hervor.

Wasserstelle als Garten Eden

Auch wenn sich der Abschied von Land und Leuten bereits ankündigt, erweist sich die Etosha-Pfanne als ein letzter Höhepunkt der Zugreise, an dem sich ein geradezu unwirkliches Spiel zwischen Wahrnehmung und Fantasie entfaltet. Denn wie einem irrealen Bild Salvador Dalis entlehnt, vermischt sich ihr weißer Grund unmerklich mit dem Dunst des Horizonts. Eine trostlose Landschaft, die jedoch deutlich kontrastiert mit dem unerwarteten Tierreichtum an den jeweiligen Wasserlöchern.

Die Wasserstelle von Okaukuejo erweist sich dabei als ein wahrer Garten Eden. Hier herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, wenn Giraffen, Elefanten, Zebras und Gazellen nacheinander, miteinander oder gegeneinander ihren Durst stillen. So bedarf die alte These, dass „die Wüste lebt“, zumindest in der Namib Wüste mitsamt ihren Ausläufern keines weiteren Beweises. Auch die Erfahrung, dass es sich im „African Explorer“ stilvoll leben lässt, findet bis Windhoek, dem Zielpunkt der Reise, ihre Bestätigung.

 www.lernidee.de; www.mistyhills.co.za; www.nesthotel.com; windhoek@avanihotels.com

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Zur Quelle des Impressionismus

Flusskreuzfahrt auf der Seine

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Die Normandie wartet auf mit dem unvergleichlichen Reiz einer vom Licht durchfluteten Uferlandschaft.

 „Und es ward Licht!“ Schon hat es mit seinen hellen Strahlen die Spitze des Eiffelturms erreicht, der am frühen Morgen noch etwas schlaftrunken nach Orientierung sucht. Doch immer weiter gleitet das Sonnenlicht am mächtigen Stahlgerüst herab, bis es auch das Marsfeld erreicht hat, das dem Koloss einst als Standort zugewiesen wurde. Wie ein Zeigefinger Gottes steht er nun da, seine gigantischen Stahlträger dreihundert Meter hinauf in den blauen Himmel gereckt.

Aufbruch nach Giverny

Aufbruchstimmung herrscht auch an der nahen Schiffs-Anlegestelle an Bord der „Seine Comtesse“. Denn heute ist Giverny als erstes Ausflugsziel angesagt. Jener kleine Ort in der Normandie, von dem aus eine neue Wahrnehmungsweise des Lichts ihren Ausgangspunkt nahm. Denn hier befindet sich der legendäre Wohnsitz von Claude Monet, dessen Bildtitel „Impression Sonnenaufgang“ aus dem Jahr 1872 eine ganze Künstlergeneration wegen ihres von üppigem Licht durchfluteten Malstils herablassend als „Impressionisten“ abstempelte.

Unter ihnen war es besonders Claude Monet, der die Lichtreflexe seiner normannischen Heimat auf eigene Weise einfangen wollte. So entstand hinter seinem geräumigen Wohnhaus ein Garten der besonderen Art. Denn wann immer es die Sonne und das Wetter erlaubten, konnte er mit der Blütenfülle seines Gartens in einen künstlerischen Dialog eintreten. Ehrfürchtig umrunden heute die Besucher aus aller Welt den legendären Seerosenteich. Denn zehn Jahre lang widmete sich Monet ausschließlich den Seerosen, die ihm als Studienobjekte besonders am Herzen lagen.

Prächtiges Hafenbecken

Wie einst Claude Monet zieht es auch heutige Seine-Ausflügler vom Flusshafen Caudebec-en-Caux aus in das Städtchen Honfleur. Einst war es wegen seines prachtvollen Hafenbeckens ein Tor zur Welt. Doch widrige Strömungsverhältnisse an der Seine bereiteten dieser großen Tradition Honfleurs irgendwann ein Ende.

Auch beim Aufstieg in das Viertel von Ste. Cathérine bleibt niemand der Reichtum verborgen, mit dem Seefahrer und Schiffsbauer einst die Kassen der Stadt füllten. Heute bildet hier die Katharinenkirche mit ihrem eigenwillig spitzen Glockenturm den Hauptanziehungspunkt. Und in ihrem Schatten findet sich die für die Normandie so typische Fachwerkarchitektur mit ihren lang gezogenen rechteckigen Feldern.

Launisches Spiel der Gezeiten

Ein Abstecher in den kleinen Nougatladen mit seinen unglaublich voluminösen Nougat-Auslagen dient dazu, den Abschied von Honfleur ein wenig zu versüßen. Denn schon steht ein anderes Ziel bevor, dessen flimmerndes Licht auch Claude Monet magisch anzog. Es ist das Küstenstädtchen Etretat, das sogar die Badeurlauber aus zahlreichen europäischen Fürstenhäusern anlockte.

Doch darum ging es Claude Monet wohl kaum. Er bevorzugte vielmehr geeignete Plätze oberhalb des Steilufers, um das flimmernde Wechselspiel von Licht und Schatten zu studieren und künstlerisch festzuhalten. Dabei hatten es ihm vor allem die von der Erosion geschaffenen Felsspitzen und Gesteinsbögen angetan, mit denen die Gezeiten noch heute ihr launisches Spiel treiben.

Wahrnehmung der Realität

Als einer der Höhepunkte im Schaffen Claude Monets gilt die Stadt Rouen, einem der alten Machtzentren in Nordfrankreich. So ist es auch kein Zufall, dass die Stadt noch heute die Traditionen Wilhelms des Eroberers und besonders der Jeanne d‘Arc pflegt. Ihr zu Ehren hat man an der Stelle des Scheiterhaufens eine moderne Kirche errichtet mit wunderschönen farbigen Glasfenstern.

Claude Monet hingegen faszinierten besonders die Fassaden und Türme der mittelalterlichen Kathedrale. Hier waren die tageszeitlichen Veränderungen des Lichts besonders gut zu beobachten. Dadurch hat er auch den nachfolgenden Generationen die Augen geöffnet für die Wahrnehmung der Realität und somit die anfängliche Kritik an seinem Malstil in ihr Gegenteil verkehrt.

www.nicko-cruises.de; info@nicko-cruises.de; 

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Außenposten der Milchstraße

La Palma als Fenster zum Universum

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Wie kein anderer Ort in Europa sticht die spanische Kanareninsel hervor durch ihre einzigartige Lage.

Ein „Starlight-Exzess“ am nächtlichen Sternenhimmel? Keine andere Bezeichnung wäre passender für das ungewöhnliche Naturschauspiel, das die Besucher der kleinen Kanareninsel La Palma nach Sonnenuntergang erwartet. Denn dann beginnt die Zeit eines Sternenzaubers, wie er in dieser unglaublichen Intensität nur selten auf der Welt zu beobachten ist. Gerade so, als hätte der Große Wagen schwungvoll eine imaginäre himmlische Feuerstelle durchfahren und dabei das gesamte Firmament mit einem sprühenden Funkenregen überschüttet.

Doch der eigentliche Höhepunkt des Sternenspektakels steht noch aus. Er kündigt sich an, als sich das Zentrum unserer Galaxie über den Horizont schiebt. Damit findet auf der nächtlichen Naturbühne in der Tat ein Kulissenwechsel der besonderen Art statt. Als „Milchstraße“ hat diese intensiv strahlende und im Detail kaum noch zu differenzierende Sternenkonstellation schon immer Erstaunen hervorgerufen. Und irgendwann musste die verständliche Frage danach „wieviel Sternlein stehen“ endgültig unbeantwortet bleiben.

Isolierte Insellage

Warum ausgerechnet La Palma? Insel-Astronom Tonio sieht die Hauptursache für das rege astronomische Interesse in der isolierten Insellage mitten im Atlantik. Denn hier gibt es weder Luft- noch Lichtverschmutzung, zumal der Hausgebrauch künstlicher Lichtquellen gesetzlich streng reglementiert ist. Dies führt dazu, dass La Palma neben Hawaii und dem Süden Chiles den drei weltbesten Beobachtungsorten zugerechnet wird.

Besonders gilt dies für den Roque de los Muchachos, der als die höchste Inselerhebung hoch über dem Wolkenmeer thront. Tagsüber gibt dieser Ort bei klarer Sicht den Blick frei auf die benachbarte Inselwelt der Kanaren. Und natürlich auf die zahlreichen internationalen Observatorien, die nachts mit ihrem gewaltigen optischen Potenzial große Teile des Weltalls beobachten und vermessen.

Stürmische Passatwinde

Auch die Schifffahrt profitierte seit den ersten Überquerungen des Atlantiks von der besonderen Lage La Palmas. Liegt die Insel doch im Wirkungsbereich der Passatwinde, die hier in südwestlicher Richtung stets den Schiffen gehörig die Segel blähten. Die „Trade Winds“, wie die Passatstürme auch genannt werden, lassen jedoch in ihrer Wucht auch die Insel nicht unbehelligt.

Kraftvoll schieben sie vom Nordosten her die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft einen hohen Bergrücken hinauf, der sich ihnen in den Weg stellt. Ein Vorgang, bei dem die Luftfeuchtigkeit kondensiert, um am gegenüber liegenden Berghang wie ein wilder Wasserfall in breiter Front wieder herab zu gleiten. Eine üppige Vegetation ist die Folge, besonders im Frühsommer, wenn großflächig Ginsterbüsche in knalligem Gelb mit der Sonne um die Wette strahlen.

Genießerischer Kaffeekosmos

Alle Wege jedoch führen zurück zur Inselhauptstadt Santa Cruz. Fast jedes Haus entlang der Avenida Maritima schmückt ein mit Blumen verzierter Balkon, dabei einer schöner als der andere. Parallel dazu verlaufen die romantisch angelegten Gässchen und Plätze der Innenstadt. Viele von ihnen blicken zurück auf eine mehr als 500 Jahre alte Tradition.

Wer hier seinen Füßen und vor allem seiner Seele etwas Gutes tun möchte, den führen die Schritte hinein in das Café de Don Manuel nahe der Plaza de Espana. In einem überaus edlen Ambiente öffnet sich ein Kaffeekosmos, der die Sinne anspricht und dem Besuch der reizvollen Kanareninsel einen abschließenden kulinarischen Stempel aufdrückt.

www.visitlapalma.es; www.fti.de; www.salinasdefuencaliente.com; www.elcerrito.es

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Stadt im Fächerformat

Karlsruhe als Zentrum der Kreativität

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Als einstige „Schöpfung aus dem Nichts“ versprüht die Stadt noch heute ihre schöpferischen Impulse.

 

Der Charme eines städtischen Schlachthofs bewegt sich in der öffentlichen Wertschätzung zumeist gegen null. Trotz der vielen Kilos, die er täglich auf die Waage bringt, fehlt es ihm doch häufig an Pfunden, mit denen er nach außen hin wuchern könnte. Am wenigsten passt seine Existenz zum Weltbild von Vegetariern und Veganern. Doch auch Befürworter des Fleischgenusses gehen häufig auf Distanz. Denn wer möchte sich schon mit konkreten Vorstellungen die unmittelbare Freude an einer saftigen Schweinshaxe oder einem schmackhaften Saumagen verderben lassen?

Der alte Schlachthof von Karlsruhe machte dabei keine Ausnahme. So war es nicht verwunderlich, dass die Nachricht von seiner geplanten Stilllegung schnell in klammheimliche Freude umschlug. Warum nicht das ganze Areal umgestalten zu einem riesigen Zentrum für Kunst- und Kreativität? Im Handumdrehen ließen sich Computerfreaks und Kostümschneider, Kunstmaler und Schmuckdesigner nieder. Agatha ist eine von ihnen. Ihr als Goldschmiedin bei der Arbeit zuzuschauen, ist ein ästhetisches Vergnügen. Wer käme dabei schon auf die Idee, dass ihre neue Wirkungsstätte ausgerechnet dort liegt, wo in früheren Zeiten die Schlachttiere in langer Reihe an Fleischerhaken zum Ausbluten herabhingen?

Phantasie eines Stadtgründers

Der Urknall für kreative Stadtentwicklung liegt allerdings schon dreihundert Jahre zurück und wird dem Markgrafen Karl Wilhelm zugeschrieben. Diesem war sein Herrschaftssitz im beschaulichen Durlach zu eng und provinziell geworden. Und vor allem entsprach er nicht mehr dem Repräsentationsbedürfnis jener Zeit. So entschloss er sich in unmittelbarer Nähe von Durlach zum Neubau eines Schlosses, das zur Keimzelle eines neuen „Karlsruhe“ (!) werden sollte.

Zweihundert Jahre lang diente das Schloss den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzögen von Baden als Wohn- und Regierungssitz. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte es in dieser Funktion ausgedient und erhielt den Rang eines Badischen Landesmuseums. Als solches glänzt es seit nunmehr hundert Jahren mit hochkarätigen Ausstellungen. Eine von Ihnen ist mit unglaublich wertvollen Exponaten der Kultur der Etrusker gewidmet.

Lustige Nibelungen

Hochkarätig wie das Badische Landesmuseum ist auch das Badische Staatstheater. Allein die Pferdeskulptur am Eingang lässt erahnen, auf welches Maß an Originalität man sich hier einlässt. „Der Ring des Nibelungen“: Jeder an seiner Entstehung Beteiligte weiß, dass Bayreuth nicht weit entfernt liegt und dass beckmesserisch veranlagte „perfekte Wagnerianer“ kreative Höchstleistungen erwarten.

Doch wie wäre es einmal mit den „Lustigen Nibelungen“? Bei denen werden zwar nicht die Götter, wohl aber die Helden des Nibelungenliedes augenzwinkernd durch den Kakao gezogen. Da bleibt kein Auge trocken, wenn Gunther und Hagen, Siegfried, Brunhild sowie die Rächerin Kriemhild von ihrer menschlich-allzu menschlichen Seite vorgeführt werden. Politische Korrektheit? Ach was, das wirkliche Leben ist doch viel bunter!

Digitaler Wandel

Ernst wird es erst wieder im „Zentrum für Kunst und Medien“, dem heute bereits legendären ZKM. Erwachsen aus dem langen Gemäuer einer alten Munitionsfabrik, gilt es heute als einer der führenden Impulsgeber für den digitalen Wandel unserer Zeit und belegt in der Rangordnung der Museen weltweit den vierten Platz. Denn die zahlreichen Besucher wollen sich an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst, von Technologie und Gesellschaft neuen Erfahrungen aussetzen.

Dabei versuchen sie für die Dauer ihres Besuchs, den Schleier zur Zukunft ein wenig zu lüften. Ob man es einst wohl einem programmierten Schreibgerät überlassen darf, intelligente Texte zu verfassen? Da versteht man sich gegenwärtig doch besser auf die teils im Breitwandformat ausgestellten Computerspiele, die in einer Sonderabteilung besonders das Interesse der jugendlichen Besucher wecken. So liegt zwischen der Gründung der Stadt aus der Retorte und den digitalen Wundern der Moderne nur eine relativ kurze Zeitspanne. Und doch sind es Welten, die sich hier von Karlsruhe aus auftun.

 www.karlsruhe-tourismus.de; www.landesmuseum.de; www.wtaatstheater.karlsruhe.de; www.zkm.de

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Rückzugsorte für die Seele

Sri Lanka gestaltet sich neu

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

 

Nach den Wirren des Bürgerkriegs arbeitet das Land mit Nachdruck an seiner erfolgreichen Zukunft.

„Der ist zu allem fähig!“ Parkranger Steuart, bestens vertraut mit der Körpersprache wilder Tiere, zeigt sich besorgt. Denn gerade baut sich ein mächtiger Elefantenbulle ohne Vorwarnung wie ein unüberwindbarer Sperrriegel vor dem Geländefahrzeug auf. Dabei hat er die großflächigen Ohren bedrohlich hoch aufgestellt und den Rüssel wie eine Spirale verdächtig nach innen gerollt. Ja, so muss wohl das Imponiergehabe eines Dickhäuters aussehen, der offenbar nur ungern eine Störung bei seiner Nahrungsaufnahme duldet. Oder will er etwa mit Nachdruck die Zweifel daran zerstreuen, wem in der hierarchischen Rangordnung innerhalb seines Territoriums die Spitzenposition zusteht?

Die Beobachter dieser ungewöhnlichen Szene im Yala Nationalpark von Sri Lanka stehen nun selbst unter Beobachtung. Kleinlaut und unauffällig rutschen sie immer tiefer in die Sitze ihres Fahrzeugs. Denn niemand der „Großwildjäger“ hinter den langen Objektiven kann jetzt noch ausschließen, dass die angespannte Stimmung weiter kippt. So dehnen sich die Minuten wie unter einer Zeitlupe. Doch niemand wagt es sich vorzustellen, wie diese Begegnung der anderen Art im Ernstfall ausgehen könnte.

Versteck des Leoparden

Nach dieser unfreiwilligen Mutprobe beschreibt Ranger Steuart die völlig gegensätzliche Vorgehensweise der hier lebenden Leoparden. Als Raubkatzen setzen sie nicht auf Imponiergehabe, sondern bevorzugen den Rückzug in die zerklüfteten Felsverstecke. Aus dem Verborgenen heraus planen sie unbemerkt ihren Überraschungsangriff, um sich anschließend in dem unwegsamen Gelände erneut in Sicherheit zu bringen. Nahezu unauffindbar.

Doch vielleicht nicht ganz. Denn ab und zu hinterlässt eines der Tiere seinen Tatzenabdruck am Wegrand und regt damit die Fantasie an. Mit intensivem Einsatz aller vorhandenen optischen Geräte beginnt nun die Suche nach weiteren Spuren, bis endlich, verborgen im fernen Felsgewirr, ein geflecktes Fell erkennbar wird. In der Tat ein glücklicher Augenblick und vielleicht sogar der Höhepunkt des Safari-Abenteuers!

Baum der Erkenntnis

Zivilisiert geht es dann wieder zu in der ehrwürdigen Stadt Anuradhapura im Norden des Landes. Über tausend Jahre lang war sie das Zentrum verschiedener singhalesischer Königsdynastien. So ist es auch heute ein Vergnügen, das Fluidum der alten religiösen Baudenkmäler in sich einzusaugen.

Spiritueller Höhepunkt der Region ist indes der älteste Bodhibaum des Landes, ein Ableger seines berühmten Vorgängers aus dem indischen Bodh Gaya. Er wurde hierher gebracht zur Erinnerung daran, dass in seinem Schatten der ehrwürdige Buddha einst zur Erkenntnis seiner religiösen Wahrheiten gelangt war: Einsichten über Leben und Leiden, über Endlichkeit und Nirwana. Eine Weltreligion mit eigenem Zuschnitt, die einst als Philosophie ihren Anfang nahm.

Exotische Akzente

Und auch heute noch ist unverkennbar, wie sehr der Ort im Schatten des Heiligen Baumes religiös durchdrungen ist. Menschen strömen herbei, um mit Blumenspenden und kleinen Opfergaben den erwünschten Segen einzuholen. Symbolisch für die erhoffte spirituelle Kraft und die Erfüllung der persönlichen Wünsche stehen die kleinen Armbänder am Handgelenk, die jeder von hier aus gern mit nach Haus nimmt.

 

Im Anschluss an diese spirituellen Erfahrungen locken die weißen Sandstrände, die rings um die Insel verteilt sind. Und dann sind da noch die verschwiegenen Zufluchtsstätten in ausgefallenen Landschaften. Versteckt vor neugierigen Blicken, dienen sie in den schönsten Landesteilen als Rückzugsorte für die Seele. Ja selbst im lebhaften Colombo hat sich eine dieser stilvollen Unterkünfte versteckt. Mit ihrer Ausstrahlung setzen sie exotische Akzente in einem mit neuem Selbstbewusstsein wiedererstehenden Sri Lanka. 

www.tischler-reisen.de; www.ugaescapes.com;

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Symptome des Tulpenfiebers

Holland im floralen Ausnahmezustand

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Zur Zeit der Tulpenblüte wird das Land verzaubert durch eine verschwenderische Fülle von Farbtupfern.

„Tausend rote, tausend gelbe …“ Die Sprache der Blumen zeichnet sich aus durch einen hohem Symbolwert. Dies trifft besonders zu bei persönlichen Herzensanliegen. Denen können sie zuweilen glaubhafter Ausdruck verleihen als das gesprochene Wort es vermag. Machte diese Erfahrung nicht bereits Suleyman der Prächtige, einer der mächtigsten Sultane im Topkapi-Palast am Bosporus?

Sein Harem war legendär und sicherlich auch dessen amourös aufgeladene Gefühlswelt. So reifte in ihm der Gedanke, in Liebesangelegenheiten auf Machtworte zu verzichten und dafür lieber Blumen sprechen zu lassen. Ganz besonders die neuen Tulpenzüchtungen aus seinen eigenen Gärten, wie sie weder seine Gespielinnen noch die Welt je zuvor gesehen hatten.

Goldenes Zeitalter

Belustigend bis peinlich wirkte allerdings die Ahnungslosigkeit im Abendland. Denn dort endete die erste Lieferung von Tulpenzwiebeln fast vollständig im Kochtopf des niederländischen Händlers. Erst der bescheidene Rest bildete die Grundlage für eine Welle der Begeisterung. Diese mündete wegen der ungewohnten Schönheit der Pflanzen ein in ein wahres Tulpenfieber.

In unzähligen Stillleben wurde die gestreifte „Rembrandt-Tulpe“ von den Malern des holländischen Goldenen Zeitalters für die Nachwelt festgehalten. Erstaunlicherweise entwickelten sich auch die Tulpenzwiebeln zu gefragten Objekten der Begierde. Erst das Platzen der riesigen Spekulationsblase an der Börse bereitete diesem Spuk ein Ende und hinterließ traumatisierte Anleger.

Pure Sinnenfreude

Der langfristigen Wertschätzung der Exoten aus dem Morgenland tat das jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil! Denn der damaligen Krise zum Trotz erhoben sich die „Tulpen aus Amsterdam“ wie Phoenix aus der Asche. Und in der Tat: Nach Betreten des Parkgeländes von Keukenhof herrscht die pure Sinnenfreude vor. Überall beherrschen prächtige Kreationen aus Formen und Farben das Bild. Dazwischen stößt man auf unauffällig in die Parklandschaft eingefügte Pavillons. Diese informieren über die lange Geschichte des heimischen Tulpenanbaus oder präsentieren thematisch gestaltete Installationen rund um die Tulpenromantik.

Da darf natürlich die typisch holländische Windmühle nicht fehlen, die mit ihrer Pumpfunktion früher dazu beitrug, das „Land unter Wasser“ trocken zu legen. Ihre obere Plattform eröffnet eine großartige Vogelperspektive über das bunte Parkgelände hinweg. In ihrem Schatten werden auch die ringsum gelegenen Kanäle erkennbar, die mit kleinen Elektrobooten zu einem Ausflug einladen. Natürlich fällt der Blick dabei auch auf die bunten Felder außerhalb des Parks, auf denen Millionen von Blütenkelchen und Tulpenzwiebeln bereits darauf warten, in alle Welt verkauft zu werden.

Floraler Wasserfall

Einen wunderschönen Abschluss bildet das traditionsreiche Haarlem mit seinem romantischen Flair. Jenes Städtchen, das mit seinen gewundenen Kanälen, seinen stilvollen Bauwerken und reich bestückten Museen sogar dem stolzen Amsterdam ein wenig das Wasser reichen kann. Auch hier sind rund um die zentral gelegene Bavo Kathedrale mit ihrer prächtigen Barockorgel die Tulpen nicht wegzudenken. Tragen sie doch bei zu einer liebenswürdigen Atmosphäre, wie sie besonders in den bezaubernden Innenhöfen, den berühmten Hofjes, zum Verweilen einladen.

Aber auch in den Innenräumen finden sich großzügig gesteckte Blumenarrangements. So zum Beispiel im Frans Hals Museum oder in der Neuen Bavo Kirche. In romantischer Jugendstilkulisse hängen hier im Frühjahr tausende Blüten kaskadenförmig wie ein floraler Wasserfall vom vierzig Meter hohen Innenturm herab. Ein Blütensegen, der sich unmerklich in einen Blütenregen verwandelt und damit den floralen Ausnahmezustand erneut veranschaulicht.

www.holland.com; www.nbtc.nl; www.keukenhof.nl; www.noordwijk.info; www.haarlem.nl ;

Unterstützungshinweis: Die Recherche wurde unterstützt vom Niederländischen Büro für Tourismus und Kultur.

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Aristokratische Erbstücke

Böhmische Schlösser rund um Prag

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel
 

Nach 100-jähriger Unabhängigkeit vom Haus Habsburg sprießen alte Gemeinsamkeiten neu hervor.

 

„Als Böhmen noch bei Österreich war …“ Jaja, die gute alte Zeit! Die hat es zwar nie so richtig gegeben, aber dennoch ist die tschechisch-österreichische Erinnerung voll davon. Spätestens seit das alte Europa am Ende des Ersten Weltkriegs krachend und mit großem Getöse in sich zusammenbrach. Wo war da nur die einst so mächtige und stolze k.u.k.-Monarchie geblieben, mochte man wehmütig fragen. Denn gleichsam über Nacht hatte diese sich mit einem letzten Aufbäumen in die Geschichte verabschiedet und sich dabei in einen bunten Strauß kleiner Einzelteile verwandelt. Diese allerdings freuten sich über ihre neu gewonnene nationale Unabhängigkeit.

So auch Habsburgs böhmisches Filetstück an der Moldau. Und doch wurden nicht alle kulturellen Brücken abgebrochen. Besonders die über ganz Böhmen verteilten prächtigen Schlösser, heute liebevoll „Chateaus“ genannt, stehen als aristokratische Erbstücke heute wieder im Zentrum dieser Erinnerungskultur. Vielleicht auch deshalb, weil die Nationalsozialisten und später die Kommunisten vergeblich versucht hatten, diese ideologisch unpassenden Beweisstücke dem Vergessen auszuliefern?

Phönix aus der Asche

So bedurfte es nach der viel zu langen Zeit äußerer Einflussnahme erheblicher Anstrengungen, um jedes einzelne der in Mitleidenschaft gezogenen Schlösser wie Phönix aus der Asche in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. So wie das Chateau Jemniste mit seiner auffallend schönen Barockfassade. Und dazu in seinem Schlossrestaurant mit einer kulinarisch verfeinerten Küche, die aber mit ihren allgegenwärtigen Fleisch- und Knödelgerichten auch immer wieder geprägt ist von böhmischer Deftigkeit. Wer würde nicht davon träumen, anschließend in den luxuriös eingerichteten Suiten des Schlosses ein wenig auszuruhen?

Und sich dann frisch gestärkt auf den Weg zu machen, um in der nahe gelegenen böhmischen Glasbläserei Frantisek sein handwerkliches Geschick unter Beweis zu stellen. Dienstbare und zugleich fachkundige Geister wie Natalie und Jakob brechen hier mit ihrer Einladung zur Eigeninitiative sogleich das Eis. Um zugleich dafür zu sorgen, dass bei der Entstehung kleiner individueller Kunstwerke keinesfalls zuviel Glas zerbrochen wird.

Verfeinerte Aromatherapie

Unweit von Frantisek liegt im Südosten der Prager Peripherie das Schloss Kotera. Als eines der wenigen Chateaus, das nicht im barocken Stil erbaut wurde, ist es einer der architektonischen Höhepunkte für alle Freunde des Jugendstils. Hinter einer modernistischen Fassade präsentiert sich in seinem Inneren eine ausgefallene Ausstattung, die bis in die geräumigen Zimmer hinein Erstaunen hervorruft. Da will ein Ort wie das Chateau Mcely natürlich nicht zurückstehen. Wem könnten hier all die Wohlgerüche entgehen, die im Wellnessbereich einer verfeinerten Aromatherapie entströmen?

Schließlich endet die Spurensuche zu den böhmischen Schlössern mit dem Chateau Liblice nördlich von Prag. Dieses präsentiert sich nicht nur als eines der am besten erhaltenen Bauwerke des tschechischen Barock. Hier stimmen auch Küche und Keller, so dass es Vergnügen bereitet, bei einem stilvoll arrangierten Dinner noch einmal alle Stationen der böhmischen Schlösserreise Revue passieren zu lassen. Und sich innerlich bereits einzustellen auf die zu erwartenden reichhaltigen Angebote in der tschechischen Metropole.

Politische Zeitenwende

Bereits aus der Ferne ragen die Türme des Veitsdoms als Orientierungshilfen empor und verlieren diese Funktion auch nicht beim Gang durch die Prager Altstadt. So wird die ehrwürdige Karlsbrücke schließlich zu einer belebten Durchgangsstation beim Aufstieg zur Prager Burg. Und nicht zuletzt lädt sie ein zu einem Abstecher zum Palais Lobkowitz auf der Prager Kleinseite. Zu jenem barocken Prachtbau, der seit der letzten politischen Zeitenwende wie kein anderer auch mit der deutschen Geschichte verbunden ist.

www.centralbohemia.cz; www.prague.eu; www.czechtourism.com; www.sivekhotels.com;

Foto-Show

 

Bayerischer Erfindergeist

“Sightsleeping” für Augenmenschen

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Als unglaublich bunt und beflügelnd erweist sich die Kulturlandschaft südlich des „Weißwurstäquators“.

Hosen können von hohem symbolischen Wert sein. Ja selbst bis in den familiären Alltag hinein entzündet sich zuweilen der Streit darüber, wer sie anhat und wer nicht. Dabei verblasst die frühere Diskussion über das modische Idealbild einer Hose. Denn zweifellos haben die Blue Jeans im allgemeinen Bewusstsein längst diesen Rang für sich erobert.

Wer würde da schon den Erfinder dieses modernen Kultobjektes in dem kleinen Dörfchen Buttenheim vermuten? Denn hier, unweit der fränkischen Metropole Bamberg, erblickte einst Löw Strauss das Licht der Welt. Dieser folgte der Sogwirkung des von Europa ausgehenden Auswandererstroms in die Neue Welt. Genau zum richtigen Zeitpunkt, um mit seiner genialen Erfindung im Umfeld des kalifornischen Goldrausches eine riesige Marktlücke zu entdecken und zu füllen. Von dieser ungewöhnlichen Karriere berichtet das zu einem „Levi Strauss Museum“ umgestaltete Geburtshaus, in dem sich heute Besucher aus aller Welt die Klinke in die Hand geben.

Sightsleeping Hotels

Vom Bayerischen Einfallsreichtum profitieren neuerdings auch die Gäste, die sich beim üblichen „Sightseeing“ im Freistaat zuweilen vom üppigen Kulturangebot überfordert fühlen. So kamen findige Köpfe auf die Idee, das übliche Besuchsprogramm durch das Konzept des „Sightsleeping“ zu ergänzen. Denn wer wollte bestreiten, dass selbst passionierte Augenmenschen ohne eine effektive Nachtruhe tagsüber oftmals nicht über die erforderliche innere Aufnahmekapazität verfügen.

Eines der Sightsleeping Hotels ist die Benediktinerabtei St. Walburg in Eichstätt an der Altmühl. Gemäß der weit ins Mittelalter zurück reichenden Ordensregel „sollen Gäste nicht fehlen“. Damit sind die Besucher eingeladen, in klösterlicher Abgeschiedenheit neben persönlicher Erholung auch die innere Einkehr nicht zu vernachlässigen. So wächst spürbar die individuelle Bereitschaft, ausgeruht den Kostbarkeiten der ehrwürdigen Bischofsstadt nachzuspüren.

Ritterliche Eleganz

Auch die mittelalterliche Stadt Bamberg an den Ufern der Regnitz weiß sich mit ihren architektonischen Reizen üppig zu präsentieren. So mit ihrem von zwei Flussbrücken umrahmten alten Rathaus oder mit dem über einer Anhöhe der Stadt aufragenden Dom. Hier schaut, angelehnt an einen mächtigen Stützpfeiler, der legendäre „Bamberger Reiter“ in der Pose ritterlicher Eleganz auf seine Bewunderer herab.

Auch in Bamberg geht, wie überall im fränkischen Landesteil Bayerns, die Liebe zur Stadt vor allem durch den Magen. So beispielsweise im historischen Brauereiausschank „Schlenkerla“, der mit seinem deftigen Angebot als kulinarischer Nabel des Stadtzentrums gilt. Fränkische Würste oder eine pikante Leberknödelsuppe erweisen sich dabei als zünftige Türöffner für die üppigen Hauptgerichte aus Topf und Pfanne.

Rahmwirsing und Knödel

Aber auch das in diesem Restaurant heimische Rauchbier kommt einer kulinarischen Offenbarung gleich: ein sehr dunkles, herb würziges Märzenbier, das trotz seines relativ niedrigen Alkoholgehalts, so der wohlgemeinte Ratschlag eines Stammgastes, in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden sollte. Und dennoch zählt die Erfahrung, dass der zweite Bierseidel stets besser schmeckt als der erste und der dritte besser als der zweite.

Mit Schloss Burgellern verabschiedet sich das fränkische Bayern auf stilvolle Weise. Auch bei diesem traditionsreichen Anwesen inmitten eines ausgedehnten Schlossparks handelt es sich um ein Sightsleeping Hotel. Mit abendlichen Kochkursen öffnet es für interessierte Besucher die Tore zu den Geheimnissen bayerischer Kochkunst. Natürlich dürfen dabei Bayerisch Kraut, Rahmwirsing und deftige Knödel nicht fehlen. Da legt es sich nahe, allen „Sightsleepers“ vorsorglich eine angenehme Nachtruhe wünschen!

www.bayern.bywww.eichstaett.infowww.bamberg.infowww.burgellern.dewww.capella-antiqua.de

Unterstützungshinweis: Die Recherche wurde unterstützt

von der Bayern Tourismus Marketing GmbH.

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Küste und Kunst

Floridas milder Westen

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Der feinsandige Küstentreifen von St. Pete/Clearwater erweist sich als Quelle künstlerischer Inspiration.

Gibt es etwas Faszinierenderes als einen Sonnenuntergang? Wenn der blutrote Feuerball langsam im Meer versinkt und dabei alle Blicke auf sich zieht? Der „Sunset Point“ von Clearwater Beach an Floridas Westküste ist einer jener Orte, der die Menschen jeden Abend in großer Zahl anlockt. Er ist der Endpunkt eines soliden Holzstegs, der über den Sandstrand hinaus bis in den Golf von Mexiko hinein ragt. Am Zielpunkt angekommen, spürt der Betrachter die Kraft des intensiven Abendlichts, das jeden mit seinem flimmernden Glanz verzaubert.

Von diesen Segnungen der Natur profitiert natürlich auch das benachbarte St. Petersburg, kurz St. Pete genannt. Besonders den Künstlern kommt die tägliche Lichtfülle entgegen, die sie zu einem Höchstmaß an Kreativität anregt. In einer Galerie von vierhundert Wandgemälden verleihen sie ihrem Einfallsreichtum Ausdruck. Einer von ihnen ist der Wandmaler Derek. Ihm gelingt es mit persönlichen Erklärungen, den Kunstwerken Leben einzuhauchen.

Lupenreine Schönheit

So hat das aufstrebende St. Pete das Potenzial zu einer Kunsthauptstadt Floridas. Dies wird bestätigt durch hochrangige Museen und Sammlungen, die diesen Ruf erweitern und festigen. Aufsehen erregt neuerdings die Sammlung des in Europa nahezu unbekannten Glaskünstlers Dale Chihuly. In abgedunkelten Räumen bringt er seine farbenfrohen Kreationen mit Hilfe verborgene Lichtquellen in ihrer lupenreinen Schönheit zur Geltung.

Künstlerischer Hauptanziehungspunkt von St. Pete jedoch ist das modernistisch gestaltete Dali-Museum, das die größte Dali-Sammlung außerhalb Spaniens beherbergt. Im Unterschied zu den Glasphantasien Chihulys drängt es den Großmeister des Surrealismus, über die ästhetische Wirkung hinaus die seinen Werken innewohnende Botschaft zu verdeutlichen.

Strand-Eldorado

Im Unterschied zu der Kunstszene von St. Pete steht in Clearwater bei pulverfeinem weißen Sand natürlich das Strandleben im Vordergrund. Ein Strand-Eldorado, an dem sich die Badegäste bereits am frühen Morgen ein Stelldichein geben. Nachdenklich dagegen stimmt der Besuch im Clearwater Marine Aquarium, heute die Heimat der Delfindame „Winter“. Als Star der zweiteiligen Filmerzählung „The Dolphin Tale“ mit Morgan Freeman in der Hauptrolle, rührt sie stets neu die Herzen. Denn einst verlor Winter durch widrige Umstände ihre Schwanzflosse.

Und doch fand sich eine Lösung. Sie bestand aus einer mit hohem technischen Aufwand angefertigten Gummi-Schwanzflosse, die sich nach längerer Anpassungszeit bestens bewährte. Bis heute bedankt sich Winter bei den kleinen und großen Kindern am Beckenrand mit ihren flinken Sprüngen. Damit verleiht sie auch vielen menschlichen Patienten Hoffnung und Zuversicht.

Augelassene Luftsprünge

Die Delphin-Begeisterung ist auch auf den Booten anzutreffen, von denen aus Beobachter rund um Clearwater nach den Tieren Ausschau halten. Die „Sea Screamer“ als eines von ihnen ist so konstruiert, dass das Wasser beiderseits der Schiffsschraube zu einer sprühenden Gischtwelle aufgewirbelt wird. Sie bietet einer verspielten Delphinherde eine besondere Gelegenheit zu ausgelassenen Luftsprüngen.

Längst hat die Begeisterung auch Besitz ergriffen von europäischen Besuchern, die Florida ohnehin zu einem ihrer Hauptreiseziel jenseits des Atlantiks erklärt haben. Ist dies sogar ein Ansporn für die Gastgeber, auch weiterhin mit den üppigen Pfunden zu wuchern, über die Floridas milder Westen zweifellos verfügt?

 www.VisitStPeteClearwater.com; www.kaus.net; www.TheDali.org; www.SeeWinter.com

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Die Säulen des Herkules

Segelabenteuer rund um Gibraltar

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

In stilvoller Eleganz durchquert die „Royal Clipper“ die Meeresenge zwischen Mittelmeer und Atlantik.

Ist es der Geist Napoleons, der weht, wo er will? Als ein kaum zu bändigender Wirbelwind, der - verkleidet als Mistral - mit seinen orkanartigen Böen die Wasserfluten des westlichen Mittelmeeres aufpeitscht? Zuzutrauen wäre es ihm schon, dem „Großen Korsen“, der nach der Schmach von Waterloo in gekränkter Eitelkeit selbst vor seiner Heimatinsel nicht Halt macht.

Für alle, die es an Bord der „Royal Clipper“ hin und her schüttelt, stehen allerdings keine historischen Erwägungen im Vordergrund. Sie interessiert vor allem die Frage, wann die tosenden Elemente endlich von dem gepeinigten Fünfmaster ablassen. Doch dann finden die launischen Allüren des Mittelmeeres ein jähes Ende, und ein strahlend blauer Himmel vermittelt neue Aufbruchsstimmung. Ja selbst die ersten Mastkletterer treffen sich nun wieder im Krähennest, um sich über ihre persönlichen Erlebnisse mit den entfesselten Naturgewalten auszutauschen.

Überwindung der Meerenge

Ziel sind die „Säulen des Herkules“. So nennt man die Felsformationen beiderseits der Straße von Gibraltar, die einst der stämmige Muskelprotz nach antiker Vorstellung allein mit seiner Körperkraft ans Tageslicht beförderte. So war die Öffnung des Mittelmeeres zum Atlantik schnell erklärt. Und dennoch steckte die Straße von Gibraltar jenseits aller mythologischen Erklärungsversuche voller Probleme, die schon in der Antike der Schifffahrt erhebliche Schwierigkeiten bereiteten.

Des Rätsels Lösung, so erklärt es Kapitän Brunon, besteht nach heutiger Sichtweise darin, dass die Wassermassen des Atlantiks in breiter Front aus erhöhter Position in das tiefer gelegene Becken des Mittelmeeres herab strömen. Und dass gleichzeitig das schwerere Wasser des Mittelmeeres in der Tiefe genau die umgekehrte Richtung einschlägt. Erst mit Hilfe von Treibankern und Netzen war es möglich, sich auf das offene Meer des Atlantischen Ozeans hinaus ziehen zu lassen.

 Bunte Kulturkreise

Als weniger kompliziert erweist sich dieser Vorgang für die „Royal Clipper“, die allein schon wegen ihrer Ausmaße die Wasserhürde mit Bravour überwindet. Nach Tanger und Casablanca ist schon bald der Hafen von Safi erreicht. Dieser erweist sich als hervorragender Ausgangspunkt für einen Landausflug nach Marrakesch, der „Perle des Südens“ am Fuß des Hohen Atlas. Wilde Felsformationen und wüstenartige Sandebenen wechseln einander ab, bis das in bunten Farben erstrahlende Zentrum des afrikanischen Orients erkennbar wird.

Ein ebenso bunter Kulturkreis findet sich nördlich der Straße von Gibraltar im spanischen Andalusien. Auch hier führt eine Überlandreise zu einem nur schwer zu übertreffenden kulturellen Höhepunkt, der Alhambra von Granada. In unglaublicher architektonischer Harmonie vereinigen sich die kunstvoll verzierten Palastanlagen mit den verspielten Gartenanlagen des Generalife. Rauschende Wasserquellen sowie plätschernde Springbrunnen vervollkommnen das Bild.

Eckpunkt der Seefahrtsgeschichte

Von der prächtigen Küstenstadt Cadiz aus steht nun das abschließende Teilstück der Reise bevor. Und damit die letzte Möglichkeit, die Schifffahrt unter weißen Segeln noch einmal in vollen Zügen zu genießen. Dazu das Spiel von Wind und Wellen, schwankenden Schiffsplanken und knatternden Segeltüchern.

So rückt die portugiesische Hauptstadt Lissabon immer näher. Ein anerkennender Blick geht dabei hinüber zum monumentalen Denkmal von Heinrich dem Seefahrer . War er doch einer der Pioniere, die den Aufbruch wendiger Segelschiffen bis an das Ende der damaligen Welt ermöglichten. Mit diesem Eckpunkt der Seefahrtsgeschichte schließt sich der Kreis einer zugleich abenteuerlichen wie romantischen Seereise rund um die Meerenge von Gibraltar.

 www.star-clippers.de; info@star-clippers.de; Tel. 0511-726659-0, Fax -20

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Von Moskau nach St. Petersburg

Flusskreuzfahrt durch das alte Russland

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Über ein System von Wasserwegen gleitet die „Volga Dream“ von der Moskwa bis zur Newa.

„Russland ist groß, und der Zar ist weit!“ Die Erfahrung im alten Russland lehrte, dass ein unauffälliges Leben jenseits der zaristischen Machtzentren zuweilen von Vorteil sein konnte. Denn stets hing „Sibirien“ wie ein Damoklesschwert über allen kritischen Köpfen. Jene schier unendliche Weite hinter dem Ural, die erst allmählich durch den Bau der Transsibirischen Eisenbahn erschlossen wurde. Bis dahin stand ein anderer Verkehrsweg im Mittelpunkt. Es war die mächtige Wolga, die sich diesseits des Urals als größter europäischer Strom behäbig dem Kaspischen Meer entgegen wälzte.

Früher prägten die Mitleid erweckenden Wolga-Treidler das Bild, doch längst wurde die Wolga im großen Stil schiffbar gemacht. Dabei entstand unter enormen Kraftanstrengungen auch eine verkehrstechnische Besonderheit mit Kultstatus. Es ist der überaus kompliziert verlaufende Wasserweg von der Moskwa an die Ostsee, der mit Hilfe der Wolga die russischen Metropolen Moskau und St. Petersburg miteinander verbindet. Ein Durchkommen ist allerdings nur möglich mit präzise aufeinander abgestimmten Schleusenanlagen, die die Schiffsreise in eine unerwartete Berg- und Talfahrt verwandeln.

Kuppelvirtuosität

Ausgangspunkt dieser Reise ist der nördliche Flusshafen von Moskau mit seinem monumental ausgestalteten Kanaldenkmal. Hier liegt die “Volga Dream“ an der Kaimauer bereit, um ihre Gäste an Bord zu nehmen. Das Begrüßungsritual erfolgt nach Landesart mit Brot und Salz sowie, wie sollte es anders sein, mit einem Gläschen Wodka. Das gespannte Interesse gilt zunächst der ehrwürdigen Stadt Jaroslawl. Als eine der ältesten Städte an der Wolga genießt sie mit ihren Prachtbauten den Ruf eines „russischen Florenz“. Hell klingt zur Begrüßung das Glockenspiel vom Christi Verklärungskloster herüber.

Die Weiterfahrt auf der Wolga lädt ein zur Meditation. Dabei nährt das Landschaftserlebnis die Vorfreude auf das Kirillo Kloster am Siwerskoje See. Denn hier befindet sich eine der schönsten Ikonensammlungen, die die altrussische Kunst erschaffen hat. Dagegen imponiert die kleine Insel Kischi im Onega See mit ihrer Kuppelvirtuosität. Höhepunkt der Anlage ist ein hölzernes Bauensemble von zwei Kirchen und einem Glockenturm. Verspielt heben sich die 33 ineinander verschachtelte Kuppeln vor dem pergamentfarbigen Abendhimmel ab.

Russische Volkskunst

Am Ufer des Flusses Swir, der den Onegasee mit dem Ladogasee verbindet, bietet sich eine letzte Gelegenheit, die Idylle der nordrussischen Landschaft auszukosten. Mit ihren Holzhäusern, versteckt zwischen weißen Birkenstämmen, erweist sich die kleine Künstlerkolonie Mandrogi als ein Eldorado russischer Volkskunst.

Nun lockt abschließend noch St. Petersburg, das „Venedig des Nordens“. Nach längerer Flusseinsamkeit glänzt es nun umso intensiver mit seinem städtischen Flair, mit seinem unglaublichen Reichtum an Palästen, Kirchen und Museen. Erste Orientierung bietet die fünf Kilometer lange Prachtstraße des Newsky Prospekts, die sich bis hinauf zum Alexander Newsky Kloster erstreckt. Auf dessen Friedhof fanden einst Künstler wie Peter Tschaikowski und Fjodor Dostojewski ihre letzte Ruhe.

Quellen der Kultur

Daneben darf jedoch einer der absoluten Glanzpunkte außerhalb der Stadt nicht übersehen werden, der legendäre Katharinenpalast. Dieser erstrahlt in all den Festsälen, die sich an goldenem Prunk gegenseitig zu übertreffen scheinen. Einer davon ist das inzwischen vollständig renovierte Bernsteinzimmer, das seit seiner Wiedereröffnung über den Verlust des Originals schnell hinweg tröstet. Ein zusätzliches Sahnehäubchen bei einer Schiffsreise durch das alte Russland zu den Quellen seiner reichhaltigen Kultur!

www.lernidee.de; www.metropol-moscow.ru; www.RossiHotels.com; www.podvorye.ru

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Von Agadir nach Marrakesch

Berberkultur am Hohen Atlas

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Entlang der Route von Agadir nach Marrakesch begegnet Marokko in faszinierender kultureller Vielfalt.

Der „Panthersprung nach Agadir“ ist Legende. Die Entsendung des deutschen Kanonenbootes „Panther“ an die marokkanische Atlantikküste im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs zählt noch heute zu den Musterbeispielen früherer Kanonenbootdiplomatie. So blieb über spannungsgeladene Monate hinweg offen, ob die verfahrene Situation zwischen den europäischen Kolonialmächten nicht doch noch in einen politischen Kompromiss einmünden würde. Das Wunder geschah, und die Stadt kam zum Glück mit dem Schrecken davon.

Längst ist die imperiale Großmannssucht verraucht, und seit jener Zeit haben sich auch die Motive der überwiegend deutschen Besucher in Agadir grundlegend gewandelt. Heute geht es vor allem darum, die Reize der marokkanischen Küstenlandschaft zu genießen. So sieht es auch Abdullah, der sympathische berberische Stadtbegleiter. Dank seiner Hilfe gelingt es, sich schnell einen Überblick zu verschaffen in den Gassen und Gässchen der Medina mit ihren verwinkelten Ladenzeilen.

Reizvolle Oasenstädte

Von ganz anderem Reiz sind die Oasenstädte im Hinterland von Agadir. Allen voran die Stadt Taroudant, der der Ruf eines „marokkanischen Venedigs“ voraus eilt. Noch traditioneller und bodenständiger geht es zu in dem Oasenstädtchen Tiout. Gelegen am Fuß einer mächtigen Burgruine, dreht sich auch hier, das verraten die prächtigen Palmenhaine, seit Jahrhunderten alles ums Wasser. Nach einem genauen Verteilungsschlüssel wird es in kleinen Kanälen zu gleichmäßigen Anteilen auf die Felder geleitet.

So attraktiv die Zwischenstationen auch sein mögen: Alle Wege im „Großen Süden“ Marokkos führen irgendwann nach Marrakesch, dem nördlichen Eingangstor ins Atlasgebirge. Schon bald grüßt das ehrwürdige alte Minarett von Marrakesch herüber und beflügelt die Vorfreude auf die mit Kulturschätzen überquellende Berberstadt. Dazu zählt nicht nur die zentral gelegene Medina, die in ihren Souks zwischen Gewürzen, Gebäck und Goldschmuck stets angefüllt ist mit reger Geschäftigkeit.

Garten Eden in Miniatur

Auch die Gartenkunst in Marrakesch blickt zurück auf eine lange Tradition. Musterbeispiel dafür ist der heute noch komplett erhaltene „Verborgene Garten“ aus dem 16. Jahrhundert im andalusischen Stil. Gespeist von einer artesischen Quelle, laufen hier vier Wasserarme zu einem zentralen Springbrunnen zusammen und laden bei munterem Vogelgezwitscher zum Verweilen ein.

Ein Vorbild auch für den Garten mit dem geheimnisvollen Namen „Anima“ mitten in der Einöde außerhalb von Marrakesch? Er ist das Werk des Wiener Allroundkünstlers André Heller, der hier inmitten der Wüsteneinsamkeit seiner Fantasie freien Lauf ließ. Das Ergebnis kann sich in der Tat sehen lassen, da der Garten mit seinen ausgewählten Kunstwerken inmitten eines üppigen Pflanzenbestandes Seele atmet, ähnlich einem Garten Eden im Miniaturformat.

Karge Bergeinsamkeit

Doch bereits hinter der Stadt türmt sich die Gebirgskulisse des Hohen Atlas auf. Mühsam schlängelt sich die schmale Straße hinauf in die Bergeinsamkeit. Von karger Schönheit zeugen auch die Berberdörfer, die wie Schwalbennester an den Berghängen kleben. Doch unter dieser Kargheit leidet keinesfalls die Gastfreundschaft. Schnell sprudelt im Berberdorf Ait Amir kochendes Wasser im Kessel. Kurz darauf verwandelt es sich mit kunstvollen Handgriffen in einen aromatischen Tee, der in hohem Bogen zielgenau seinen Platz in den aufgereihten Teegläsern findet.

Irgendwann heißt es Abschied nehmen. Wo fände man dazu einen geeigneteren Ort als den Jemaa el-Fna in Marrakesch? Einst der „Platz der Gehenkten“, heute das Zentrum purer Lebenslust. Geschmeidige Gnaua-Tänzer mit ihren klappernden Metall-Kastagnetten stimmen sich bereits am späten Nachmittag ein auf ihr Abendprogramm. Und das hat es in der Tat in sich: mit Gauklern und Künstlern, mit Musikern und Schlangenbeschwörern. Insgesamt sogar ein Spiegelbild lebendiger Berberkultur am Fuße den Hohen Atlas?

www.visitmarocco.com; www.fti.de; www.hotelsatlas.com; www.riadcatalina.com;

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Glücksfall Maria Theresia

Wiens Blumenstrauß zum Jahrhundertjubiläum

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Ansprechend und informativ präsentiert die Donaumetropole das reiche Erbe einer Ausnahmeherrscherin.

 

„Liebe auf den ersten Blick?“ Unnötig zu betonen, dass Liebesgott Amor zuweilen auch Fürstenhäuser im Visier hat. Wobei sein spitzer Pfeil imstande ist, selbst dicke Schlossfassaden zu durchdringen. Warum also sollte die blutjunge Habsburger Prinzessin Maria Theresia davon verschont bleiben? Die Pfeilspitze trifft sie unerwartet mitten ins Herz bei einem Besuch des Hauses Lothringen in der habsburgischen Metropole Wien. Kaum hat sie den jungen lothringischen Prinzen Franz Stephan erblickt, und schon ist es um sie geschehen – spätere Heirat inbegriffen.

Ob beide wohl damals schon ahnten, dass sich aus ihrer starken Zuneigung zueinander auch eine „Liebe fürs Leben“ entwickeln würde? Immerhin gingen nicht weniger als sechzehn Nachkommen aus ihrer Ehe hervor, die bei erfolgreicher habsburgischer Heiratspolitik Maria Theresia in den Rang einer „Schwiegermutter Europas“ erhoben.

Frauenpower und Lebensfreude

Darauf liegt das Hauptaugenmerk einer der Sonderausstellungen zum 300. Geburtstag der Monarchin im legendären „Hofmobiliendepot“. Hier steht Maria Theresia als Mutter ihrer Großfamilie im Mittelpunkt, die zielgerichtet ihre Familie auch als politisches Geschäft betreibt. Vom Mythos einer erfolgreichen Familienmutter bis hin zur vorbildlichen Landesmutter, so verdeutlichen die Exponate, ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Am augenfälligsten jedoch wird Maria Theresias Wirken im Schloss Schönbrunn. In jener gewaltigen Rokoko-Anlage am Rande Wiens, in der die architektonische Prachtentfaltung in riesigen Dimensionen Gestalt annahm. Doch zuweilen pflegt Maria Theresia noch eine andere Seite ihrer Persönlichkeit. Das beweist die an den Schlosspark angrenzende Kaiserliche Wagenburg, zum Jubiläum neu ausgestaltet mit wundervollen Kutschen und wendigen Karussellwagen. Lässt sich aus ihnen nicht das Anliegen herauslesen, Frauenpower und Lebensfreude mit traditioneller höfischer Eleganz in Einklang zu bringen?

Modernisierung und Reformen

Die politische Situation in der Mitte des 18. Jahrhunderts fordert jedoch ihren militärischen Tribut, der Maria Theresia auch eine „männliche“ Seite abverlangt. Diese Komponente ihrer Herrschaft wird deutlich in der Sonderausstellung „Bündnisse und Feindschaften“ in ihrem wunderschönen Schloss Hof außerhalb von Wien. Die Ausstellung beleuchtet den österreichischen Erbfolgekrieg gegen Bayern und Böhmen, den preußischen Überfall auf Schlesien sowie den Siebenjährigen Krieg.

Demgegenüber zeigt die didaktisch äußerst professionell aufbereitete Sonderausstellung im benachbarten Schloss Niederweiden, in welchem Maß Modernisierung und Reformen die Amtszeit Maria Theresias kennzeichnen. Da die Herrscherin als junge Frau jedoch nicht auf ihr späteres Amt vorbereitet worden war, tat sie gut daran, sich dem Rat kompetenter Fachleute in ihrer unmittelbaren Umgebung anzuvertrauen. Ebenso verhielt es sich mit Reformen in den Bereichen der Justiz und Wirtschaft. Ja selbst in der Bildungspolitik erwies sich ein grundlegender Wandel als unverzichtbar.

Liebe im Tod

Ein Mikrokosmos ihrer Persönlichkeit und ihres Lebenswerkes findet sich in dem zu ihren Ehren errichteten Maria-Theresia-Denkmal zwischen dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum. Souverän und würdevoll zugleich sitzt sie da, legitimiert durch das Schriftstück der „Pragmatischen Sanktion“, die Ihr als Frau zur Macht verhalf.

Wen wollte es also wundern, wenn diese Ausnahmepersönlichkeit den Wienern über die Jahrhunderte als ein Glücksfall der Geschichte ans Herz wuchs. Wirkt da nicht die stilvolle Würdigung Maria Theresias durch die Donaumetropole anlässlich ihres runden Ehrentages geradezu wie ein riesiger bunter Blumenstrauß?

www.wien.info; www.karntnerhof.com; www.motto.at; www.cafefrauenhuber.at; www.lugeck.com

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Parade der Pötte

Die Nordseeküste als Tor zur Welt

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Die Flussmündungen von Elbe und Weser sind Ausgangspunkte einer abenteuerlichen Seefahrtstradition.

„Am Werfte zu Kuxhaven, da ist ein schöner Ort, der heißt „Die Alte Liebe“. Die meinige ließ ich dort...“ In Liebesangelegenheiten kannte Heinrich Heine sich zweifellos aus. Wen wollte es daher verwundern, dass sogar „Die Alte Liebe“ sein Herz erweichte. Jener spektakuläre Aussichtspunkt an der Elbmündung, der bis heute die Zuschauer begeistert. Denn hier geben sich alle Schiffe ein Stelldichein, die von Hamburg aus in die weite Welt hinaus fahren oder nach langer Seereise an ihren vertrauten Ausgangsort zurück kehren.

Ist hier nicht das stets über diesen Gewässern schwebende Quäntchen von Seefahrtromantik sogar mit Händen zu greifen? Als sich beispielsweise die riesige „Pacific Princess“ soeben auf die offene See zubewegt und zeitgleich in umgekehrter Richtung die schnittige „Europa“ nach langer Kreuzfahrt mit dröhnendem Signalton ihre Rückkehr ankündigt? So stellt sich das Fernweh auf der Aussichtsterrasse wie von selbst ein und folgt den beiden Ozeanriesen in ihrer jeweiligen Richtung, bis diese allmählich mit dem Dunstschleier am Horizont verschmelzen.

Stürme und Strömungen

Umso mehr zieht nun die prächtige Kulisse des Feuerschiffs „Elbe 1“ die Blicke auf sich. Unübersehbar in leuchtendem Rot erinnert es an die alten Zeiten, als bemannte Feuerschiffe vor der Elbmündung mit ihrem Leuchtfeuer den ein- und auslaufenden Schiffen Orientierung boten. Und die dabei doch selbst einem erheblichen Risiko ausgesetzt waren. Denn auch wenn sie fest an der Kette lagen, stand doch bei hoher Grundsee in dem flachen Küstengewässer stets auch die eigene Sicherheit auf dem Spiel.

Von ähnlich abenteuerlichen Geschichten erzählt auch die „Windstärke 10“, das ansprechend gestaltete neue Wrack- und Fischereimuseum von Cuxhaven. Klaus Hankel, früher selbst aktiver Seefahrer, weiß anschaulich von der Knochenarbeit und den Gefahren vergangener Zeiten zu berichten. Besonders dann, wenn zwischen prall gefüllten Netzen und haushohen Wellen der Kampf ums Überleben angesagt war und sich die Nordsee dabei in eine Mordsee verwandeln konnte.

Klippenwanderweg zur „Langen Anna“

Sicherlich waren dies keine ermutigende Voraussetzungen für alle jene, die während der großen europäischen Auswanderungswellen beabsichtigten, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Diesen Eindruck vermittelt das anschaulich gestaltete Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven. Errichtet wurde es genau an jener Stelle des Weser-Hafenbeckens, von wo aus einst die Mehrzahl der europäischen Auswanderer ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ aufgebrochen war.

Fröhlicher geht es heute dagegen zu bei einer Fährfahrt hinüber zu der Felseninsel Helgoland. Die Tour mit der „Fair Lady“ startet am ausdrucksstarker Auswandererdenkmal der Stadt, und schnell wird deutlich, dass sich Helgoland für viele zu einem Publikumsmagneten gemausert hat. Die Hauptattraktion des Inselaufenthalts ist wie eh und je der Klippenwanderweg hinüber zur legendären „Langen Anna“, die als ein roter Sandsteinstumpf in den Himmel ragt. Sie ist der Nistplatz für Schwärme von Basstölpeln, die hier in den kräftigen Aufwinden Halt finden.

Legendäre Kugelbake

Schutz suchen nach einem bewegten Tag auch die Inselbesucher, die diesmal auf der modern eingerichteten „Helgoland“ die Rückreise nach Cuxhaven antreten. Hinter der legendären Kugelbake gerät schließlich auch „Die Alte Liebe“ ins Blickfeld. Und wo gäbe es schon eine bessere Gelegenheit, von der Parade der Pötte stilvoll Abschied zu nehmen?

 www.cuxland.de; www.bremerhaven-tourism.de; www.helgoland.de; www.cassen-eils.de

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Weine, Märkte, Schokotrüffel

Eine kulinarische Reise durch Ontario

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

 

Zum 150. Gründungsjubiläum Kanadas präsentiert sich die Provinz Ontario als ein Genuss-Eldorado.

„Ich bin patschnass, holt mich hier raus!“ Das Kreischen aller begossenen Pudel an Bord der „Maid of the Mist“ verdichtet sich zu einem gemeinsamen Entsetzensschrei. Warum muss die schwankende Nussschale den herabstürzenden Wassermassen auch so nahe kommen? Denn Naturgewalten wie der „Horseshoe Fall“ verstehen keinen Spaß und strafen unbekümmerte Respektlosigkeit umgehend ab.

Und dennoch zieht er alle in seinen Bann. Selbst noch aus der Vogelperspektive, wenn der Hubschrauber aus respektvoller Entfernung über der hoch aufsprühenden Gischtwolke seine Kreise zieht. Zudem hält der Fluss an beiden Ufern noch eine Überraschung bereit. Wird er doch eingerahmt von üppigen Wein-Anbauflächen, auf denen sich lange Rebstock-Reihen in der Unendlichkeit des Horizonts zu verlieren scheinen.

Bienenstöcke auf dem Dach

Da kommt der Hubschrauber-Landeplatz des Weinguts Inniskillin gerade recht. Hier ist die Weinernte bereits in vollem Gange. Doch der Höhepunkt der Weinernte, so Wein-Spezialistin Marta, steht erst noch bevor, wenn zum Wintereinbruch klirrender Nachtfrost die Rebstöcke der Vidal-Traube mit weißem Raureif überzieht. Das ist die Geburtsstunde des Eisweines, auf den sich Inniskillin spezialisiert hat.

Auf der gegenüber liegenden Seite des Ontario-Sees liegt, schon aus der Ferne erkennbar, die Metropole Toronto: Skyline, Wolkenkratzer, Glasfassaden – und doch voller kulinarischer Überraschungen. Zum Beispiel auf dem Hausdach des Fairmont Royal York Hotels, wo die Hotelküche aus dreizehn aufgestellten Bienenstöcken einen wunderbar aromatischen Honig gewinnt. Denn gleich daneben befindet sich der Kräutergarten des Hauses, wo sich Sous-Chef Andrew Court mit dem täglichen Bedarf seiner Küche eindeckt.

Oscarverdächtiger Senf

Dermaßen sensibilisiert, ist es ein Privileg, ihn auf den nahe gelegenen Lawrence Markt zu begleiten: „Der beste geschlossene Markt der Welt“, wie National Geographic gerade herausgefunden hat. Hier gibt es nicht nur alles, sondern alles auch besser. Die Obstauslagen, die Fischstände, die Fleischtheken sind in ihrer jeweiligen dekorativen Perfektion ein ständiger Blickfang.

Und wie käme jemand darauf, dass hier auch „der beste Senf der Welt“ Berühmtheit erlangt hat. Es ist der Stand von Jeremy Kessler, an dem man bei einer Auswahl von 38 Sorten alles getrost vergessen darf, was man bisher über Senf und Senfgeschmack zu wissen glaubte.

Kulinarische Choreographie

So unverzichtbar und unverwechselbar wie der geschlossene Lawrence-Markt in Toronto ist der offene ByWard-Markt in der kanadischen Landeshauptstadt Ottawa das unbestrittene kulinarische Zentrum der Stadt. An den einladenden Ständen vorbei zu schlendern und hier und da eine Kostprobe zu genießen, ist in der Tat ein ganz besonderes Vergnügen.

Doch erst mit der Veredelung all dieser Naturprodukte beginnt für wahre Könner die eigentliche Herausforderung. Walter Messiah, gebürtiger Franzose, ist einer von ihnen. Als Küchenchef des „Cordon Bleu Ottawa Culinary Arts Institute“ bildet er Spitzenköche für Sterneküchen in aller Welt aus. Seine Zubereitung eines kanadischen Lachsgerichts auf einem Kartoffelbett gleicht einer kulinarischen Choreographie.

Unwiderstehliche Schokoladenkreationen

Ein ähnlicher Virtuose seines Fachs ist auch Heinrich Stubbe, ursprünglich zuhause im niedersächsischen Meppen und dann vor mehreren Jahrzehnten nach Ottawa ausgewandert. Dort brauchte er nur sein heimisches Spezialitätengeschäft neu zu eröffnen. Seine Schokoladenkreationen bis hin zur Trüffelpraline sind einfach unwiderstehlich und haben ihren festen Platz im Genussleben der Stadt. Selbst Angela Merkel, so erklärt er nicht ohne Stolz, gehöre bei ihren Besuchen auf Regierungsebene sicherlich zu den Genießern.

„Kanada, kennst du Kanada?“ Ein Schlagerklassiker, eingeleitet mit einer rhetorischen Frage. Wer das riesige Land kulinarisch näher kennenlernen möchte, der trifft mit der Provinz Ontario sicherlich eine gute Wahl.

 www.ontariotravel.net/de, www.meinkanada.com, www.niagarawinetrail.org

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Tunesisches Farbenspiel

Vom Reiz des „afrikanischen Orients“

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Mit mediterraner Farbigkeit offenbart sich Tunesiens Hauptstadt bis heute als Liebe auf den ersten Blick.

 „Licht aus dem Osten!“ Selbstbewusst trug der Orient seine Selbsteinschätzung wie ein flatterndes Banner vor sich her. Von dieser großen Tradition profitierte natürlich auch der „afrikanische Orient“. Unter mediterranen Bedingungen präsentierte sich vor allem Tunesien in seiner von Licht durchfluteten Farbigkeit. Hinzu kommen wie selbstverständlich die aromatischen Gerüche der Märkte und die verspielte Ornamentik der Architektur. Bis heute vermitteln sie in ihrem stilvollen Zusammenspiel den Eindruck eines orientalischen Gesamtkunstwerks.

Strahlkraft der Küstenregion

Wie ein Wunderwerk erscheint auch das an Tunis angrenzende Küstenstädtchen Sidi Bou Said. Gelegen an den Abhängen einer schmalen Landzunge, legt es Zeugnis ab von der ungetrübten Strahlkraft der Küstenregion, die sich durch filigrane Zypressenhaine hindurch dem neugierigen Blick erschließt. Bis weit hinüber zum Horizont, wo Himmel und Meer mit azurblauen Farbtönen im fernen Mittagsdunst miteinander zu verschmelzen scheinen.

Irgendwann jedoch führen alle Wege zurück in die Medina von Tunis, in jenes nur schwer entwirrbare Durcheinander von Straßen und Gässchen, von Durchgängen und Plätzen. Wie geschaffen zur besseren Orientierung ragt im Zentrum des Gewirrs das symmetrisch verzierte Minarett der Hauptmoschee von Tunis empor. Gleichsam als Inbegriff des „afrikanischen Orients“?

Opulenter Zentralmarkt

Orientalisch bunt geht es auch zu im „Bauch der Stadt“, im opulent ausgestatteten Zentralmarkt von Tunis. Mit Ohren betäubendem Lärm macht gleich hinter dem Haupteingang der Fischmarkt auf sich aufmerksam. Gerade so, als wollten sich die Händler an Lautstärke gegenseitig übertrumpfen. Einer von ihnen rückt gerade mit seinem Messer einem riesigen Zackenbarsch zu Leibe. In der Tat ein Prachtexemplar, das die ohnehin heitere Stimmung seines Besitzers noch verstärkt.

Farbenfroher präsentiert sich der Obst- und Gemüsemarkt, der ungeahnte Schätze des Orients bereit hält. Als eine der Hauptüberraschungen erweist sich hier der Zitronenhändler Hamza. Neben seiner Verkaufstätigkeit hat er sich als Fotograf einen Namen gemacht und es bereits zum Rang eines gefragten Markthallen-Originals gebracht. Sein besonderer Trick besteht darin, sich nicht selbst fotografieren zu lassen, sondern die Kundschaft mit seiner eigenen Kamera meisterhaft zu porträtieren.

Heimische Küche

Für Ali Dey hingegen gibt es einen ganz anderen Grund, um sich regelmäßig auf dem Zentralmarkt einzufinden. Als Chef des in der ganzen Region bekannten Babboucha-Restaurants ist er natürlich sehr daran interessiert, nur die besten heimischen Produkte der tunesischen Küstenregion auf den Tisch zu bringen. Ein Konzept, das sich als sehr effektiv und nachhaltig erweist, da es nicht mit den Unwägbarkeiten importierter Produkte zu rechnen hat. Gerade schickt sich die Sonne an, hinter der Meeresbucht zu versinken, an der sich sein Restaurant befindet.

Genau der richtigen Zeitpunkt, um bei einbrechender Dunkelheit mit einem schmackhaften Dinner die Gäste des Hauses zu verwöhnen. Mit einer sämigen Suppe aus Hülsenfrüchten, einer Salatkreation mit Meeresfrüchten sowie gut gegartem Lammfleisch auf einem Couscous-Bett. Die abschließende Überraschung gilt einem Stück Zackenbarsch, 45 Minuten lang schmackhaft und zart zubereitet bei einer Wassertemperatur von 58 Grad, wie Ali Dey auf Nachfrage verrät. Nur die Antwort auf die Frage, ob es sich um das vom Fischmarkt bekannte stattliche Exemplar handelt, muss er an diesem Abend schuldig bleiben.

www.tunesien.info; www.discovertunesia.com; www.babboucha.com; www.darelmarsa.com

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Die Hammerschläge der Reformation

Der lange Nachhall des Thesenanschlags

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Mit hochkarätigen Ausstellungen zelebriert die protestantische Welt ihr 500. Reformationsjubiläum.

 

„German Angst“? Tief verankert in der deutschen Volksseele, wird sie in ihrer zuweilen heftigen Ausprägung sogar zum Gegenstand des Gespötts bei den europäischen Nachbarn. Auch in einem Superwahljahr wie diesem greift sie um sich. Nicht zuletzt dann, wenn kritische Stimmen einen Abbau des Sozialstaats befürchten. Darf man noch weiterhin auf ein Mindestmaß an sozialer Gerechtigkeit hoffen, um das befürchtete Abgleiten in die Altersarmut zu verhindern?

Im ausgehenden Mittelalter wurde die soziale Frage überlagert von einer weitaus schwerwiegenderen Befürchtung. Denn in weiten Teilen der Gesellschaft stand damals an vorderster Stelle nicht die soziale Gerechtigkeit, sondern Gottes Gerechtigkeit. Wie sollte man im Jüngsten Gericht bestehen, wenn ein zürnender Gott alle Sünden anrechnete, die sich im Laufe eines langen Erdenlebens auf dem privaten Schuldkonto angesammelt hatten?

Reformatorische Erkenntnis

Auch Martin Luther tat sich schwer mit diesem Problem. Bis er erkannte, dass es Gottes Wesen entsprach, alle Menschen gerecht zu machen, die an seine befreiende Erlösungstat in Jesus Christus glaubten. Damit war die zentrale reformatorische Erkenntnis aus der Taufe gehoben, und vorbei war es mit den bisherigen Gewissensqualen, dem Fegefeuer und dem Ablasshandel.

Wen wollte es da verwundern, wenn die Kernlande der Reformation in diesem Jahr besonders nachdrücklich in den Jubelgesang der „Wittenbergischen Nachtigall“ einstimmen. Die Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen tun dies in einem kaum zu überbietenden Kultur- und Ausstellungsprogramm. In neuem Glanz erstrahlen die Geburts- und Sterbestätte in Eisleben, das Lutherhaus in Eisenach, sowie das Augustinerkloster in Erfurt, in dem Luthers theologische Karriere begann.

Teuflische Attacken

Auch die Wartburg oberhalb von Eisenach erweist sich als ein Eckpunkt in seiner frühen Biografie. Sie diente ihm als Zufluchtsstätte nach dem Wormser Reichstag, auf dem er sich unter Überwindung aller seiner Ängste dem kaiserlichen Befehl widersetzte, alle seine Schriften zu widerrufen. Hier auf der Wartburg setzte Luther noch selbstbewusst eins drauf, indem er in nur zwölf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte. Eine Meisterleistung und ein Durchbruch zugleich.

Mit einer reichhaltigen Ausstellung zum Thema „Luther und die Deutschen“ darf er sich heute an seinem markanten Wirkungsort der Anerkennung des Landes Thüringen sicher sein. Natürlich gehört nach Ansicht von Projektleiter Dr. Marc Höchner auch Luthers Arbeitszimmer dazu, an dessen Holzwand in kurzem Zeittakt ein auffälliger Tintenfleck projiziert wird. Echt oder unecht, das ist hier die Frage. Sicher ist nur, dass der Teufel mit seinen Attacken den erfolgreichen Abschluss der Bibelübersetzung nicht hat verhindern können.

Zentrum der Reformation

Über den Löwenanteil an Reformations-Exponaten jedoch verfügt das Land Sachsen-Anhalt, war doch Wittenberg für mehrere Jahrzehnte das Zentrum der Reformation. Hier imponiert vor allem das großartig renovierte Lutherhaus, ein ehemaliges Augustinerkloster, in dem der Reformator mit seiner Frau Katharina von Bora seine zweite Lebenshälfte forschend und lehrend verbrachte.

In weiteren Bereichen des Lutherhauses sind unter dem Ausstellungstitel „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ Exponate aus den unterschiedlichsten Bereichen der Reformationsgeschichte zusammen getragen. Ein wichtiger Teilbereich ist dem Schrecken des Todes gewidmet, der mit seiner ständigen Drohung nur wenig Lebensfreude aufkommen ließ. Was das reichhaltige Material der Ausstellung jedoch vermittelt, ist der Respekt vor dem Mut Luthers, der in Glaubensfragen selbst den höchsten kirchlichen und politischen Instanzen die Stirn bot.

www.sachsen-anhalt-tourismus.de; www.thueringen-entdecken.de;

www.luther-erleben.de; www.lutherland-thueringen.de

Unterstützung der Recherche durch Thüringer Tourismus GmbH und Sachsen-Anhalt Tourismus. 

Luther-Foto-Show

 

Die Schönheit der Aphrodite

Zypern und seine Glanzlichter

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Die „Insel der Götter“ im östlichen Mittelmeer wartet auf mit einer Vielzahl himmlischer Begegnungen.

„Wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die menschliche Eitelkeit bahnt sich auch außerhalb des Märchens stets ihren Weg. Angetrieben durch Mode und Zeitgeist bringt sie regelmäßig neueste Topmodels hervor und macht die Schönheit zu einem irdischen, dem steten Wandel unterworfenen Phänomen. Was aber, wenn sich wahre Schönheit aus den Quellen des Göttlichen speist und dabei ein Schönheitsideal hervorbringt, über das hinaus nichts Schöneres gedacht werden kann?

Die Antwort auf seine Frage findet Zypernexperte Costas am Geburtsfelsen der Aphrodite im Süden der Insel. Genau dort, wo in mythischer Vorzeit nach Angaben der griechischen Klassiker die „Schaumgeborene“ den Meeresfluten entstieg. Wobei sie mit ihrem überirdisch anmutenden Erscheinungsbild in der Fantasie eine Schönheitsvorstellung begründete, die die Jahrtausende überdauerte.

Maritime Atmosphäre

Diese überirdische Schönheit scheint auf die ganze Insel auszustrahlen. Von den Stränden, an denen sich die Wellen des östlichen Mittelmeers brechen bis hinauf zu den Höhen des Troodos-Gebirges, die fantastische Ausblicke bereit halten. Landschaftsbilder dieser Art erweckten natürlich über die Jahrhunderte hinweg die Begehrlichkeiten der jeweils vorherrschenden Großmächte, die überall auf der Insel ihre Fußspuren hinterließen.

Und dennoch ist die auf Zypern vorherrschende Aufbruchsstimmung unverkennbar. So besonders in der Stadt Limassol, deren großzügig ausgebauten Hafenanlagen Zeugnis ablegen von einem dauernden Kommen und Gehen. Die zahlreichen Tavernen am Rande des Hafenbeckens erweisen sich damit zu jeder Tageszeit als einer der Hauptanziehungspunkte, natürlich auch, um hier die Besonderheiten der zyprischen Küche zu entdecken.

Kaleidoskop der Kulturhauptstadt

Darüber hinaus erweist sich Limassol als eines der Eingangstore hinauf in das Troodos-Gebirge. Überall lassen sich kleine Dörfer entdecken, die vielfach von ihren Bewohnern bereits aufgegeben worden waren. Bis vermögende Engländer kamen, um die hier reichlich vorhandene ländliche Bausubstanz zu romantischen Ferien-Wohnanlagen auszubauen und sie damit vor dem sicheren Verfall zu bewahren.

Als ebenso erstaunlich wie der Wiederaufbau mancher Dörfer erweist sich auch das Entwicklungstempo in der Stadt Paphos im Südwesten der Insel. Für das Jahr 2017 wird ihr die Ehre zuteil, sich als „Europäische Kulturhauptstadt“ präsentieren zu dürfen. Ein Titel, der unglaublich viele Aktivitäten freisetzt, wie Chefmanagerin Georgia Doetzer nicht ohne Stolz erklärt. Sie reichen von ausgefallenen Kunstinstallationen über ausgesuchte Theaterproduktionen bis hin zu wegweisenden Musikdarbietungen, von denen das Konzert der Berliner Philharmoniker am Aphrodite-Felsen von allen das Spektakulärste ist.

Öffnung des Himmels

Auf ganz andere Art faszinierend erweist sich die orthodoxe Lazarus-Kirche von Larnaca im Südosten der Insel. Hier lässt sich erahnen, welche lebendige Volksfrömmigkeit besonders an den Feiertagen noch vorherrscht. Die feierliche Liturgie und die kostbaren Gewänder erwecken den Eindruck, als habe sich der Himmel mit einem kleinen Spalt für einige kurze Momente geöffnet.

Stimmungsvoll auf ganz andere Art geht es zu bei einer Bootsfahrt entlang der Akamas-Halbinsel hinüber zum Cape Greko. Mit tiefen Felshöhlen haben Wind und Wellen in den steilen Klippen deutliche Spuren hinterlassen. Sie reichen hinüber zu dem weißen Leuchtturm, mit dem die östlichste Spitze Europas erreicht ist. Er rückt noch einmal die exponierte Position der Insel ins Bewusstsein, in der sich die Insel befindet und weckt zugleich die Neugier auf alle weiteren Glanzlichter, die es hier zu bestaunen gibt.

www.visitcyprus.com; www.fti.de; www.adams.com.cy; www.grandresort.com.cy; www.almyra,com

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Kulturmetropole an der Moldau

Prag im Glanz seines barocken Erbes

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Nicht nur von der historischen Karlsbrücke aus erschließt sich die Faszination der Prager Stadtkulisse.

Zuweilen zeigt sich die „Goldene Stadt an der Moldau“ auch von ihrer finsteren Seite. Denn es gibt sie noch, die schaurige und zugleich fantastische Welt der Alchimisten und Magier, der Geister und Gespenster in den engen Gässchen und dunklen Durchgängen der Altstadt. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf und lassen zart besaiteten Gemütern das Blut in den Adern gefrieren.

Die „Schneefrau“ kennt sie alle, ist sie doch selbst eine dieser obskuren Gestalten, die wie Schatten ihrer selbst aus den Tiefen der Unterwelt wieder auferstehen. Dabei stets getrieben von der Absicht, auf Veranlassung des Prager Sagen- und Gespenstermuseums die Geheimnisse der nicht durchweg „guten alten Zeit“ wieder zutage zu fördern.

Barockes Lebensgefühl

Den Gegenpol bildet das „Goldene Prag“, dessen gepflegte Fassaden sich glanzvoll auf der Oberfläche der Moldau spiegeln. Wer wollte es sich da entgehen lassen, bei einer Schiffstour entlang den steinernen Bögen der Karlsbrücke venezianisches Flair in sich einzusaugen? Dabei ist es vor allem die barocke Bauweise, die der Stadt ihren glanzvollen Charakter verleiht. Jene illusionäre Form der Architektur, die wie das prunkvolle Schloss Troja beiträgt zu dem barocken Lebensgefühl in der Stadt.

Zum barocken Gesamterlebnis zählt natürlich auch die Küche der Moldaumetropole. Niemand weiß dies besser als Pavel Maurer, dem nun schon im 11. Jahr die Organisation des „Grand Restaurant Festivals“ sowie des „Grand Food Festivals“ obliegt. „Barock auf dem Teller“ lautet sein diesjähriges Motto mit dem erklärten Ziel, beste Gourmet-Qualität mit überschaubaren Preisen in Einklang zu bringen.

Frühlings Erwachen

Noch gediegener geht es zu beim regelmäßig stattfindenden „Mozart Dinner“ im Boccaccio Ballroom des Grand Hotel Bohemia. Wird hier doch eine Sternstunde des Prager Barockerlebnisses zelebriert, wenn in prächtig ausgestalteter Barockkulisse köstliche Speisen aus jener Zeit aufgetragen werden. Und dazu musikalische Ohrwürmer von Wolfgang Amadeus Mozart erklingen, wobei es dem bezaubernden Gesangsduo sowie einem kleinen Streichorchester im Nu gelingt, zwischen den einzelnen Gängen die erwünschte Barock-Seligkeit hervorzuzaubern.

Doch auch dieses Erlebnis ist noch steigerungsfähig. Dazu jedoch bedarf es der Anreise nach Vortova, einem Zentrum ostböhmischen Frühlingsbrauchtums, das unlängst in den Rang des immateriellen UNESCO-Welterbes erhoben wurde. Auf einzigartige Weise hat sich hier der Brauch erhalten, in buntem Maskentreiben den harten Winter zum Rückzug zu bewegen, um endlich dem Frühling Platz zu machen.

Das ganze Dorf nimmt Teil an diesem sinnlich-barocken Schauspiel und demonstriert damit symbolisch seine Generationen übergreifende Zusammengehörigkeit.

Europäische Zeitenwende

Von ähnlich symbolischer Aussagekraft für die deutsche Zusammengehörigkeit erweist sich, zurück in Prag, das Palais Lobkowitz, der Sitz der deutschen Botschaft. Der gepflegte Barockgarten auf seiner Rückseite lässt heute nur noch mit Mühe erahnen, welche dramatischen Szenen sich hier abspielten, als Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon herab der ungeduldig wartenden Menge seine befreiende Ausreise-Botschaft verkündete.

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist dieser Ort zu einem Pilgerziel für deutsche Besucher geworden. Die Stadt Prag indes trägt es mit Gelassenheit. Denn über die Jahrhunderte hinweg ist sie bestens vertraut mit dem steten Wandel historischer und kultureller Epochen.

www.czechtourism.com; www.barrandov.com; www.mozartdinner.cz; www.muzempovesti.cz

Unterstützungshinweis: Die Recherche wurde unterstützt

von der Tschechischen Zentrale für Tourismus.

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Einmal Himmel und zurück

Zu den Quellen modernen Körpergefühls

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Auf dem Dach der Welt erweist sich das „Ananda in the Himalayas“ als ein wahres Wellness-Paradies.

Verhält sich so ein „heiliger Fluss“? Noch fällt es schwer, daran zu glauben. Denn statt ein Vorbild zu sein für meditative Gelassenheit, stürzt sich der mächtige Ganges aufbrausend über die Südflanke des Himalajas hinweg, alles mit sich reißend, das sich ihm in den Weg stellt. Nur Gott Shiva, so weiß es der indische Mythos, kann ihn daran hindern, auf seinem Weg hinunter ins Tal noch mehr Unheil anzurichten. Selbstbewusst streckt er ihm sein lockiges Haupthaar entgegen, dessen natürliche Festigkeit dem rasanten Tempo sogleich Einhalt gebietet.

Gut für alle, die drunten im Tal auf den Ufertreppen der Stadt Rishikesh bereits sehnsüchtig auf ihn warten. Dort erheben sich auf beiden Seiten des Flusses stattliche Tempel- und Klosteranlagen , die sich an Größe und prachtvoller Ausstattung gegenseitig überbieten. Hier im Zentrum der indischen Volksseele versammelt sich allabendlich eine stattliche Pilgerschar, um mit loderndem Feuer die sprichwörtliche Reinheit der „Mutter Ganges“ zu beschwören und ihr am Eingangstor zur indischen Tiefebene ihre Hochachtung zu erweisen.

Zauber der Lichter

Wie in einem ausgelassenen Tanz flackern bei zunehmender Dunkelheit auch die Stadtlichter von Rishikesh an den Berghängen empor. Selbst in großer Höhe verbreiten sie noch einen unglaublichen Zauber, der die ganze Nacht über anhält. Erst zum Tagesbeginn wird er vom Morgenlicht wie mit einem rosaroten Schwamm weggewischt. Nun spielt die weiß verzierte Fassade des Maharaja-Palastes ihre optische Vorrangstellung aus. Als die zweifellos erste Adresse der Region ist er heute das Eingangstor für eine Anlage von internationalem Ruf.  

Es ist das „Ananda in the Himalayas“, dessen Spa-Bereich bei allen architektonischen und landschaftlichen Vorzügen der Umgebung das Herzstück der Anlage darstellt. In ihm wird das Tor zum körperlichen Wohlbefinden weit aufgestoßen: vom Stirnguss bis zur Synchronmassage „mit vier Händen“, die in allen Details originalgetreu zelebriert wird. Neu hingegen ist die hier im Haus kreierte „Ananda Fusion“, während der die zierliche Tibeterin Asen mit Hilfe angenehm warmer Kräuterpakete gleich mehrere traditionelle Methoden miteinander in Einklang bringt.

Eingangstor zum Elysium

Unübertroffen indes ist der Ölaufguss vom Kinn bis zur Sohle, bei dem das Eingangstor zum Elysium nicht nur weit offen steht, sondern zweifellos bereits durchschritten wird. Wenn Kokosöl in wohltemperiertem Strahl aus metallisch glänzenden Schalen immer und immer wieder das Bewusstsein genussvoller Körperlichkeit weckt. Und sich dabei, gleichsam als unvermeidlicher Nebeneffekt, die massive hölzerne Massageplatte immer stärker in eine glitschige Rutschbahn verwandelt.

Beim ganzheitlichen Konzept des Hauses leistet natürlich auch Chefkoch Sandeep einen entscheidenden Beitrag. Als ungewöhnlich vielseitiger Meister seines Fachs stellt er mit seiner Mannschaft neben einem generellen Menu zu allen Mahlzeiten auch noch drei weitere Speisefolgen zusammen, die den Ansprüchen der individuellen Doshas entsprechen. Sollen sie doch mit jeweils speziellen Zutaten förderlich auf die jeweilige Körperkonstitution einwirken.

Ganzheitliches Konzept

Spätestens jetzt wird erkennbar, welches optimal aufeinander abgestimmte Gesamtkonzept das „Ananda in the Himalayas“ im Urteil seiner Gäste so erfolgreich macht. „Einmal Himmel und zurück“ scheint die dabei vorherrschende Stimmung zu lauten, der man im täglichen Gedankenaustausch immer wieder begegnet. Offenbar haben inzwischen viele auf der Suche nach den Quellen der modernen Körperlichkeit längst ihr individuelles Wellness-Paradies auf dem Dach der Welt für sich entdeckt.

www.anandaspa.com; www.india-tourism.com; www.fit.de; www.lotus-travel.com;

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Rallye der Wüstenschiffe

Unter Segeln durch den Suezkanal

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

 

Im Konvoi überwindet die elegante „Star Clipper“ das Nadelöhr zwischen Mittelmeer und Rotem Meer.

 

In wildem Tanz malen die Mastspitzen ihre Beschwörungsformeln an den stahlgrauen Himmel. Glauben sie wirklich, mit ihrer ausdrucksstarken Symbolsprache den launischen Meeresgott Poseidon von seinem ungestümen Vorgehen abhalten zu können? Ein dumpfes Stöhnen erfüllt den vibrierenden Schiffsrumpf, wenn der Bug sich wieder und wieder in den anrollenden Fluten aufbäumt, um kurz danach erneut in ein tiefes Wellental einzutauchen.

Gerade noch hatte die „Star Clipper“ das herbstlich angenehme Sonnenwetter für sich nutzen können, als sie vom Athener Hafen Piräus aus in See stach. Vorbei an der Akropolis und dem malerisch gelegenen Kap Sounion an der Südspitze der Halbinsel Attika. Auch in der Caldera der Vulkaninsel Santorini zeigten sich Wind und Wetter der schnittigen Viernast-Barkentine auf ihrem Weg nach Fernost noch gewogen.

Spritzige Rhythmen

Nun aber kommt es vor allem darauf an, die Küste Nordafrikas zu erreichen. Genau jene Stelle, an der bereits in der Antike der Leuchtturm von Alexandria den Seeleuten ein schützendes Hafenbecken versprach. Für viele heutige Schiffe bietet es zudem eine willkommene Verschnaufpause vor dem Ansteuern des Hafens von Port Said, dem nördlichen Eingangstor zum Suezkanal. Bereits beim Anlegemanöver in der Kanaleinfahrt zeigt sich die Stadt von ihrer farbenfreudigsten Seite. Mit spritzigen Rhythmen und in bunten Kostümen bereitet eine Tanzgruppe der „Star Clipper“ einen herzlichen Empfang.

Dennoch stellt sich immer noch die spannende Frage, welcher Platz wohl der kleinen „Star Clipper“ zwischen den riesigen Öltankern und gigantischen Containerschiffen zugewiesen wird. Bis Kapitän Sergey schließlich erleichtert das Ergebnis verkündet. Danach hat sie sich ganz am Ende des langen Konvois einzureihen. Augenblicklich breitet sich Erleichterung aus über die Tatsache, nicht zwischen den mächtigen Ozeanriesen eingeklemmt zu sein.

Hohe Dünenkämme

Überraschend ist nach dem Aufbruch vor allem, dass es neben dem soeben befahrenen Hauptkanal, verborgen hinter hohen Dünenkämmen, noch weitere moderne Teilstücke gibt. Darauf nähert sich nun hinter der legendären Friedensbrücke von El Kantara der stattliche Gegenkonvoi, der weiter südlich bereits den Kleinen und den Großen Bittersee passiert hat.

Die Aufbauten der Schiffe, die wie abgehoben von irdischer Schwerkraft über die hohen Dünenkämme hinweg gleiten, verleihen dem Begriff des „Wüstenschiffs“ eine völlig neue Bedeutung. So mag man sich nicht satt sehen an den Ungetümen, deren Aufbauten sich aus der Froschperspektive heraus vor dem blauen Himmel abheben und in ihrem Aussehen nichts gemein haben mit einem herkömmlichen Schiffsrumpf.

Clipper-Erlebnis

Schon bald nach Einbruch der Dunkelheit ist südlich des Kanalendes die Stadt Suez erreicht. Unter pergamentfarbigem Himmel vermischen sich hier die Lichter der Stadt und des Firmaments auf der spiegelglatten Wasseroberfläche. Ein gutes Omen für den unmittelbar bevorstehenden Ausklang der Reise am feinsandigen Strand von Sharm el Sheik an der Südspitze der Sinai-Halbinsel?

Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung nach Safaga, dem Hafen der Ausschiffung auf dem afrikanischen Festland. Vor der Fortsetzung ihres Transfers zu den landschaftlichen und kulturellen Höhepunkten in Fernost heißt es nun Abschied nehmen von der kleinen maritimen Welt der „Star Clipper“. Erscheint es dabei nicht wie ein Wunder, dass es ein solches Clipper-Erlebnis im Stil des 19. Jahrhunderts heute noch gibt?

 

www.star-clippers.de; info@star-clippers.de; Tel. 0511-726659-0, Fax -20

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Das böhmische Bäderdreieck

Von Risiken und Nebenwirkungen

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Virtuos versprühen die böhmischen Quellen mit ihren üppigen Mineralien eine ungeahnte Zauberkraft.

 

Goethe im Liebestaumel? Schon oft hatte Amors Pfeil ihn während seines gleichermaßen draufgängerischen wie erlebnisreichen Lebens direkt ins Herz getroffen. Nein, ein Freund von Traurigkeit war er sicherlich nie. Merklich abgeklärt glaubt er nun in seinen Siebzigern, sich in entspannter Gelassenheit ruhig zurücklehnen zu können. Doch weit gefehlt!

Diesmal ist es die blutjunge Ulrike von Levetzow, die im zarten Alter von 17 Jahren im böhmischen Marienbad die Leidenschaft des 72-jährigen entfacht. Ist es das hold ausstrahlende Wesen mitsamt den körperlichen Reizen, die den Kenner amouröser Angelegenheiten in eruptiven Liebeswahn versetzen? Oder ist es vielmehr die Ambrosius-Quelle, jene schon damals legendäre „Quelle der Liebe“, mit deren Hilfe er es vielleicht doch noch einmal wissen will?

Siegeszug des Kurschattens

Wo andere glauben, gegen oder für alles sei ein entsprechendes Kraut gewachsen, ist man im böhmischen Bäderdreieck bis heute der Meinung, man könne jedem Problem mit dem richtigen Quellwasser zu Leibe rücken. Und davon gibt es in Marienbad, Karlsbad und Franzensbad weiß Gott genug. Mit jeweils unterschiedlicher mineralischer Zusammensetzung erscheint es als die natürlichste Lösung für (fast) jedes Zipperlein. Warum also sollte man sich diese segensreiche Fülle aus dem Erdinneren entgehen lassen?

Bereits im 19. Jahrhunderts setzte der Ansturm ein. Mit der Folge, dass überall Prachtbauten mondäner Bäderarchitektur wie Pilze aus dem Boden schossen. Dazu lang gezogene Trinkhallen in antiker Tradition, in deren langen Kolonnaden stilvoll ausstaffierte Herrschaften würdevoll entlang wandelten. Wann allerdings der erste Kurschatten bei diesem feierlichen Zeremoniell seinen Siegeszug antrat und die bestehende Moral leicht trübte, darüber gibt es heute nur noch Mutmaßungen und Gerüchte.

Lebendiger Mythos

Über die hierarchische Rangordnung der einzelnen Bäder untereinander lässt sich je nach persönlichem Geschmack trefflich streiten. Belegt ist allerdings, dass sich die gekrönten und ungekrönten Häupter Europas zur Kur eher in Marienbad ein Stelldichein gaben. So weiß es Stadtführerin Ilona angesichts der prachtvollen Fassaden. Ihre Namen reichen von Franz Josef, Kaiser von Österreich, über den preußischen Fürst Bismarck bis hin zu König Eduard VII. von Großbritannien, den es allein neunmal in das eigens für ihn konstruierte private Luxusbad zurück zog.

Auch Karlsbad ist eine kleine Welt für sich. Fast noch mondäner ausgestattet als die Konkurrentin Marienbad, reicht hier die Bädertradition zurück bis ins 14. Jahrhundert. In jene Zeit, als Kaiser Karl IV. die nach ihm benannte Stadt mitsamt ihren Heilquellen zur Chefsache erklärte. In seinem 700. Jubiläumsjahr wäre die schmucke Stadt für ihn wohl kaum wiederzuerkennen. Und sicherlich würde er seinen habsburgischen Nachfolgern großes Lob aussprechen für das über die Jahrhunderte entstandene Gesamtkunstwerk.

Weißgelbes Erscheinungsbild

Bleibt noch das letzte und vielleicht erlesenste der drei Bäder, das Franzensbad. Das kleinste zwar, aber in seiner architektonischen Geschlossenheit wohl das schönste. Einst gegründet von Kaiser Franz, hat sich sein weißgelbes Erscheinungsbild bis heute erhalten und strahlt wegen seiner stilistischen Einheitlichkeit eine unglaubliche Eleganz aus.

Kein Wunder, dass sich einst auch Goethe von dieser bemerkenswerten Kulisse angezogen fühlte und hier – so ist zu hoffen – seine innere Ruhe wiederfand. Und dabei all die Wunden heilte, die unerfüllte erotische Träume seiner Seele geschlagen hatten. Kann seither vor Risiken und Nebenwirkungen des böhmischen Heilwassers nicht nachdrücklich genug gewarnt werden?

 

www.czechtourism.com; www.zivykraj.cz/de; www.karlovavary.cz/de; www.danubiushotels.de

 

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Unbekanntes Europa

Bulgariens verborgene Schätze

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Im Grenzgebiet zwischen Orient und Okzident überrascht Bulgarien mit grandiosen Kulturlandschaften.

„Wo steppt der Bär?“ möchte man verwundert fragen. Denn die Ankündigung eines „Tanzbärenparks“ führt umgehend zu ungläubigem Staunen. Zum Glück warten die Ranger Jana und Dimitar bereits am Eingang der gut gesicherten Anlage und reden Klartext: „Nein, getanzt wird hier nicht“, hält Dimitar dagegen. Und spielt damit an auf jene unselige Zeit, in der heimische Roma ihren Bären die Flötentöne beibrachten, indem sie sie auf heißen Metallplatten das „Tanzen“ lehrten. Alle auf diese oder ähnliche Weise missbrauchten Braunbären, so Jana, sind noch lange danach tief traumatisiert. Monty ist einer von ihnen. Nun ist er hinter dem stabilen Zaun der Anlage vorerst in Sicherheit. Ob seine entspannte Haltung an diesem sonnigen Vormittag wohl darauf schließen lässt, dass er unaufgeregt besseren Zeiten in unberührter Umgebung entgegen sieht?

Wilde Landschaft

Denn davon gibt es in Bulgarien reichlich. Nicht so sehr an der von Badegästen überfluteten Schwarzmeerküste im Osten des Landes. Wohl aber in den drei Gebirgszügen, die im Südwesten auch bei Wander- und Abenteuerurlaubern die Herzen höher schlagen lassen. Wilde Landschaften an der Grenze zwischen Orient und Okzident, die sich bereits seit den Thrakern vor dem Zugriff der Regionalmächte vorzüglich als Rückzugsgebiete eigneten.
Und die zugleich Symbolfiguren hervor brachten, die bis in die Gegenwart hinein für das Land typisch sind. Wie beispielsweise Spartakus, der legendäre Freiheitskämpfer, der einst als Anführer des nach ihm benannten Sklavenaufstands das römische Weltreich gehörig aufmischte. Legendär auch der Musen geküsste Orpheus, dem es durch die Macht seiner wohlklingenden Stimme fast noch gelungen wäre, seine viel zu früh verstorbene Eurydike aus den Tiefen des Hades zu befreien.

Frommer Schauer

Doch trotz dieses der Liebe geschuldeten Misserfolgs sah man in Orpheus fortan stets ein Symbol für die reiche bulgarische Kultur. Besonders für die hohe Gesangskunst, wie sie sich eindrucksvoll jeden Sonntag vom Chor der orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale in der Landeshauptstadt Sofia vernehmen lässt. Anziehungspunkt ist auch das mitten im Rila-Gebirge verstecke Rila-Kloster, das in orthodoxer Prachtentfaltung die Pilger aus allen Himmelsrichtungen anlockt.
Als Eingangstor zu den Kostbarkeiten des bulgarischen Südwestens dient auch die ausgefallene Formation des Pirin-Gebirges. Einst war es eine mächtige Sandsteinplatte, die sich unter tektonischem Druck erhob und dann langsam erodierte. Dabei hinterließ sie spitze Sandstein-Pyramiden, wie man sie nie zuvor gesehen hat. Ein Anblick, der die Schritte während der Gebirgswanderung zunehmend beflügelt.

Romantische Schmalspurbahn

Und noch eine weitere Erhebung hält der bulgarische Südwesten bereit. Es ist das Rhodopen-Gebirge, das bei weitem größte von allen. Besonders lässt es sich genießen aus dem Waggon einer romantischen Schmalspurbahn. Über 125 Kilometer führt diese entlang dem Nordrand des Gebirges bis nach Kostandovo, der legendären Spa-Hauptstadt des Balkans.
Doch dann gibt es kein Halten mehr, denn schon kündigt sich mit Plovdiv die Hauptstadt der Rhodopen an. Nach der Wende einst zusammen mit Weimar eine der europäischen Kulturhauptstädte. Und nun wird sie es schon wieder. Denn für das Jahr 2019 erhielt das schmucke und traditionsreiche Städtchen mit seiner berühmten Flaniermeile, der historischen Altstadt sowie seinem römischen Theater erneut den Zuschlag. Damit wird, völlig zu Recht, das südliche Bulgarien mit seinen Kultur- und Naturschätzen wieder verstärkt in das europäische Blickfeld rücken.

Die Bulgarien-Foto-Show

www.pilgerreisen.de  www.arenadiserdica.com  nzik@villamelnik.com  www.vier-pfoten.bg

 

Mythos Rovos Rail

Schienensafari quer durch Afrika

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Erst auf dem Landweg vom Atlantik bis zum Indischen Ozean erschließt sich die Vielfalt des Kontinents

Behäbig wälzt er sich in seinem breiten Bett. Denn noch ahnt der mächtige Sambesi nichts von seinem Ungemach, das ihm als einem der größten Flüsse Afrikas unmittelbar bevor steht. Doch schon packt ihn ein jähes Erwachen, als ihn eine schroff nach unten abfallende Felswand von der Bettkante herab zu ziehen droht. Noch im Fallen entwickelt er Wut schnaubend eine tosend aufsprühende Gischt, die im Umkehrschub als „Donnernder Rauch“ vom Grund der breiten Felsspalte sogleich wieder nach oben geschleudert wird.

Für den schottischen Afrikaforscher David Livingstone war dies die wohl beeindruckendste Visitenkarte, die ihm je von einem Naturschauspiel präsentiert wurde. Ob er sich wohl beim ersten Anblick schon der Ehre bewusst war, als erster Weißer bei seiner Forschungsreise von Kapstadt nach Luanda die größten Wasserfälle der Erde entdeckt zu haben?

The Pride of Africa

Auf seinen Spuren bewegt sich auch der bereits legendäre Rovos Rail, der sich unter seinem Ehrennamen „The Pride of Africa“ nicht nur in dieser Region höchster Wertschätzung erfreut. Von Kapstadt aus ist er unterwegs durch das südliche Afrika, zunächst vorbei an der Diamantenstadt Kimberley und der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria, dem Heimatbahnhof des Zuges.

Mit Victoria Falls und seiner legendären Sambesi-Brücke rückt nun die zweite Hälfte der Reise in unmittelbare Nähe. Sobald sich die Zugtüren mitten auf der Brücke öffnen, steht der auf einem nahen Hügel gelegene Aussichtspunkt im Mittelpunkt des Interesses. Denn von dort aus ist es möglich, für ein paar kostbare Minuten die Brücke samt Zug und Steilwand der Victoria-Fälle in Augenschein zu nehmen.

Verfolgungsjagd einer Löwin

Je mehr sich der Rovos Rail zwischendurch den städtischen Zentren Sambias wie Lusaka oder Kapiri Mposhi nähert, umso mehr Kinder finden Interesse an dem nicht alltäglichen Anblick des Zuges. Aufgeregt rufend und freundlich winkend nehmen sie die Verfolgung auf. Bis die Entfernung zu der Aussichtsplattform am Ende des Zuges immer größer wird, von der aus die ausgelassenen Grüße ebenso herzlich erwidert werden.

Doch schon entwickelt sich nach erneutem Grenzübertritt die Vorfreude auf das Selous-Wildreservat in Tansania. Hier scheint ein reicher Wildbestand nur darauf zu warten, von interessierten Besuchern aufgespürt zu werden. Dramatisch gestaltet sich aus dem Geländefahrzeug heraus die Verfolgungsjagd einer Löwin auf ein temperamentvolles Gnu, das sich, bevor es schließlich durch scharfe Krallen zur Strecke gebracht wird, geschickt und trickreich mit kräftigen Hufschlägen zu verteidigen weiß.

Erfüllter Lebenstraum

Von nun an ist es nicht mehr weit bis Dar Es Salaam. Hier an der Küste des Indischen Ozeans pulsiert nach zweiwöchiger Abgeschiedenheit erneut das urbane Leben. So bereits am modern anmutenden Tazara-Zielbahnhof der tansanischen Metropole bei einem zünftigen musikalischen Empfang des Zuges. Im Unterschied dazu steht die genießerische Ruhe an einem der belebten schneeweißen Badestrände der Stadt.

Damit rundet sich das bunte Bild vom südlichen Afrika ab. Von seiner teils bizarren Geschichte, seinen wundervollen Landschaften und seinen freundlichen Menschen. Mischt sich da in den Rückblick auf die erfolgreiche Reise mit „The Pride of Africa“ nicht auch ein wenig der Stolz, sich mit dem „Mythos Rovos“ einen lange gehegten Lebenstraum erfüllt zu haben?

Durchgeführt als deutschsprachige Exklusiv-Charter von Lernidee Erlebnisreisen, www.lernidee.de

Afrika-Schienensafari-Foto-Show

 

Am Busen der Natur

Sommerliche Fülle im Alpbachtal

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

 

Zwischen Rofangebirge und Kitzbüheler Alpen zeigt sich die Tiroler Bergwelt von ihrer schönsten Seite.

 

Ist dies die Neuauflage des ewigen Kampfes zwischen Licht und Finsternis? Aktueller Schauplatz der Auseinandersetzung ist die Tiefenbachklamm, jene nicht ganz einfach zugängliche Felsenschlucht, in die sich die Brandenberger Ache im Verlauf der Jahrtausende tief hinein gefressen hat. Und die dabei mit ihren wild aufsprühenden Wassermassen steil aufragende Felswände schuf.

Mit zunehmender Tiefe der Schlucht ist die Finsternis im klaren Vorteil. Und nur mit Mühe gelingt es, sich von dem aus der Felswand heraus geschlagenen Pfad einen Überblick zu verschaffen über das drunten vom weißen Wildwasser verursachte Chaos. Und doch wagen sich mutige Extremsportler dort hinein. In ihren wendigen Kajaks manövrieren sie sich mit Geschick durch die Felslücken hindurch, oder sie lassen sich mit ihren Rafting Booten in ausgelassener Freude von der sprühenden Gischt auf und ab wirbeln.

Dach der Region

Nach dem Ausstieg aus diesem dunklen Keller des Alpbachtals fällt der Blick schnell auf das Dach der Region, das stolze Wiedersbergerhorn. Je höher die Seilbahn geräuschlos nach oben schwebt, umso mehr tritt bei strahlender Sonne das Licht seinen Siegeszug an. Und je tiefer das Alltagsgeschehen im Tal zurück bleibt, umso mehr beeindruckt von den blühenden Almweiden her die sommerliche Fülle der alpinen Natur. Für einen kurzen Augenblick erwächst in der Weite der Landschaft sogar die Illusion eines Spaziergangs mit den Augen.

Professioneller wird es hingegen mit Extremsportler und Wanderführer Oswald Stock, der sein Handwerk auf der japanischen Insel Shikoku bei einem Fußmarsch über 1300 Kilometer von der Pike auf gelernt hat. Immerhin führt die heutige Wanderroute von Kramsach aus zu den Seen des Seenlandes, vom Frauensee über den Krummsee und den Reintaler See bis hinauf zum idyllisch gelegenen Berglsteinersee.

Sie gehören zu den „wärmsten Badeseen Österreichs“, die in der Sommerzeit zum Badevergnügen geradezu einladen!

Eldorado für Naschkatzen

Nicht weit vom Krummsee entfernt findet sich inmitten eines gepflegten Waldgebietes das „Museum Tiroler Bauernhöfe“, eines der schönsten seiner Art in Mitteleuropa. Besonders interessant wird der Aufenthalt, wenn Akteure das Dorf im Stil des ausgehenden Mittelalters mit Leben füllen, so als Färber und Weber, als Köche oder Schuster. Nicht zu vergessen die Bauern, die es auf die Früchte des Feldes abgesehen haben.

In deren Tradition stehen Florian und Naomi, die in der Nähe von Reith aus einem Stück Land die Obstplantage „Floberry“ hervorgezaubert haben. Aus dieser quellen wie aus einem Füllhorn die sommerlichen Früchte hervor. Daraus entstehen in heimischen Kochkesseln verschiedene Arten von Konfitüre in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen wie Heidelbeer-Koriander, Brombeer-Zitronengras, Himbeer-Basilikum, Erdbeer-Minze oder Kirsch-Kokos. Geradezu ein Eldorado für Naschkatzen aller Art.

Festsaal der Lebensfreude

Auf dieser kulinarischen Ebene stellt sich das überschwängliche Lebensgefühl wie von selbst ein, das nur noch getoppt wird durch ein deftiges Volksfest. Wenn im Ortsteil Reith eine Blaskapelle am Wochenende in einem Festzelt Position bezieht und drahtige jungen Männer des Trachtenvereins „D’Reitherkogler“ ihren temperamentvollen Schuhplattler auf die Bühne bringen. Das ist Lebensfreude pur, die bis nachts um drei Uhr anhält. Neben dem Keller des Tiefenbachklamms und dem Dach des Niedersbergerhorns hätte das Alpbachtaler Haus damit noch einen provisorischen Festsaal hinzugewonnen.

www.alpbachtal.at; www.sport-ossi.at; www.museum-tb.at; www.sporthotel-sonnenuhr.at

Alpbachtal-Foto-Show

 

Mit Glanz und Gloria

Regensburg inszeniert sich neu

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Am Strudel der Donau verwirbelt sich das historische Erbe effektvoll mit kultureller Aufbruchsstimmung.

 

James Bond in Regensburg? Welche Umstände sollten den MI6-Agenten der Queen mit der Lizenz zum Töten von der Themse an die Donau verschlagen haben? Die Schlossfestspiele machen es möglich. In diesem Jahr zumindest eine Filmnacht lang, in der die „Jagd auf 007“ das Publikum im Innenhof des Schlosses durchgehend in Atem hält.

Nichts wird auf der Großleinwand an Verfolgungsszenen ausgelassen, das nicht immer wieder in Thrillern wie „Liebesgrüße aus Moskau“ oder „Skyfall“ die Gemüter erregt hätte. Untermalt von den aufrüttelnden Klängen der Bond-Filmmusik, in schmissigem Sound live interpretiert vom Radio-Sinfonieorchester Pilsen.

Geschüttelt, nicht gerührt

Wie anders dagegen die einem gefühlvollen Sommernachtstraum nachempfundene Schlossfassade. Nach Einbruch der Dunkelheit festlich illuminiert, strahlt sie hinein in den ihr vorgelagerten Schlossgarten, in dem sich zur Abkühlung zwischendurch viele Gäste mit dem Geschmack eines Wodka-Martinis vertraut machen. Prickelnder als Champagner und härter als Whisky, wie es heißt. Und, darauf wird stets geachtet, entsprechend der Bond-Etikette natürlich geschüttelt, nicht gerührt!

Dabei lohnt es sich, hin und wieder Ausschau zu halten nach Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die sich gelegentlich zu Gesprächen unauffällig unter die Gäste mischt. Ist sie doch die charmante Gastgeberin dieses Festival-Events, das Jahr für Jahr an Bedeutung gewinnt und sich auch diesmal wieder mit großen Namen der internationalen Musikszene zu schmücken weiß. Ein Jahreshöhepunkt im Stadtgeschehen?

Manhattan des Mittelalters

Für Festival-Enthusiasten keine Frage. Doch auch die historische Altstadt, soviel wird in Begleitung von Stadtführer Arthur Bechert schnell klar, schwelgt in Superlativen. Liebevoll restauriert, inszeniert sie sich in jeder Jahreszeit neu mit einer architektonischen Fülle, wie sie sonst fast nirgendwo in Deutschland anzutreffen ist. Vom „Manhattan des Mittelalters“, wie die Respekt einflößenden Geschlechtertürme auch genannt werden, über historische Fassadenreihen bis hin zu stilvoll ausgestalteten Plätzen, aus denen der Bischofshof mit seinem verspielten Ambiente herausragt.

Alle Wege jedoch führen hin zum historischen Rathaus. Jenem legendären Ort, in dem vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Napoleonischen Zeitalter der „immerwährende Reichstag“ eineinhalb Jahrhunderte lang seinen Sitz hatte. Und der als Versammlungsort all jener illustren höfischen Gesandtschaften das städtische Leben entscheidend prägte.

Zwitschernde Domspatzen

Oder ist nicht gar der Dom, das imposante Wahrzeichen der Stadt, als kulturelles Zentrumanzusehen? Älter als der Kölner Dom und in vielfacher Hinsicht sogar dessen Vorbild, überragt er die Stadtkulisse und überzeugt architektonisch mit seinem gotischen Erscheinungsbild. Jeden Sonntag zwitschern hier die „Regensburger Domspatzen“, die als ältester Knabenchor der Welt nicht nur über eine unglaublich hohe Klangqualität, sondern dazu auch über ein vielfältiges musikalisches Repertoire verfügen.

Natürlich gehören die Abende einem der ausgefallenen Speiserestaurants. Mit dem „Storstad“ verfügt Regensburg seit kurzer Zeit sogar über ein Sternerestaurant, das es in sich hat. Mit Blick über die Türme und Dächer der Stadt von der Restaurantterrasse aus, ließe sich hier fast die Zeit vergessen. Wären da nicht die von Sternekoch Anton Schmaus zubereiteten Delikatessen, die mit Einbruch der Dunkelheit die Blicke zurück auf den Teller lenken. An der reichhaltig ausgestatteten Bar würde sich zweifellos auch James Bond seinen Wodka-Martini schütteln lassen.

Regensburger Foto-Show

www.regensburg.de  www.schlossfestspiele-regensburg.de  www.bayern.by  www.storstad.de 

 

Sumo und Sushi

Japan wuchert mit seinen Pfunden

    Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Nirgendwo sonst begegnen japanische Landschaft und Kultur authentischer als an der Seto Inlandsee.

Krachend prallen die massigen Leiber aufeinander. Die Oberkörper stiernackig nach vorn geneigt und die wuchtigen Köpfe schon im nächsten Augenblick auf Tuchfühlung nebeneinander. Es ist der Höhepunkt des täglichen Sumo-Trainings, das stets mit auflockernden Dehnübungen beginnt. Unmerklich verwandeln sich diese in schweißtreibende Kraftübungen, um schließlich einzumünden in wuchtige Kampfposen, die den Ernstfall realistisch vorweg nehmen. Denn dieser sieht vor, beim Turnierwettkampf im Zusammenspiel von geballter Körperlichkeit und elastischer Wendigkeit den bis zu 250 Kilogramm schweren Gegner aus dem vorgegebenen Ring zu drängen.

Leuchtendes Zinnoberrot

Und doch, so Japan-Spezialist Shimokawa, spiegelt sich in diesem Nationalsport nur ein Teil der japanischen Volksseele. Der weitaus größere Teil hat mit seiner Feinnervigkeit und Kunstsinnigkeit zahllose Kunstwerke hervorgebracht, die in vielfacher Ausprägung über das ganze Land verteilt sind. Besonders gilt dies für die bezaubernde Seto Inlandsee, eine spektakuläre Meerenge zwischen den Inseln Honshu und Shikoku. Hier ist es vor allem die kleine Insel Miyajima mit dem legendären Torii als ihrem augenfälligsten Symbol. In leuchtendem Zinnoberrot scheint es wie ein riesiges Eingangstor dem Küstengewässer zu entwachsen, um nach Einbruch der Dunkelheit als markante Silhouette langsam wieder mit dem Nachthimmel zu verschmelzen.

Es gehört zu dem angrenzenden Itsukushima-Schrein, einem Inbegriff für shintoistische Frömmigkeit. Mit unglaublicher Leichtigkeit schwebt er in architektonischer Überhöhung knapp über der Wasserlinie. Ab und zu verziert von bunt gewandeten Shinto-Priestern, die gleich vorbei eilenden Farbtupfern dem Schrein zusätzlich Leben verleihen. Akustisch begleitet durch das vom Spendengitter immer wieder herüber schallende Händeklatschen. Offenbar dazu gedacht, die Shinto-Götter auf sich aufmerksam zu machen und in demutsvoller Gebärde ihren Segen einzuholen.

Japanisches Venedig

Von hier aus ist es nicht weit bis Kurashiki, das mit seiner üppigen Kunstszene und seinen durch die Altstadt verlaufenden Kanälen häufig auch als „Japanisches Venedig“ bezeichnet wird. Nicht ganz zu Unrecht. Denn ständig fahren auf dem Hauptkanal Stocherkähne im Schritttempo an den traditionell japanischen Hausfassaden entlang. Und vermitteln dadurch ein Existenzgefühl, wie es einst im alten Japan vorgeherrscht haben mag. Davon profitieren besonders die Brautpaare, die in shintoistischen Gewändern die Einmaligkeit dieser Situation auskosten.

Das Ende des Nostalgieaufenthalts folgt unvermittelt. Nur wenige Stunden sind es im Shinkansen-Schnellzug von Okayama bis Tokio. Reservierte Plätze, pünktliche Abfahrt und eine hilfsbereite Stewardess, die mit stets freundlichem Lächeln um das leibliche Wohl der Fahrgäste besorgt ist. Und schon ist sie erreicht, die Skyline von Tokio, die sich vom höchsten Punkt der Stadt, dem Rathaus-Aussichtsturm, als beeindruckende Mega-Hauptstadt präsentiert.

Sushi-Abenteuer

Wer wollte sich da die Gelegenheit entgehen lassen, in einem Sushi-Restaurant im Ginza-Viertel selbst Hand anzulegen und die Kunst der Sushi-Herstellung zu erlernen? Der Reis mit guter Klebeeigenschaft steht schon bereit, der Sushi-Koch zerlegt den Fisch und die ersten unbeholfenen Versuche der Sushi-Schüler werden immer professioneller. Abschließend gewürzt mit Sojasoße und Wasabi ist die kunstvoll dekorierte Platte schließlich fertig zum Verzehr. Und sogleich stellt sich mit dem ersten Bissen der Stolz ein über diesen ersten persönlichen Zugang zur japanischen Küche.

Foto-Show

www.jnto.de; www.ana.co.jp; www.gankofood.co.jp; www.hotelmakoto.co.jp;

 

Kulinarisches Nirvana

Gaumenfreuden in Vietnam

    Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Frisch, schmackhaft und preiswert – so verführerisch präsentiert sich die Street Food Küche in Fernost.

Um ein Haar wäre ihr das Tablett aus der Hand gefallen. So sehr war sie im ersten Augenblick beeindruckt von dem hohen Gast, der sich in ihr unscheinbares Restaurant verirrt hatte. Und selbst in der Zeit danach hält Huong Lien immer wieder das großflächige Foto von Präsident Barack Obama stolz empor, das seit dieser denkwürdigen Begegnung anlässlich seines Staatsbesuchs in Vietnam den bescheidenen Speiseraum ihres Street Food Restaurants ziert. Dass er ausgerechnet hierher kam, um ihre frische Gemüsesuppe und ihre mit Fleisch gefüllten Frühlingsrollen zu probieren, kommt für sie einem Lottogewinn gleich.

Pikante Kostproben

Schon immer war die Freude an einer guten Küche Bestandteil der vietnamesischen Kultur. Da erstaunt es nicht, dass sich das Land inzwischen als Weltmeister der Street Food Küche etabliert hat. So sieht es Starköchin Ai, die dieser Kochkunst als eine ihrer führenden Repräsentantinnen soeben ein Buch gewidmet hat. Mit Kennerblick führt sie ihre Gäste durch die kleinen Straßenrestaurants der Altstadt von Hanoi und erklärt die nicht immer leicht zu identifizierenden tropischen Früchte in den üppigen Obst- und Gemüseauslagen.

Abschließend dann der genießerische Höhepunkt in Ais Lieblingsrestaurant, dem „Quan an Ngon“, in dem sie mit ihren Bestellungen der langen Holztafel nach und nach üppiges Leben einhaucht. Pikante Zutaten sind es von außerordentlicher Qualität, zuweilen eingewickelt in hauchdünnes Reispapier. Mit hintergründigem Lächeln freut sich Ai über den gelungenen Ausflug in das kulinarische Nirvana ihrer Heimatstadt.

Ländliche Kochkunst

Der weitere Weg führt in Richtung Süden über den legendären Wolkenpass über Danang bis hinunter in die alte Kaiserstadt Hué. Die Ebenen am Fuß einer gewaltigen Gebirgskulisse sind überzogen vom satten Grün der Reis- und Gemüsefelder. Kleine Fahrradwege und schmale Radfurchen geben bei einem Ausflug die Richtung vor entlang natürlichen Gewässern und künstlich angelegten Fischteichen.

Bis hin zu einer kleinen landwirtschaftlichen Anlage in dem Dorf Tra Que, die bekannt ist für ihren Kräuteranbau. Da bekanntlich die Götter vor den Genuss den Schweiß gesetzt haben, fordert Bäuerin Hing ihre Gäste auf, sich unter ihrer sachkundigen Anleitung zunächst der anspruchsvollen Feldarbeit zu widmen. Um dann, im nächsten Schritt, an vorbereiteten Töpfen und Pfannen von ihr in die Geheimnisse der ländlichen Kochkunst eingeführt zu werden. So entsteht die frische Frühlingsrolle „Tam Huru“ und gleich darauf der knusprige Reismehlpfannkuchen „Banh Xeo“. Wie von selbst entwickelt sich dabei ein fröhliches Koch-Gemeinschaftserlebnis, nur noch gekrönt von dem ausgelassenen Mahl nahe dem Wasserrad an der Fassade des Hauses.

Individuelles Geschmackserlebnis

Leckereien aller Art sind selbstverständlich auch in Ho Chi Minh Stadt zu finden, dem einstigen Saigon. Hier jedoch trifft man noch auf eine besondere Attraktion, das „Cyclo Abenteuer“. Als Beifahrer auf einem schnittigen Vespa-Roller geht es im Spurt mitten durch das legendäre Verkehrsgewimmel im nächtlichen Saigon, stets auf der Suche nach den außergewöhnlichsten Restaurants und Cafés.

Irgendwann ist das „662 Vinh Khanh“ Restaurant erreicht. In seinem Angebot kommt es einem kulinarischen Kaleidoskop von See- und Süßwassertieren gleich, in dem ein zarter Froschschenkel einem saftigen Hühnerschenkel zum Verwechseln ähnlich schmeckt. Fehlt noch der Cocktail wie etwa ein Singapore Sling, der gegen Ende des Cyclo Abenteuers bei klassischer Live Musik im „Vungoi mora Café“ eingenommen wird. Oder die schwungvolle Discomusik , die im ausgeflippten „Woodstock“ die Gelegenheit zum Abtanzen bietet. Spätestens nach diesem ereignisreichen Abend wird klar, dass das traditionelle Vietnam längst zur Moderne aufgeschlossen hat.

www.enchantingtravels.de; www.vietnamairlines.com; www.vespaadventures.com

 

Die Seele der Franche-Comté

Wiederentdeckung einer Vorzeige-Region

    Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Am Rande der Vogesen und des Jura faszinieren die Besonderheiten des französischen Grenzgebiets.

Es ist das größte Löwenrudel der Welt, größer noch als irgendwo in der afrikanischen Savanne. Mit spitzen steinernen Krallen und gefletschten Zähnen hat es sich im Schatten der Kathedrale von Belfort über die schmucken Häuserfassaden der Altstadt verteilt. Und doch sind die Tiere mit ihrem Imponiergehabe selbst in ihrer Gesamtheit leicht zu übersehen, lässt man den Blick hinauf schweifen zu dem „Löwen von Belfort“, der sie alle überragt.

Am schroffen Felsabhang unterhalb der mächtigen Festung hat er in der widersprüchlichen Pose der trauernden Unbesiegbarkeit in aufgestützter Position Stellung bezogen. Wohl um damit zum Ausdruck zu bringen, dass im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 der Verteidigungswille der Festung erst auf höhere politische Weisung aus Paris beendet wurde.

Kulturelle Ausstrahlung

Dennoch stand die Franche-Comté von ihrem Bekanntheitsgrad lange Zeit nicht in der ersten Reihe der französische Regionen. Völlig zu Unrecht angesichts der kulturellen Akzente, die hier gesetzt werden.

Beispielsweise in der Festungsstadt Belfort mit ihren alljährlich stattfindenden Festivals. So dem seit drei Jahrzehnten bewährten internationalen Musikfestival, bei dem 2500 Musiker aus allen Kontinenten hier zusammen strömen.

Und doch ist nicht zu leugnen, dass Belfort eine ernst zu nehmende Konkurrentin fürchten muss. Es ist die Stadt Montbéliard, die in der Farbigkeit ihrer Gesamtanlage erinnert an manche romantischen Städtchen zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Dieser Eindruck täuscht nicht. Denn es gehört zu den historischen Eigenarten dieser Region, dass sich zur Renaissancezeit das Haus Württemberg hier einheiratete und vierhundert Jahre lang die Geschicke dieses Landstrichs bestimmte.

Kulinarischer Höhepunkt

Besonders die Übernahme der lutherischen Reformation durch das Haus Württemberg war manchem französischen Herrscher ein Dorn im Auge. Nicht hingegen den Abweichlern von der reinen katholischen Lehre, die als Wiedertäufer oder Mennoniten die Schweiz verlassen mussten. Hier fanden sie einen sicheren Unterschlupf und verstanden es, sich mit einer effektiven Landwirtschaft unverzichtbar zu machen.

Schließlich wollte man auch selbst ein wenig leben „wie Gott in Frankreich“. Am besten mit einem guten Tropfen vom Rebstock oder – noch konzentrierter – vom Obstbaum. Der Ort Fougerolles ist noch heute ein Zentrum des Hochprozentigen, der vor allem aus Kirschen in riesigen Destillieranlagen gewonnen wird. Unglaublich, so Brennereiexperte Hugues de Miscault, in welchen Mengen dieser Obstschnaps einst konsumiert wurde.

Gott in Frankreich

Der Genuss eines guten Tropfens steht jedoch keinesfalls im Widerspruch zu einer höheren Spiritualität. Eines der weltweit angesehensten Bauwerke ist die Chapelle de Ronchamp, einer der großen Würfe modernen Kirchenbaus. Auf kleinstem Raum gestaltete Stararchitekt Le Corbusier in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts ein Musterbeispiel moderner Architektur, das durch seine Schlichtheit besticht und zur Meditation einlädt.

Gleichsam eine innerliche Vorbereitung auf die körperliche Entspannung, die die „Cabanes des Grands Reflets“ in Joncherey für ihre Besucher bereit halten. Errichtet auf Stelzen in Ufernähe eines kleinen Sees oder eingearbeitet in die Baumwipfel eines angrenzenden Wäldchens, lässt sich in ihnen die Zeit vergessen. Besonders in den mit angenehm temperiertem Wasser gefüllten Holzzubern, und dabei begleitet vom Gesang der Vögel in den Ästen ringsum. „Gott in Frankreich“? Der würde sich hier sicherlich ebenso wohl fühlen.

Foto-Show hier ...

www.de.franche-comte.org; www.belfort-tourisme.com; www.paysdemontbeliard-tourisme.com;

 

Weltraum und Ghosttown

 Zeitreise in das unbekannte Texas

    Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Im „Großen Bogen“ des Rio Grande hat der amerikanische Pioniergeist deutliche Spuren hinterlassen.

Die Erdkugel von oben? Texas liebt es höher, schneller und weiter. Dies gilt natürlich auch für die Stadt Midland im Südwesten des Staates. Denn diese verfügt bereits heute über die technischen Möglichkeiten, mutige Zeitgenossen in gerade einmal drei Minuten hundert Kilometer nach oben zu katapultieren.

Vierhundert zahlungskräftige Mutige haben sich, so Luftfahrtingenieur Mark Peck, bereits mit dreifacher Schallgeschwindigkeit in Richtung Weltraum schießen lassen, um sich mit diesem Parabelflug im Zustand der Schwerelosigkeit ihren persönlichen Lebenstraum zu erfüllen.

Der spiralförmige Wiedereintritt des eleganten Raumgleiters in die Erdatmosphäre gibt schließlich den Blick frei auf eine bizarre Felslandschaft im südlichen Texas. Und auf den sie weiträumig umfließenden Rio Grande, der hier mit seinem „Großen Bogen“ zugleich die texanisch-mexikanische Grenze markiert.

Dem Himmel am nächsten

Während in Midland die Zukunft offensichtlich schon begonnen hat, scheint hier im „Big Bend“ die Zeit stehen geblieben zu sein. Besonders dort, wo sich das alte wilde Texas in seiner Lebensweise noch erhalten hat. Mit seiner Frontier-Mentalität, die heute allerdings keine Apachen oder Komantschen mehr zu fürchten braucht und aus diesem Grund von rassigen Pferden auf röhrende Bikes umsteigen konnte.

So bestimmen die „Easy Rider“ vielerorts das Straßenbild und lassen das Herz höher schlagen. Bis hinüber zum Santa Elena Canyon, in dem sich der Rio Grande in zäher Kraftanstrengung durch eine Gebirgsformation hindurch sägt und mit steilen vulkanischen Felswänden die geologischen Geheimnisse der Region preisgibt.

Illustre Gestalten

Ungleich schwerer als die heutigen Biker hatten es vor mehr als hundert Jahren die Minenarbeiter, die dem felsigen Boden bis in zweihundert Metern Tiefe ihren kargen Lebensunterhalt abtrotzen mussten. So wie in der Quecksilbermine von Terlingua, deren Vorräte sich irgendwann erschöpften und nur eine verfallene aber für heutige Besucher umso aufregendere Geisterstadt zurück ließen. Das Interessanteste jedoch sind illustre Gestalten wie Bill und Matthews, die sich auf der Veranda vor dem Souvenirladen tummeln und das Gespräch nicht scheuen.

Und die dabei ihre Sehnsucht nach Ferne kompensieren mit dem weiten Blick hinüber zu der Bergkette des angrenzenden Big Bend Nationalparks. Zunächst gleitet er jedoch hinweg über den etwas herunter gekommenen Friedhof aus jener alten Zeit. Schlichte Holzkreuze bestimmen hier das Bild und darauf die Namen der natürlich verstorbenen oder aber auf unsanfte Art ums Leben gekommenen Minenarbeiter.

Kiss the Horse

Als eine Welt für sich präsentiert sich auch das Lajitas Golf Resort mit seinen im Gelände versteckten Pferdeställen. Dies ist das Reich von Kellie und Janelle, die als Cowgirls mit Erfahrung und Autorität ihre Reitergruppe durch das schwierige Gelände hindurch manövrieren. Steil führt der Pfad auf gut trainierten Western Pferden über Stock und Stein hinauf ins Gebirge. So folgt man abschließend bereitwillig dem am Stallgebäude angebrachten Hinweis: „If you like your ride kiss the horse and tip your guide.“

Zivilisierter geht es dagegen zu in Marfa. In jenem einst verschlafenen Städtchen, das in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts als Drehort des Films „Giganten“ mit James Dean und Elisabeth Taylor Berühmtheit erlangte. Und durch Donald Judd, der hier nach dem Zweiten Weltkrieg in Anlehnung an den New Yorker Kunstbetrieb die abstrakte Kunst in die texanische Pampa hinein brachte. Und dies mit der Absicht, Kunst, Architektur und Landschaft harmonisch miteinander zu vereinen. Texas von seiner kulturell modernsten Seite, wie man sie hier im Big Bend des Rio Grande wahrlich nicht erwartet hätte.

Foto-Show hier ...

www.traveltexas.de; www.visitbigbend.com; www.visitmarfa.com; www.visitmidland.com

 

Kaiserromantik und Gegenwartskultur

 Die Strahlkraft der Wiener Kunstszene

    Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Noch hundert Jahre nach Kaiser Franz Joseph pflegt die Donaumetropole ihr reiches imperiales Erbe.

Es war eine „schöne Leich“, und nie zuvor hatte Wien eine schönere gesehen. Als vor genau hundert Jahren der „ewige Kaiser“ Franz Joseph nach 68 langen Amtsjahren mit Glanz und Gloria zu Grabe getragen wurde. Doch der schöne Schein trog. Denn zwei Jahre vor dem Ende des Ersten Weltkrieges schwebte über dem Zeremoniell bereits die düstere Vorahnung vom unrühmlichen Ende des alten Habsburgerreiches.

Davon berichten im 100. Gedächtnisjahr seines Todes gleich mehrere Ausstellungen im Wiener Stadtbereich. Allen Aufarbeitungsversuchen voran geht die opulente Ausstellung im Schloss Schönbrunn, mit dem der Kaiser biographisch stets eng verbunden war. Die Zusammenschau lässt den Monarchen als „Mensch und Herrscher“ in seinem familiären und politischen Umfeld hervortreten. Als ebenso aufschlussreich erweist sich die Ausstellung im Prunksaal der österreichischen Nationalbibliothek. Unter dem Titel „Der ewige Kaiser“ zeigt sie Franz Joseph als die am meisten fotografierte Person seiner Zeit. Mit einem Gesicht, das symbolisch stehen sollte für eine ganze Epoche.

Starparade der Prachtfassaden

Erklärt sich die erstaunliche Gelassenheit der Wiener Bevölkerung bei der nachträglichen Bewertung ihres Kaisers aber nicht gerade dadurch, dass dieser der Stadt ein überaus reiches architektonisches Erbe hinterließ? Vor allem die Ringstraße, die erst durch das Schleifen der alten Stadtmauern entstehen konnte. Und die als Starparade der Prachtfassaden mit dazu beitrug, in der eigenen Selbstdarstellung zu den anderen europäischen Hauptstädten aufzuschließen.

Stadtführerin Beatrice kennt sie alle mitsamt den Stararchitekten jener Zeit. Und sie zeigt sich fest davon überzeugt, dass ihre herrschaftliche Pose den Übergang vom imperialen zum modernen Wien nicht behindert, sondern sogar gefördert hat. Den Beweis für diese These bleibt sie nicht lange schuldig und erklärt kurzerhand das repräsentative Palais Ferstel mit seiner an Mailänder Dimensionen erinnernden Galerie zu ihrem Lieblings-Aufenthaltsort. Kaum weniger attraktiv ist das nicht weit davon entfernte Café Central als Inbegriff der alten Wiener Kaffeehauskultur.

Mythen der Stadt

Wie wenig Wien jedoch auf dem Stand jener Gründerjahre stehen geblieben ist, zeigt der ultramoderne Baukomplex der Wirtschaftsuniversität Wien in der Nähe des Messegeländes. Hier findet sich in dem lang gestreckten Gebäudeensemble ein geradezu unglaubliches Spiel von Formen und Farben, das in seinem Facettenreichtum den überraschten Besucher zunächst irritiert. Und Michael, Student der Betriebswirtschaft, erblickt in ihm sogar schon einen modernen Mythos.

Ein anderer Mythos der Stadt, der in Kaisers Zeiten zurück reicht und noch heute die Gegenwartskultur beflügelt, sind ihre Bühnen. Allen voran die Staatsoper, die mit dreihundert Vorstellungen im Jahr bei täglich wechselndem Programm eine unglaubliche logistische Meisterleistung zustande bringt. Heute „Figaro“, morgen „Madama Butterfly“ – in einer unvorstellbaren Vielfalt, die vom Publikum mit einer Auslastung von 99 Prozent honoriert wird.

Wiener Esskultur

Bei einem solchen kulturellen Angebot darf natürlich auch die Kulinarik nicht zu kurz kommen. Als äußerst charmant erweist sich das Restaurant Hansen im Untergeschoss des Börsengebäudes am Wiener Ring. Eine „erste Adresse für Genießer“, wie die eigene Einschätzung suggeriert? Ein angedeutetes Versprechen, das zweifellos auch eingelöst wird mit überaus köstlichen Vorspeisen, Risotto-Hauptgerichten und sensationellen Desserts. Ja, auch die Liebe zu einer Stadt geht durch den Magen. Und schließlich spannt sich auch der Bogen der Wiener Esskultur von Kaiser Franz Joseph bis mitten hinein in die Gegenwart.

Foto-Show hier ...

www.wien.info; www.harmonie-vienna.at; www.hansen.co.at; www.cafecentral.wien

 

Wiedererwachtes Ceylon
Die Tea Trails von Sri Lanka
   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Nach dem unseligen Bürgerkrieg geht ein hörbares Aufatmen durch die Tee-Insel im Indischen Ozean.

Auf Wolken schweben? Nur wenigen ist es vergönnt, es den zierlichen „Wolkenmädchen“ von Sri Lanka gleich zu tun und in unbeschwertem Glücksgefühl über längere Zeit dem Himmel nahe zu sein. Als engelgleiche Wesen zieren sie nun bereits seit mehreren Jahrhunderten die Steilwand des Felsmassivs von Sigiriya Rock. Und dort stellen sie mit Hilfe ihrer auffälligen Formen und Farben eine unvergleichliche Leichtigkeit körperlichen Seins zur Schau. Verwirklicht sich in ihrer Existenz gar der Menschheitstraum vom lang anhaltenden Glück, das sich so häufig viel zu schnell verflüchtigt?
Inzwischen hat sich die Insel weitgehend von den Wirren des Bürgerkrieges erholt, und allenthalben wird ein tiefes Aufatmen hörbar. Das spüren nicht zuletzt die Besucher, die in den kritischen Zeiten ausgeblieben waren, nun aber unter neuen friedlichen Bedingungen in großer Zahl zurück strömen. Auf eine romantische Insel, die nun wieder zeigen kann, über welche landschaftlichen Reize und kulturellen Schätze sie verfügt.

Vorrangstellung des Tees

Der wirtschaftliche Alltag im Hochland der Insel ist geprägt vom „grünen Gold“, dem Tee. Nachdem vor zweihundert Jahren die hier angebauten Kaffeesträucher einer gefährlichen Pilzkrankheit zum Opfer gefallen waren, kam ein junger Engländer auf den Gedanken, die dadurch frei gewordenen Anbauflächen durch Teepflanzungen zu ersetzen. Eine hervorragende Idee, wie sich bald zeigen sollte. Die Vorrangstellung des Tees in dieser Region kündigt sich bereits an während der Zugfahrt von Kandy hinauf in das Anbaugebiet von Nuwara Eliya.
Von den Talebenen bis hinauf zu den Berggipfeln erstreckt sich das zarte Grün der Teesträucher, die, ständig kurz gehalten, bis zu hundert Jahre alt werden können. So erklärt es Rawindra Keerthisinghe, der es trefflich versteht, die Zusammenhänge um die Teegewinnung rund um den „Ceylon Tea Trail“ deutlich zu machen. Jenes ältesten Tea Resorts der Welt, in dem alle fünf Farmhäuser mit ihrem gediegenen Kolonialstil inzwischen zu ebenso stilvollen Gästehäusern umgestaltet wurden.

Technik des Teepflückens

Hier erhalten die an der Teekultur interessierten Besucher von Rawindra alle Informationen rund um den Tee. Und schnell spannt sich ein ebenso überschaubarer wie unterhaltsamer Bogen „vom Teestrauch bis zur Teetasse“. Konkret nimmt er seinen Ausgangspunkt in einer der Plantagen, in der tamilische Pflückerinnen wie Thambra Sanay damit beschäftigt sind, mit unglaublich flinken Händen ihr durchschnittliches Tagespensum von 18 Kilogramm zu erreichen.
Bei diesem Ausmaß durchorganisierter Handarbeit sucht man auf dem gesamten Farmgelände vergeblich nach mechanischen Erntemaschinen. Umso erforderlicher sind sie dagegen in der nahe gelegenen Fabrikhalle, in der die Technik mit mehr als hundert Jahre alten Maschinen das Bild bestimmt. Hier dominieren Ventilatoren, Schüttler, Roller, Cutter und Sortiermaschinen, um den Tee in den angestrebten Fermentierungsprozess zu überführen.

Höhepunkt des „High Tea“

Bepackt mit so viel Fachwissen kann endlich am Ende der Führung die Verkostung verschiedener Teesorten beginnen. Diese wird als kulinarisches Gesamterlebnis nur noch überhöht von einem stilvollen „High Tea“, wie er auf der Terrasse des Dunkeld Bungalows mit allem Drum und Dran formvollendet serviert wird.
Nach einem solchen Höhepunkt empfiehlt es sich, auch die attraktiven Strände an der Südküste der Insel wahrzunehmen. Allen voran das bezaubernde Resort „Cape Weligama“, wo von einer hohen Felskante herab der Blick aus der Vogelperspektive über den vorgelagerten Sandstrand des Indischen Ozeans schweift. Hier warten abgehobene Tage, die verdeutlichen, warum Sri Lanka mit all seinen Vorzügen erneut zu einem der bevorzugten Ziele in Mittel- und Fernost aufgeschlossen hat.

www.srilanka-botschaft.de www.teatrails.com www.tischler-reisen.de www.airindia.com 
 

Stadt der Kontraste

Farbige Vielfalt in New Delhi

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

 

Bei näherem Hinsehen wird die „sauberste Hauptstadt der Welt“ geprägt durch ihre Zwischentöne

Zu beneiden ist er nicht, der drahtige Rikscha-Fahrer mit seinem Schweißtuch um die Stirn. Gehört es doch zu seinem Broterwerb, bis zu zwei erwachsene Personen durch das Stadtgewirr von New Delhi zu transportieren und sich dabei mächtig in die Pedalen zu stemmen. Nafis, der Rikscha-Chauffeur mit langjähriger Erfahrung, nimmt es gelassen.
Seine Rikscha der Marke Neelam ist wendig genug, um alle Hindernisse, die sich ihm auf dem legendären Basar des Chandni Chowk in den Weg stellen, geschickt zu überwinden. Immerhin beherzigt er die in Indien vorherrschende Hierarchie der Verkehrsteilnehmer, die niemand ungestraft vernachlässigen darf: zuerst die Last- und Lieferwagen, dann die Personenautos und Tuk Tuks bis hinunter zu den Fahrrad-Rikschas, die von ihrem Rang her noch kurz vor den Fußgängern angesiedelt sind.

Lebendigkeit und Eleganz

So erweist es sich für Zugereiste als äußerst attraktiv, die Farbigkeit des täglichen Lebens in Indien mitzuerleben, das sich, wie Stadtführer Vichal aus Erfahrung weiß, vor allem auf der Straße abspielt.
Anziehend findet er vor allem die Altstadt im Schatten des Roten Forts, die sich in ihrer Ursprünglichkeit eine unglaubliche Vielfalt bewahrt hat.
Selbst wenn das Straßenpflaster schon bessere Zeiten gesehen haben mag und der Kabelsalat entlang den Häuserzeilen dringend einer ordnenden Hand bedürfte, punktet dieser Stadtteil mit einer unglaublichen Lebendigkeit. Ganz im Unterschied zum eleganten Diplomatenviertel, in dem auf einer Fläche von acht Quadratkilometern mehr als hundert Villen verteilt sind.

Streben nach Humanität

Einen exotischen Gegenpol bietet dagegen der Sikh-Tempel. Die von ihm ausgehende Farbigkeit ist, wie sich schnell herausstellt, nicht nur begründet durch die akkurat gebundenen Turbane der Sikhs. Denn mit ihrer überaus großzügigen Toleranz wirken sie wie ein Leuchtfeuer auch auf Mitglieder anderer Religionen, die hier stets willkommen sind.

Haupttreffpunkt aller Sikh-Anhänger und Gäste ist die große Halle des Haupttempels. Feierliche Gesänge, auf einem Bildschirm in drei Sprachen übersetzt, laden ein zur inneren Einkehr, deren Ruhe niemand zu stören wagt. Dabei erwecken die Texte den Anschein, als gehe es bei der meditativen Sinnsuche vor dem Goldenen Altar nicht so sehr um göttliche Jenseitigkeit. Vielmehr kreisen die Gedanken der Vorbeter um das Streben nach Humanität im der diesseitigen Welt.

Aufgelockerte Atmosphäre

Naturgemäß ist die Stimmung an einem Grabmal etwas verhaltener. So auch an Humajuns Mausoleum, das der zweite der sechs Großmoguln im 16. Jahrhundert für sich errichten ließ. Und dem mit Hilfe von Sandstein und Marmor ein großer architektonischer Entwurf gelang, der erst ein Jahrhundert später unter dem Moghulkaiser Shajahan vom Taj Mahal in Agra übertroffen werden sollte.
Bei zunehmendem Morgenlicht erscheinen immer mehr Saris, die noch heute zur traditionellen weiblichen Kleidung unbedingt dazu gehören. Schmetterlingen gleich schweben sie über die Park-Grünanlage heran und verwandeln damit unbeabsichtigt den gesamten Komplex in einen Ort der Fröhlichkeit.

Exquisites Lebensgefühl

Herausragende Orte farbiger Eleganz sind in New Delhi natürlich auch stilvoll gestaltete Hotelneubauten wie das Leela Palace Hotel. An der Außenfassade und im Innenbereich ausgestattet mit erkennbarem aber nicht überladenem Luxus. Angesichts dieses architektonischen Meisterwerks fühlt sich Stadtführer Vichal erinnert an die alte Inschrift im Roten Fort: „Gibt es ein Paradies, so ist es hier, hier, hier!“ Welch ein exquisites Lebensgefühl, das in diesen Worten mitschwingt.
Und wenn ein Moghulkaiser, so Vichal weiter, in heutiger Zeit einen Palast zu bauen hätte, käme dabei nicht etwas heraus wie dieses Meisterwerk moderner Architektur? Ein weiteres buntes Teilstück also im Mosaik einer Metropole, die sich mit der ganzen Bandbreite ihrer Kontraste sehen lassen kann.

www.india-tourism.com www.tischler-reisen.de www.airindia.de www.theleela.com 

 

Der Reiz der Gegensätze

Von Dubai auf die Malediven

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

 

Die Betonkulisse des Emirats und die Wasserwelt des Haa Alif Atolls bilden eine attraktive Alternative.

Reif für die Insel? Angesichts eines zur Gigantomanie neigenden Baubooms, mit dem sich die Megacity am Persischen Golf in den letzten Jahrzehnten der Ideologie des Wachstums verschrieben hat? Denn an kaum einer anderen Stadt scheiden sich die Geister so wie an Dubai. Das bleibt auch Hotelmanager Otto Kurzendorfer aus Deutschland nicht verborgen.

Um Vorurteile zu vermeiden, ist ihm daher mitten im Großstadtdschungel stets daran gelegen, einen neuen Zugang zu dem von Stahlbeton und Glasfassaden geprägten „Phänomen Dubai“ zu erschließen. Wie kaum ein anderes Verkehrsmittel ist das im Bootshafen seines Jebel Ali Golf Resorts geparkte „Seawings“- Wasserflugzeug dazu geeignet, selbst notorische Zweifler aus der Vogelperspektive mit der angeblich aus den Fugen geratenen Stadt zu versöhnen.

Architektonische Originalität

Ein Coup, der umgehend gelingt. Denn aus dieser den Blick öffnenden Distanz wird augenblicklich deutlich, welche architektonischen Wunderwerke innerhalb einer kurzen Zeitepoche aus dem kargen Sandboden hervor wuchsen. Vor allem der hoch in den Himmel ragende Burj Khalifa, der in seiner Respekt einflößenden und doch zugleich eleganten Erscheinungsform alle anderen Wolkenkratzer dieser Welt an Höhe bei weitem in den Schatten stellt. Oder aber das einem gigantisch aufgeblähten Segel gleichende Burj Al Arab, das in seiner architektonischen Genialität nach wie vor die meisten neugierigen Blicke auf sich zieht.

In der Tat ein versöhnlicher Höhepunkt des Dubai-Abenteuers und bestens dazu geeignet, die sich anbahnende Aufbruchsstimmung in Richtung einsame Insel positiv zu beflügeln. Und die liegt, dem indischen Festland vorgelagert, im Tropenparadies des Indischen Ozeans. Als eines jener Malediven-Idylle, das von der Maledivenhauptstadt Male aus mit einem der wendigen Wasserflugzeuge in gut einer Stunde erreicht wird. Wie die Schalenhälften einer Muschel umschließen die Eilande des Haa Alif Atolls die im Sinkflug gut überschaubare Lagune.

Tanz der Delfine

Und offenbaren in deren Zentrum inmitten tropischer Einsamkeit das JA Manafaru Inselresort, das sich bereits beim ersten Kontakt als die Perle der nördlichen Malediven entpuppt. Der Prototyp jener Tropeninseln, für die jeder einmal reif ist? Dieser Eindruck bestätigt sich in der Tat bei der Umrundung des kleinen Eilandes mit seinem schneeweißen Sandstrand. Flach auslaufend im azurblauen Wasser der Lagune, dessen einladende Wärme nicht lange verborgen bleibt.

Mit ausgestrecktem Arm zeigt Direktor William Harley-Fleming hinüber zum Rand des Atolls. Dorthin, wo es regelmäßig den Tanz der Delfine zu bewundern gilt. Wenn sich an die hundert Tiere um das Boot herum tummeln, als gelte es, in stilvoller Eleganz vor einer fachkundigen Jury einen Ballettwettbewerb auszutragen. Teils solo, wenn sie nacheinander mit hohen Luftsprüngen die Wasseroberfläche weit unter sich lassen und damit die Gesetze der Schwerkraft aufzuheben scheinen. Oder aber als Gruppe, die mit ihren im gleißenden Sonnenlicht schillernden Leibern die maritime Polonäse vor dem Boot anführt.

Illusion in azurblau

Was liegt da näher, als selbst ins Wasser hinab zu steigen. Mit Schnorchel oder Tauchausrüstung, um sich selbst von dem tropischen Fischreichtum der nördlichen Malediven zu überzeugen. Und sich anschließend am spiegelglatten Infinity Pool des Resorts der Illusion hinzugeben, sein Wasser verschmelze in der Weite des Horizonts mit dem azurblauen Himmel.

Doch dann steht die Sea Otter der Trans Maldivian Airways irgendwann für den Rückflug nach Male bereit. Noch einmal gibt sie den Blick frei auf eine die Fantasie anregende Atoll-Wasserlandschaft, wie es sie in dieser Form nirgendwo auf der Welt ein zweites Mal gibt.                                  Eine Malediven-Foto-Show dazu oben im Kasten!

www.jaresortshotels.com; www.emirates.com/de; www.seawings.ae; www.transmaldivian.com

 

Mythos “Broadway”

Expedition in das Zentrum des Musicals

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Nirgendwo gibt es eine ähnliche Fülle ausgefallener Bühnenprogramme wie rund um den Times Square.

Es ist eine unverhoffte Explosion aus Farben, Licht und Energie. Ein geradezu rauschhaftes Geschehen, das in seinem Epizentrum zunächst Herzklopfen hervorruft, sodann aber die Sinne beflügelt und Fantasien freisetzt: Wenn sich die Saaldecke aus der Froschperspektive heraus in eine Wasseroberfläche verwandelt, auf der aufreizende Gestalten lebenslustig und ausgelassen in dem feuchten Element aufzugehen scheinen. Quirligen Rheintöchtern zum Verwechseln ähnlich, in der Broadway Show „Fuerza Bruta“ jedoch eher in den Fluten des East River?

Kein Zweifel: Manhattan ist wie eh und je das Weltzentrum des Show Business. Allen voran der Broadway, wo rund um den Times Square besonders die Musicals, seit Jahrzehnten das kulturelle Leben bestimmen. Klassiker wie „Chicago“, „Les Misérables“ und „The Lion King“. Aber auch unbekannte Shows wie „The Color Purple“, „Kinky Boots“ oder „On your Feet“, die in der europäischen Erfahrungswelt offenbar noch auf ihre Entdeckung warten.

Backstage-Gewimmel

Attraktiv wird es vor allem, so betont die Broadway-Spezialistin Rachael Singer beim Blick hinter die Kulissen des gepflegten Broadway Theatre, wenn Tradition und Neuschöpfung sich miteinander mischen. So wie beim „Fiddler on the Roof“, wo man den Künstlern im Backstage-Gewimmel nach erbrachtem Einsatz förmlich ansieht, dass ihnen mit der soeben vorgestellten Aktualisierung ein großer Wurf gelungen ist.

Zwar treffen die zündenden Songs über die Tradition, das Leben und über den Wunsch vom schnellen Reichtum noch immer zielsicher die Herzen des Publikums. Doch die Tanzeinlagen der alten Inszenierung von Jerome Robbins bedurften der Erneuerung. Eine Aufgabe, der sich der Londoner Choreograph Hofeyh Schechto stellte und eine mustergültige choreographische Neuversion ablieferte. Und nun mit dieser genialen tänzerischen Vermittlung jüdischen Brauchtums, zum Beispiel dem originellen Hochzeits-Flaschentanz, beim Publikum wahre Begeisterungsstürme auslöst.

Buchungs-Kunstgriff

Ein unglaublich vielseitiges musikalisches Feuerwerk, das hier allabendlich rund um den Times Square gezündet wird. Und das bereits vor der Reise über den Atlantik Kopfzerbrechen bereitet: Was steht wann zur Auswahl? Und vor allem: Wo und wie kann ich zuverlässig buchen? Rat weiß Krista Canfield, eine der Organisatorinnen der „gogobot“-Website, die das Angebots-Eldorado der New Yorker Kulturszene überschaubar macht.

Auch was die Buchung der Broadway Shows anbelangt, bedurfte es eines Kunstgriffs. Dieser bestand darin, dass man die Broadway-Theater zu einer überschaubaren „Broadway Collection“ zusammen fasste. Schmunzelnd erinnert sich Charles Flateman von der „Broadway Inbound“-Agentur an die ersten Erfolge.

Denn nun ist es möglich, die Tickets bereits vor Reiseantritt über den Reiseveranstalter zu buchen, um sich bei dem stets als zu kurz empfundenen Aufenthalt zwischen Hudson River und East River nichts entgehen zu lassen.

Quellen des Show Business

Wie beispielsweise das „Sardi’s“, ein Broadway-Restaurant in unmittelbarer Nähe des Times Square. Hier hinterließ in den letzten einhundert Jahren jeder seine Fußspuren, der auf einer der Broadway-Bühnen an seiner Karriere arbeitete. Von Henri Fonda und Yul Brynner über Lauren Bacal und Paul Newman bis hin zu Leonard Bernstein und Sammy Davis jr. Das zeigen die vielen hundert Künstler-Portraits, die die Wände des „Sardi’s“ in lückenloser Reihe zieren. Auf seine unverwechselbare Art ein weiterer inspirierener Bestandteil des Mythos „Broadway“. 

www.nycgo.com; www.broadwaycollection.com; www.gogobot.com; www.theknickerbocker.com  

 

Ausgeflippt und trendy

 Maboneng als Hotspot der Lebensfreude

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Das muss es sein, das nur schwer zu bändigende südafrikanischen Lebensgefühl. Bei angenehmen Temperaturen hat es an diesem Sonntagnachmittag Besitz ergriffen von nahezu allen Gästen einer unscheinbaren Dachterrasse oberhalb der Main Street. Angefeuert durch die mitreißenden Klänge aus mehreren Lautsprecherboxen, deren hämmernde Rhythmen schon in kürzester Zeit dazu beitragen, die vor der Rooftop-Bar geparkten Füße in ruhelose tänzerische Bewegung zu versetzen. Bis diese in aufgeheizter Atmosphäre zuweilen kurz davor stehen, den Bodenkontakt zu verlieren und die Barbesucher mit entsprechender Schubkraft in die Leichtigkeit des Seins hinauf zu katapultieren.

Weiträumig umgeben von einem Publikum, das in aufreizender aber doch nicht übertrieben wirkender modischer Eleganz ebenfalls darauf bedacht zu sein scheint, seiner zum Bersten aufgestauten Lebensfreude Ausdruck zu verleihen. Hoch über den Dächern von Maboneng, jenem Stadtteil von Johannesburg, der wie kein anderer die schweren Zeiten der Apartheid um Meilen hinter sich gelassen hat.

Vielschichtiges Lebensgefühl

Wohltuend ausgeflippt und trendy geht es hier zu. Nicht nur in luftiger Höhe, sondern auch drunten auf den schachbrettartig angelegten Straßen, in denen jugendlich herausgeputzte Menschen Selfie-knipsend in kleinen Gruppen zusammenstehen. Und dabei allein mit ihrer positiven Ausstrahlung dazu einladen, sich gleichermaßen zu amüsieren. Ein Angebot, dem sich kaum jemand entzieht.

Dabei wirken selbst die Hausfassaden von Maboneng wie die Hintergrundkulisse zu einem ungekünstelten südafrikanischen Lebensgefühl. Einerseits das etwas herunter gekommene Cosmopolitan Hotel, das in seiner äußeren Verspieltheit immer noch den Geist des viktorianischen Zeitalters atmet. Und dann wieder, nur wenige Blocks entfernt, das über mehrere Stockwerke sich erstreckende Porträt Nelson Mandelas in Identität stiftender kämpferischer Pose. Als eine Warnung an alle, die es wagen sollten, sich dem Freiheitswillen der Menschen nach all den Jahren der Unterdrückung erneut entgegen zu stellen?

Gigantische Augen

Als faszinierend erweist sich auch der Markt, der vom Kunstinteressierten bis zum Souvenirjäger offensichtlich jeden in seinen Bann zieht. Zugleich dient er als Versammlungsort für alle diejenigen, die in modischer Hinsicht offenbar schon alles ausprobiert haben. Besonders die Damen, die mit ihren ausgefallenen Frisuren den Eindruck erwecken, als würden sie miteinander um die größte Anzahl fein geflochtener und kunstvoll ineinander verwobener Zöpfchen wetteifern

Doch wohin auch immer die Schritte führen in dieser Stadt in der Stadt: Stets sind es die beeindruckend kunstvollen Graffiti, die von den Mauern und Hausfassaden in die Straßenschluchten herunter leuchten. Vor allem ist es ein Graffiti von Falko, dem inspirierten „Godfather“ aller Graffiti-Künstler. Unübersehbar das von ihm in eine Hausfassade eingearbeitete Porträt, dessen gigantische Augen eine unglaubliche Lebendigkeit ausstrahlen und darin das Lebensgefühl einer neuen Generation widerspiegeln.

Südafrikanische Nacht

Fast lässt die von ihnen ausgehende Faszination übersehen, dass unmerklich bereits die Dämmerung die Lichtregie in Maboneng übernommen hat. Unaufhaltsam kriechen nun die Schatten an den umliegenden Hausfassaden nach oben. Als wartete eine heiße südafrikanische Nacht nur darauf, in Maboneng eingelassen zu werden. Doch das ist bereits ein neues Kapitel im wechselnden Rhythmus dieses aufregenden südafrikanischen Stadtteils.

www.dein-suedafrika.de; www.flysaa.com; www.joburgtourism.com; www.urbanhiphotels.com

 

Vorboten der Bergweihnacht

Das Gasteiner Tal im Krampusfieber

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Mit der Wucht einer Naturgewalt zeigen wilde Gestalten der politischen Korrektheit alljährlich die Zähne.

Die Hölle auf Betriebsausflug? Fast so, als hätten sich die Schlünde der Unterwelt auf ein geheimes Kommando hin geöffnet und Rotten illustrer Gestalten ausgespuckt. Eigens dazu ins Diesseits berufen, um mit Furcht erregendem Aussehen und Ohren betäubendem Lärm den ihnen begegnenden Menschen einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Unüberschaubar die Anzahl der in wildem Ungestüm agierenden Gesellen, die alljährlich zum Nikolaustag wie Naturereignisse über das Gasteiner Tal im Salzburger Land herein brechen. Und bei jedem ihrer Auftritte auf den Straßen und Plätzen des Tales emotionale Fieberschübe auslösen. Selbst das Innere der Wohnhäuser bleibt nicht verschont.

Animalische Erotik

Clemens Hübsch, einer der angesehensten Maskenschnitzer im Gasteiner Tal, kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Gehört es doch zu seinen Aufgaben, mit traditioneller Kunstfertigkeit den Furcht erregenden Krampussen des Gasteiner Tales ein standesgemäßes Aussehen zu verleihen. Denn im wüsten Getümmel des Krampus-Auftritts scheint es vor allem auf einen Aspekt anzukommen: die unverstellte Männlichkeit.

Sich hinter der Maske des Abscheulichen einmal im Jahr unkontrolliert in animalischer Erotik ausleben zu dürfen, das scheint ungeahnte Kräfte zu mobilisieren, mit deren Hilfe viele über sich selbst hinaus wachsen.

Wie nicht anders zu erwarten, konnte ein solch wildes Treiben bereits der christlichen Kirche des Mittelalters nicht sonderlich gut gefallen. Das Verbot der alten keltischen Tradition stand daher zu befürchten und ein Kunstgriff musste her! Der bestand darin, den Heiligen Nikolaus selbstbewusst zu adoptieren und ihn an die Spitze der wilden Gruppen zu setzen. Welcher christliche Würdenträger hätte gegen eine solche Demutsgebärde noch etwas einwenden können?

Gute alte Zeit

Eine Vorgehensweise, die man im Gasteiner Tal bis heute schätzt und die die Beliebtheit der zahlreichen „Krampus-Passen“ begründet. So die Bezeichnung der Grüppchen und Gruppen, jeweils angeführt vom Nikolaus. Und dieser begleitet von einer lichten Engelsgestalt sowie einem Korbträger, in dessen Rückentrage all die mitgebrachten Geschenke verstaut sind.

Hans Naglmayr, Ranger im angrenzenden Nationalpark Hohe Tauern, kennt das Gasteiner Tal wie kein Anderer und hält für den Nikolaustag eine zusätzliche Überraschung bereit. Es ist ein Abstecher in das kleine Kötschachtal. Eine malerische ländliche Umgebung, in der bei einer Höhenlage von über tausend Metern der Schnee zumeist länger liegen bleibt als weiter drunten im Tal. Auf einem der Bauernhöfe glaubt man sich an diesem hohen Feiertag in der Tat zurückversetzt in die längst vergangen geglaubte „gute alte Zeit“.

Banges Hoffen

Mit spürbarem Herzklopfen sitzen die Kinder in Erwartung des Heiligen Nikolaus auf einer langen Bankreihe. In bangem Hoffen, ob beim anstehenden Jahresrückblick eher Lob als Tadel im Vordergrund stehen wird. Schon kommt er mit wehendem Mantel angestapft durch den hohen Schnee an der Spitze seiner illustren Gefolgschaft, und das Ritual kann beginnen.

So wird das Krampusfieber sicherlich auch noch die nachfolgenden Generationen befallen, wenn die rauen Gesellen um den Nikolaustag herum als die Vorboten der Bergweihnacht in Erscheinung treten. Und sich auf Geheiß des Heiligen Nikolaus anschicken, mit ihrem engagierten Einsatz das von sündhaften Menschen praktizierte Böse für die kostbarsten Tage des Jahres zu bannen.

www.gastein.com; www.skigastein.com; www.hohetauern.com; www.unterbergerwirt.com

 

Das Erbe der San

Bei den Buschmännern in der Kalahari

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

  Fotos: Dr. Bernd Kregel

Der südafrikanische „Kgalagadi Transfrontier National Park“ ist eine Quelle alter Buschmann-Kultur.

„Was tut jemand, der hier in den Fluss fällt?“ Jacos schalkhaftes Lächeln lässt keine einfache Antwort erwarten. Und so gibt er sie als erfahrener Kenner südafrikanischer Lebensverhältnisse lieber gleich selbst: „Er steht auf, schüttelt den Staub von seiner Kleidung und geht weiter.“ Klar, denn schließlich ist der Fluss nur ein Flussbett, das gerade einmal alle acht Jahre vom Regenwasser durchgespült wird.

Eine karge Landschaft beiderseits des Auob River im südafrikanischen „Kgalagadi Transfrontier National Park“. Eingezwängt zwischen Namibia und Botswana als eine Mischung aus Wüste und Savanne. In ihrer Kargheit aber dennoch Lebensraum für eine bemerkenswerte Anzahl unterschiedlichster Tierarten. Vor allem sind es die putzigen Erdmännchen, die aus ihren Erdlöchern heraus für Stimmung sorgen.

Krachende Hörner

An den Wasserstellen jedoch dominieren die Stärkeren. Vor allem die Raubkatzen, die in der Hierarchie unangefochten oben stehen und sich allein durch ihre Präsenz den Vortritt vor allen Beutetieren erzwingen. Die Silhouette einer Löwenmähne im Schatten eines nahen Baumes zeugt davon, dass das hier lagernde Löwenrudel bereits zu seinem Recht gekommen ist.

Selbstsicherheit strahlen auch die Oryx-Antilopen aus, die sich neben ihrer Schnelligkeit offenbar auch auf ihren robusten Körperbau verlassen können. Sie nutzen vor der Zuschauerschaft geduldig wartender Strauße sogar die Zeit, um ganz nebenbei mit krachenden Hörnern ihren Rang in der eigenen Oryx-Hierarchie auszutesten.

Spurensuche im Sand

Ganz anders die Dünenlandschaft westlich des Auob River in Richtung Namibia. Gerade so, als hätten hier an die achtzig Wanderdünen auf ein geheimes Kommando hin eine Rast eingelegt und dabei den Wiederaufbruch verschlafen. Und mittendrin die in diesen Breiten bereits legendäre !Xaus-Lodge. Direkt gelegen am Rand einer der riesigen kreisrunden Pfannen, die irgendwann einmal durch Wassereinfluss geformt wurden. Dann aber im Verlauf der jüngsten Erdgeschichte versalzten und versandeten. Eine eigenwillige und dazu extrem trockene Spielwiese der Geologie.

In aller Herrgottsfrühe, gerade schiebt sich die Sonnenscheibe über den östlichen Horizont, begibt sich San-Fährtenleser Andries auf Spurensuche. Dabei erlauben ihm selbst kleine Hinweise im Sand interessante Rückschlüsse auf das Geschehen während der letzten Nacht. So entdeckt er im Nu die winzigen Fußabdrücke eines giftigen Skorpions entlang einem viel benutzten Mäuse-Highway. Und wenig später gar die Spur eines Geparden, dessen Umrisse sich sogleich auf einem nahen Bergkamm vor dem hellen Blau des Morgenhimmels abzeichnen.

Buschmann-Krieger

Höhepunkt jedoch ist der Abstecher in das Buschmänner-Dorf in Sichtweite der !Xaus Lodge. Hier sind, alle zwei Wochen wechselnd, fünf San-Buschmänner in äußerst leichter Dienstkleidung dabei zu beobachten, wie sie in alter Buschmann-Tradition Schmuckstücke und kleine Kunstgegenstände fertigen. Aus Kameldornsamen, Steinstückchen oder Knochenplatten. Sie alle hoch konzentriert, dabei jedoch aufgeschlossen und sogar gesprächsbereit.

Auffallend besonders Makhai. Gerade hat er eines seiner Kunstwerke vollendet. Es zeigt eine kleine Steinplatte, auf der drei Buschmann-Krieger, jeweils bewaffnet mit Stock, Pfeil und Bogen, kraftvoll ausschreitend zu einem nächtlichen Jagdzug aufbrechen. Aufbruch ist nun auch aus dem Lebensbereich der San angesagt. Aus der Trockenheit der Kalahari-Wüste hinunter zum Oranje River, mit 2200 Kilometern dem längsten Fluss in Südafrika. Nicht nur um eine wertvolle Erfahrung reicher. Zudem auch ein weiteres Mal überzeugt von der abenteuerlichen Vielfalt an der Südspitze Afrikas.

Foto-Show zu diesem Artikel und andere Reiseberichte oben im Kasten!

 www.dein-suedafrika.de; www.flysaa.com; www.sanparks.org; www.xauslodge.co.za;

 

Arabica in Afrika

Kaffeeritual am Mount Meru

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Der Arusha-Nationalpark Tansanias präsentiert eine Mischung aus Regenurwald und Savannenlandschaft.

Die Kaffeeernte ist vorbei. Fast. Denn noch hängen einige Nachzügler grünroter Kaffeebohnen am Strauch, in denen sich das Licht der Morgensonne sanft bricht. Schon ist Rosa zur Stelle, die ihre vierzig Kaffeesträucher hütet wie ihren Augapfel. Bedeuten sie doch für sie einen nicht geringen Anteil ihrer beruflichen Existenz, die sie dem Boden um ihr bescheidenes Wohnhaus täglich abringen muss.

Befreiung der Bohne

Heute ist für Rosa ein besonderer Tag. Sie erwartet Besuch aus Europa, dem sie die Zusammenhänge um die hier in Ostafrika heimische Arabica-Kaffeebohne näherbringen soll. Gemeinsam geht es nun hinaus in die kleine Kaffeeplantage gleich neben ihrem Haus. Keinen Augenblick muss sie daran zweifeln, dass auch ihre heutige Demonstration wieder ein Erfolg wird. Garantiert durch die Qualität ihres Arabica-Kaffees der höchsten Güteklasse und damit ohne Übertreibung des besten Kaffees weltweit. Schnell sind die noch an den Sträuchern hängenden letzten Bohnen zusammen gesammelt. Das Ritual kann augenblicklich beginnen.

Zuerst wird mit einer handgetriebenen altertümlichen Maschine durch leichten Druck die rotgrüne Haut vom inneren Kern der Bohnen entfernt. Doch noch immer lässt das satte Dunkelbraun auf sich warten. Stattdessen wird eine zweite, wie knackendes Plastik sich anfühlende Haut erkennbar. Doch die lässt sich anschließend mit einem schweren Holzstampfer in einem hohlen Baumstamm - wenn auch mit etwas Kraftaufwand - ablösen.

Aroma des Röstkaffees

So landen die erdnussartigen Hälften aus dem Baumstamm in einem flach geflochtenen Korb. In immer neuen Schwungbewegungen werden sie nun von Rosa nach oben geschleudert. Um Sekundenbruchteile später, in der Zugluft gereinigt von störenden Restbeständen, zielgenau wieder von ihr aufgefangen zu werden. Doch irgendwann bleibt es diesem Restbestand dann nicht erspart, noch einmal den Weg in die Metallschale über dem Holzfeuer antreten zu müssen. Für alle zum Vorteil. Denn unter der Hitzeeinwirkung beginnen die Bohnenhälften in relativ kurzer Zeit die farbige Gestalt anzunehmen, wie man sie von echtem Röstkaffee kennt.

Längst hat Rosa das Kaffeewasser über dem kleinen Holzfeuer zum Kochen gebracht. Langsam verschwindet nun auch das durch Stampfen gewonnene Kaffeepulver in der siedenden Flüssigkeit, wo es mit einem hölzernen Kochlöffel für eine Zeitlang in Bewegung gehalten wird. Das Ziel der Kaffeezeremonie auf afrikanisch ist erreicht. Und ist es nicht ein Grund zum Feiern, den gesamten Vorgang von der Bohne am Strauch bis hin zum Kaffee in der Tasse an einem Stück miterlebt zu haben?

Afrikanische Nacht

Mit diesem dem Kaffee innewohnenden Wohlgefühl wird nun auf einmal wieder die Landschaft interessant, die sich hier mit auffallenden Merkmalen präsentiert. Auf der einen Seite der Kilimandscharo, als Fast-Sechstausender der höchste Berg Afrikas, wenn auch zumeist unter einer weißen Tarnkappe verborgen. Auf der anderen Seite der Mount Meru, der zwar nicht ganz so hoch hinaus will, sich aber auch mit einer Höhe von unterhalb fünftausend Metern gehörigen Respekt verschafft. An seinen Hängen liegt der Arusha-Nationalpark, in dem die Giraffen auf ihren hohen Stelzen vor der spitzen Bergkulisse des Mount Meru würdevoll dahin zu schweben scheinen.

Darüber droht nun am westlichen Horizont schon bald die Sonne unterzugehen. Gerade die richtige Zeit, um auf der Terrasse der Ngurdoto Lodge bei einem Sundowner den Safaristaub herunter zu spülen. Und an diesem ausgefallenen Ort in Äquatornähe vor dem schnellen Einbrechen der afrikanischen Nacht die Tageserlebnisse im Gespräch noch einmal Revue passieren zu lassen.

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Mythos Lalibela

Ein „neues Jerusalem“ in Äthiopien

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Das ostafrikanische Weltkulturerbe ist mehr als ein verworrener Komplex unterirdischer  Felsenkirchen.

Der Menschenstrom bahnt sich seinen Weg. Kanalisiert durch eine in den Felsen getriebene enge Spalte, die dem bloßen Auge auf den ersten Blick zunächst verborgen bleiben muss. Führt sie doch von einem Felsplateau schräg hinab in ein Felsmassiv, um dort irgendwo im Nirgendwo zu verschwinden. Es ist das ersehnte Ende einer Pilgerfahrt, die in Addis Abeba, der Hauptstadt des Landes, begann.

Biliya ist eine der Pilgerinnen, die es heute, wie sie sagt, zum ersten Mal bis zu diesem Ort geschafft hat. Seit vielen Jahren ist es ihr Herzensanliegen, endlich einmal dem in ganz Äthiopien legendären Wallfahrtsort  Lalibela einen Besuch abzustatten. Vielleicht sogar um etwas einzufangen von dem Mythos, der dieses spirituelle Zentrum seit mehr als 7oo Jahren umgibt?

Hammer und Meißel

Der schmale Felsengang endet tief unten am Rand einer kleinen, sich unerwartet öffnenden quadratischen Ebene, die von vier steil aufragenden Felswänden aus Vulkangestein umgeben ist. Und mittendrin, in Form eines liegenden Kreuzes, endlich die ersehnte nach dem Heiligen Georg benannte Felsenkirche. Ein in der Tat ungewöhnliches Gebäude, das offenbar von oben her wie eine riesige architektonische Plastik vom umgebenden Felsgestein befreit wurde. Fugenlos gearbeitet und, erstaunlich genug, bestehend nur aus einem einzigen Stück.

Dabei ist die St. Georgskirche nur eines von insgesamt elf Bauwerken. Sie allesamt  im Auftrag von König Lalibela als architektonische Wunderwerke konzipiert und in den Fels getrieben. Von 5000 Arbeitern, lediglich ausgerüstet mit Hammer und Meißel, und dazu in einer Rekordzeit von nur 23 Jahren. Manche der Bauwerke frei stehend wie die St. Georgskirche. Andere wiederum angelehnt an eine Felswand oder aber, von außen nahezu unsichtbar, als Höhlenkirche im Inneren des Felsmassivs. Insgesamt ein riesiger kaum zu überblickender Komplex.

„Neues Jerusalem“

Von Anfang an spielte im Christentum dieser Region eine biblische Betrachtungsweise eine Rolle, die sich schon bald zu einem Mythos verdichten sollte. Es war die inhaltliche Gleichsetzung eines Flusses, der sich hier mühsam seinen Weg durch die Felsenlandschaft bahnt, mit dem Jordan des Heiligen Landes. Und folglich gelangte Lalibela in der Folgezeit in den Rang eines „neuen Jerusalems“. Und damit zu einem der heiligsten Orte der Religionsgeschichte.

Andrang herrscht auch am darauf folgenden Tag bereits in aller Herrgottsfrühe vor der Imanuelkirche.  Zwar nur ein normaler Wochentag, nicht jedoch im orthodoxen Festkalender, in dem der „Imanueltag“ hoch veranschlagt wird. Ein kleiner Felsendurchgang gewährt den Zutritt zum Kirchengebäude, dessen leicht verzierte Felsfassade den Klang einer schwer einzuschätzenden Geräuschkulisse reflektiert.

Ansätze von Ekstase

Es sind die zunächst monoton erklingenden liturgischen Gesänge der gesamten Priesterschaft von Lalibela. Diese steigern sich zu unerwarteten Ansätzen religiöser Ekstase, der unüberhörbare Trommelschläge jedoch einen akustischen Rahmen verleihen. Insgesamt eine sich über mehrere Stunden erstreckende heilige Handlung, die zum Ende hin sogar noch mit einer zur Schau gestellten Farbigkeit in Erstaunen versetzt.

Und lange muss man darüber nachdenken, wo man zuletzt eine ähnlich dramatisch konzipierte Liturgie miterlebt hat. Und Zeuge wurde eines solch tief verwurzelten  religiösen Lebensgefühls. Wäre dieses Szenario nicht auch der beste Beweis dafür, warum Äthiopien bis heute den am meisten religiös orientierten Ländern des Christentums zugerechnet wird?

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Rückkehr zu sich selbst

Stimmungswandel in Kolumbien

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Exemplarisch steht die karibische Region Santa Marta für die Bewältigung eines nationalen Traumas.

Zu dumm, dass die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt haben. Die Fischer von Palomino können ein Lied davon singen. Im Wettlauf mit der untergehenden Sonne ziehen sie in zwei langen Reihen ihr weit gespanntes Netz die Uferböschung hinauf. Und sogleich ergießt sich der silbrige Fang zappelnd über den Strand. „Rovalos, Rayes, Curbinatas“ hört man es ringsum aufgeregt rufen. Freudige Stimmung auch dann noch, als der westliche Horizont damit beginnt, pastellfarbene Rot- und Blautöne am Abendhimmel hervorzuzaubern.

Aufatmen und Lebensfreude auch bis hinein in den tropischen Regenurwald, in jenen Jahren der Gewalttätigkeit und inneren Zerrissenheit ein bevorzugter Aufenthaltsort der Guerilleros. Heute hingegen in weiten Teilen ein Anziehungsort für alle jene, die die auf Schusters Rappen das Abenteuer der Natureinsamkeit suchen. So im Tayrona Nationalpark, der Wanderpfade wie den Kogui Trail bereit hält. Unauffällig führt dieser zunächst durch die unterschiedlichen Grüntöne des üppigen Baumbestandes. Und dann wieder entlang weißen Sandstränden, an denen sich mit Wucht die donnernde Brandung bricht.

Koloniales Erbe

Anziehungspunkt in der Region ist natürlich auch das koloniale architektonische Erbe. Nicht nur in Cartagena, dem absoluten Star aller kolumbianischen Kolonialstädte. Sondern auch in Santa Marta, der zweifellos ältesten von ihnen. Besonders die Plätze der Altstadt sind es, die die Renovierungswelle zuerst erfasst hat. Aber ist es nicht gerade der morbide Charme, der einen großen Teil der Seele von Santa Marta ausmacht?

Der Ruhm von Santa Marta liegt jedoch nicht zuletzt begründet in der exponierten Lage der Stadt am Fuße der Sierra Nevada. Dort findet sich, angeschmiegt an eine Bergflanke, die Hacienda „La Victoria“, eines der Herzstücke des kolumbianischen Kaffeeanbaus. Von dem verschlafenen Örtchen Minca aus manövriert Guillermo sein vierradgetriebenes Fahrzeug über den vom Regen ausgewaschenen Zufahrtsweg hinweg.

Eldorado des Kaffees

Und dann stößt man plötzlich in luftiger Höhe auf das Reich von Claudia und Nicky, die hier in der Bergeinsamkeit eine der bekanntesten Kaffeeplantagen betreiben. Über120 Jahre hinweg ein Familienunternehmen mit deutschen Wurzeln, wie Nicky stolz berichtet. Seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Gerätschaften für die Errichtung dieses Kaffee-Eldorados auf dem Rücken von Maultieren in die abgelegene Bergwelt hinauf transportiert wurden.

Nach Einführung in die Geheimnisse der Kaffeeproduktion durch Claudia wartet natürlich jeder darauf, das Produkt des Hauses auch zu verkosten. Hundertprozentiger Arabica-Kaffee, der aufgrund seines wunderbar sanften Geschmacks keine Konkurrenz auf den Märkten zu fürchten braucht. Dagegen stets die Herausforderungen durch das Wetter. Und nie wird Claudia vergessen, als ihre 120 Pflücker zurück kehrten mit der Botschaft, dass sechzig Hektar der Anbaufläche wegen des ausgebliebenen Regens verloren waren. Ein Schicksalsschlag, mit dem man hier alljährlich rechnen muss.

 Wandel der Wahrnehmung

Unberechenbar hingegen die Ereignisse zum Höhepunkt der politischen Wirren, als eine Gruppe von Guerilleros die gesamten Räumlichkeiten besetzte und sie zu ihrem Unterschlupf umfunktionierte. Der Anfang vom Ende? „Gottseidank ist das vorbei!“ entfährt es Claudia, die sich damals mit ihrem Mann genötigt sah, ihr eigenes Anwesen umgehend zu verlassen.

Nichts spricht also heute mehr dagegen, vor der Abreise aus Kolumbien in die Bucht von Santa Marta hinaus zu fahren, um dort an einem der Strände Sonne und Meer zu tanken. Und sich zu wundern über den offensichtlichen Wahrnehmungswandel im eigenen Bewusstsein.

 www.procolombia.co; www.colombia.travel/de; www.hotelboutiquedonpepe.com; www.elmatuy.com

 

Pferdefieber in Marokko

Der “Salon du Cheval” als Hotspot der Reitkultur

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Die kleine Küstenstadt El Jadida wird zur spektakulären Kulisse des Reitsports im „afrikanischen Orient“.

Das lässt keinen kalt. Wenn zwanzig Berberpferde mit trommelnden Hufen in wildem Galopp auf Tuchfühlung  nebeneinander heran preschen. Und dabei mit zunehmender Geschwindigkeit den großen Paradeplatz von El Jadida in deutlich spürbare Vibration versetzen. Wollen sie etwa den ihnen in Nordafrika voraus eilenden Ruf ungebändigter Wildheit erneut übertreffen?  Angefeuert und angetrieben von den lautstarken Kriegsrufen des Vorreiters? 

Berberische Volksseele

Spannungsgeladene Augenblicke, bis kurz vor der Ziellinie die historischen Vorderlader auf den Punkt genau unter ohrenbetäubendem Lärm eine noch stärkere Geräuschkulisse entwickeln. Und bei abruptem Halt Ross und Reiter innerhalb von Sekundenbruchteilen fast vollständig in weißen Pulverdampf einhüllen. Nein, kalt lässt ein solches Erlebnis wirklich niemand!  

Handelt es sich doch um die legendäre „Fantasia“, wie sie in der marokkanischen Berbertradition seit Jahrhunderten zur Perfektion herangereift ist. Ein Kampfsport  in ungestümer und ungebändigter Wildheit. König Mohammed VI. wusste offenbar die berberische Volksseele genau einzuschätzen, als er im Jahr 2007 den „Salon du Cheval“ aus der Taufe hob.

Einfühlsamer Pferdeflüsterer

Das weckt natürlich die Lust am eigenen Ausritt entlang dem  Sandstrand von El Jadida. Vom nahe gelegenen „Mazagan Beach Resort“ aus bietet sich dazu die beste Gelegenheit. Der Reitstall ist gut bestückt, und mit dem einfühlsamen Pferdeflüsterer Noureddine steht tatkräftige Hilfe schon bereit. Die Wahl fällt nach kurzer Beratung auf „Wadouda“, angeblich das schnellste Pferd im Stall. Schnell ist der Sattel aufgelegt, und los geht’s.

Immer entlang dem langen Strand zwischen dem „Mazagan“ und El Jadida. Eine Paradestrecke parallel zur donnernden Brandung, die hier vom Atlantik her schließlich gemächlich am flachen Ufer ausläuft. Hier befindet sich der schneeweiße Vierbeiner offensichtlich in seinem Element. Besonders wenn das Wasser unter den Hufen aufspritzt, überträgt sich seine Lebensfreude bis hinauf zum Reiter und steigert sich schnell zur puren Begeisterung.

Orientalischer Charme

Nach der Rückkehr in den Stall erweckt das um eine Poollandschaft konzipierte „Mazagan“ die Neugier und erweist sich schon bald als eine Welt für sich. Denn in der weitläufigen Anlage scheint ein bezaubernder orientalischer Charme stilvoll in fantasievolle architektonische Form gegossen zu sein. Als besonders romantisch erweist sich, darauf ist Kommunikationsdirektorin Khadija besonders stolz, das „Mazagan“ am Abend. Wenn es sich mit verspielten Lichteffekten des „afrikanische Orients“ unter dem funkelnden Sternenhimmel auf seine spezielle Art entfaltet.

Ein guter Ausgangspunkt für einen Besuch in der nahe gelegenen Altstadt von El Jadida. Orientalischer Charme auch hier, selbst wenn deren Wurzeln bis in die portugiesische Gründungsära des 16. Jahrhunderts zurück reichen. Beeindruckend vor allem die mächtigen alten Mauern am Hafengelände sowie das kunstvoll konstruierte Gewölbe der alten Zisterne. Und dazwischen viele bunte Läden, die mit heimischen Kunstgegenständen zum Kauf einladen. Stadtführer Bouchaib hat offensichtlich Recht mit seiner Feststellung, dass Marokko nicht nur aus seinen berühmten Königsstädten besteht. Und dass auch der Südwesten des Landes zahlreiche Attraktionen bereit hält, die es während des „Salon du Cheval“ und weit darüber hinaus zu bestaunen gilt.

Eine Foto-Show finden Sie oben auf dieser Webseite!

www.visitmarocco.com; www.salonducheval.ma; www.mazaganbeachresort.com; www.royalairmaroc.de

 

Pfade der Inspiration

Wanderreise im Heiligen Land

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Auf der Suche nach dem eigenen Selbst sprudeln am Jordan noch heute üppige Quellen der Spiritualität.

Japanische Sumo-Ringer im Härtetest? Sonst eher bekannt als beleibte Kraftprotze, die sich in Kampfpose mit der vollen Wucht ihrer Körper gegenseitig aus dem Gleichgewicht hebeln. Ihr sportlicher Ehrgeiz kann jedoch auch darauf gerichtet sein, auf ungewohnte Weise Anerkennung zu finden. Etwa beim Bezwingen eines viel zu schmalen Tunnels, wie er erst vor wenigen Jahren fern ihrer eigenen Heimat am Rande der Jerusalemer Altstadt freigelegt wurde. Vor zweitausend Jahren allerdings eher geschaffen für wendige Davids als für massige Goliaths.

Als sie unterhalb des Tempelberges wie selbstverständlich der Ausstiegsöffnung  entsteigen, brandet ihnen spontaner Jubel entgegen. Inspirierend für sie vor allem deshalb, weil unweit dieser Stelle normalerweise eine andere Gruppe die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es sind dies die an der historischen Klagemauer hingebungsvoll betenden Gläubigen, in andächtig bittender Pose angeschmiegt an die mächtigen Steinquader, die hier nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer übrig blieben.

Berauschende Bergeinsamkeit

Yaakov ist einer von ihnen. Als orthodoxer Jude, so sagt er in einer kurzen Gebetspause, hat er sich  hierher auf den Weg gemacht, um anlässlich des jüdischen Laubhüttenfestes  vertrauensvoll dem einen Gott seine persönlichen Anliegen vorzutragen. Lange Zeit steht er noch dort, und stellt dabei seine konzentrierte Gebetshaltung immer wieder durch wippende Körperbewegungen unter Beweis. Offenbar weiß er sich an dieser Stelle dem Himmel besonders nahe. Inmitten einer heiligen Stadt, die seit Abrahams Zeiten stets als Quelle der Spiritualität geschätzt wurde.

Und natürlich auch als Ausgangspunkt für die spirituelle Erschließung des „Heiligen Landes“. Warum also  nicht einfach hinein in die Wanderstiefel und bei der Suche nach dem eigenen Selbst die in der Judäischen Wüste reichlich vorhandenen Quellen der Spiritualität anzapfen? Zum Beispiel in dem geheimnisvoll verborgenen Wadi Kelt auf dem einsamen Wegestück zwischen Jerusalem und Jericho. Ein Tal voll von rauer Schönheit. Und in seiner berauschenden Bergeinsamkeit wie geschaffen für meditative Eingebungen inmitten der freien Natur.

Leichtigkeit des Seins

Geradezu lieblich dagegen die Landschaft im unteren Galiläa. Hier schlängelt sich ein Wanderweg von Nazareth, dem Heimatort der Heiligen Familie, bis hinunter nach Kapernaum, einem der ersten Wirkungsorte Jesu am See Genezareth. Es ist das erste Teilstück des „Jerusalem-Wegs“, eines spirituellen Wanderweges auf den Spuren Jesu bis hinüber an den Ort seiner letzten Wirksamkeit. Als Höhepunkt dieses eindrucksvollen Pfades erweist sich allerdings das Umfeld des Sees Genezareth. Und hier, da ist sich Wanderführer Georg Rößler ganz sicher, besonders die Strecke, die Jesus höchstpersönlich  in der Zeit seines öffentlichen Auftretens unzählige Male zurücklegte.

Vorbei an der Gebirgsformation der Hörner von Hittim und schließlich  durch das Taubental unweit des Berges der Seligpreisungen. Bis endlich das Nordufer des Sees Genezareth erreicht ist, dessen gekräuselte blaue Oberfläche zuweilen überlagert wird von den goldenen Reflexen der Mittagssonne. Genau die Kulisse, die bei allen Anstrengungen der Wanderung hervorragend passt zu der unterwegs nahezu unbemerkt erworbenen inneren Leichtigkeit des Seins.

Ziel aller Träume

Entsteht an solcher Stelle nicht auch sogleich der Wunsch, es den Fischern von einst gleich zu tun und zum östlichen Seeufer überzusetzen? Noch vor dem Erreichen des Uferstädtchens Ein Gev verbreitet sich zum Sonnenuntergang bei kühlendem Windhauch eine wunderbar inspirierende Abendstimmung. Eine vorerst letzte Quelle der Spiritualität? Zumindest aber das Ziel aller Träume bei einer Wanderstudienreise im Heiligen Land.

 www.pilgerreisen.de; www.goisrael.de; www.hotel.lavi.co.il; www.eingev.com; www.lifegate-reha.de

Schatzsuche auf schwankenden Planken

Die Seychellen als Hotspot des Naturabenteuers

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Wie eh und je umweht die kleine Inselgruppe im Indischen Ozean der zarte Hauch tropischer Romantik.

Langsam schließt sich die Schlinge um den schlanken Hals. Selbst für Gesetzesbrecher der guten alten Zeit in aller Regel Grund genug zur Panik. Nicht jedoch für „La Buse“, den gefürchteten König der Piraten im Indischen Ozean. Denn für ihn, der unzählige Male aus dem Hinterhalt gegen die französischen Kolonialherren zugeschlagen hatte „wie ein Bussard“, gehörte dieser zweifellos unangenehme Anlass offenbar zum Restrisiko seines Freibeuterdaseins. Vielleicht sogar bewusst herbeigeführt als standesgemäßer finaler Galaauftritt vor der Weltöffentlichkeit.

Denn was tut „La Buse“ in dem Moment, als ihm der Trommelwirbel eines französischen Exekutionskommandos im Jahr 1730 ratternd die Pforten zum Jenseits öffnet? Seelenruhig zieht er, noch immer kühl kalkulierend, einen Plan aus seiner Hosentasche und wirft ihn in die staunende Menge mit den Worten: “Wer ihn entziffert, soll meinen Schatz haben.“ Nur eine knappe Andeutung. Doch die schlägt sofort ein wie ein Paukenschlag.

Ausgangspunkt für Inselabenteuer

Nur einer ist sich heute völlig sicher, dass der Piratenschatz sich nicht auf „seiner“ Insel befindet. Es ist Karl Snater auf Eden Island, einem der Seychellenhauptstadt Victoria vorgelagerten Inselchen. Ein auffallend flaches Eiland, das erst vor wenigen Jahren durch technisch aufwändige Aufschüttung des Meeresbodens entstand.

So bietet Eden Island inzwischen den stabilen Untergrund für das fantasievoll gestaltete Eden Bleu Hotel, dem Karl Snater als General Manager vorsteht. Mit Rundumblick auf die steil aufragende Hügelkette der Hauptinsel Mahé, die malerisch ausgestaltete künstliche Lagunenlandschaft sowie den stets in Bewegung begriffenen Yachthafen, der direkt an die Eden Plaza angrenzt. Ein Ausgangspunkt für Inselabenteuer jeglicher Art wie hinüber zu Starinseln Praslin und La Digue.

Haie und Walhaie

Ausgesprochen angetan von der Schönheit seines Inselreiches ist auch Skipper Kevin. Gerade hat er mit seinem Katamaran „Venturi“ im Yachthafen von Eden Island angelegt, einem wendigen Segler der Dream Yacht Charters. Schon stehen die neuen Passagiere bereit, fast durchweg abenteuerlustige Inselreisende, die von den schwankenden Planken des Katamarans aus die vielfältige Über- und Unterwasserwelt der Seychellen entdecken möchten.

Und während aus der Küche von Bordkoch Terence sich bereits das Fisch-Mittagsmenu aromatisch ankündigt, schwärmt Skipper Kevin von seinen aufregenden Begegnungen mit Haien und Walhaien, die durch ihr überraschendes Erscheinen stets an Bord für Furore sorgen. Ohne dabei zu versäumen, die Vorzüge des Lebens auf dem offenen Wasser hervorzuheben. Wo wogende Wellen die Fantasie beflügeln und dabei Traumwelten erschaffen, die sich bei Annäherung an die kühn geschwungenen Sandstrände oftmals sogar als real erweisen.

Sonniges Gemüt

Inzwischen hat sich die Sonne dem westlichen Horizont bereits merklich angenähert. Und doch verwandeln ihre immer noch starken Strahlen die beschwingt tänzelnden Wellen in eine Funken sprühende Oberfläche. Ein Goldschatz der anderen Art, wie Skipper Kevins verschmitztes Lächeln vielsagend auszusagen scheint.

Und haben nicht auch die Inselbewohner – Schatzsuche hin und her – sich innerlich längst etwas von diesem überschwänglichen Insel-Lebensgefühl angeeignet? Denn dieses strahlt auch ohne große Worte aus ihrem sonnigen Gemüt, wie es sich beim Besuch des lebhaften Marktes von Victoria augenblicklich offenbart. Vielleicht der deutlichste Beweis dafür, dass auch Naturschätze wie diese ihre unverkennbaren Spuren hinterlassen.

www.seychelles.travel; www.edenisland.sc; www.dreamyachtcharter.com; www.ethiopianairlines.com

 

Zärtliches Lächeln und heilende Hände

Vietnamesische Fernreise zur inneren Mitte

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

 Mit unwiderstehlichem Charme entwickelt sich Südvietnam zu einem  bevorzugten Reiseziel in Fernost.

 „Immer im selben Bett?“ Mit penetranter Ungeduld meldet sich die Lebenskrise, wenn bisher praktizierte Gewohnheiten an ihre Grenzen stoßen. Ein ähnliches Schicksal, wie es auch größere Flüsse heimsucht. So wie den Mekong, der kurz vor seinem Ende im südlichen Vietnam noch verrücktspielt. Und sich plötzlich entscheidet, den Rest seines Daseins in vielen verschiedenen  Betten zu verbringen. Das Resultat dieses Altersleichtsinns ist ein Deltasystem mit stets neu abzweigenden Flussbetten.

Und dies inmitten eines überaus fruchtbaren Schwemmlandes, in dem versehentlich vergessene Holzstühle angeblich bereits über Nacht Wurzeln schlagen. Von dieser Üppigkeit zeugen die schwimmenden Märkte, auf denen in aller Herrgottsfrühe von wendigen Booten aus Früchte und Gemüsesorten verschiedenster Art den Besitzer wechseln. Asien in seiner wohl buntesten und vielleicht attraktivsten Form.

Gepflegtes Understatement

Fast unauffällig dem riesigen Mekong-Delta vorgelagert findet sich die kleine Con Son-Inselgruppe, die man bisher vergeblich in den Reiseführern des Landes suchte. Wohl aus gutem Grund, war doch Con Dao, die Hauptinsel des Archipels, früher eine gefürchtete Gefangeneninsel. Doch dann welch ein Imagewandel, als vor wenigen Jahren im Halbkreis der weit ausladenden Sandbucht von Con Dao ein hochkarätiges Resort errichtet wurde.

Die geräumigen Strandvillen gearbeitet mit gediegenen heimischen  Materialien, für die sich sogar Angelina Jolie und Brad Pitt samt Familie begeistern können. Gepflegtes Understatement auf dem Weg zurück zur Natur, bei dem Wellness in angenehmer und vielfältiger Form praktiziert wird. Berühmt für die individuelle Reise zur inneren Mitte sind die ausgefeilten  Yoga-Übungen des indischen Arztes Aneesh mitsamt seinen einfühlsamen  Meditations-Anleitungen, mit denen er jeden Tag beginnen lässt.

Stadt in Bewegung

Und doch führen nach Tagen der Ruhe und Entspannung alle Wege zurück in die südvietnamesische Metropole Ho Chi Minh City, der Einfachheit halber immer noch Saigon genannt. Deutlich sichtbar der Hubschrauber-Landeplatz auf der Dachterrasse des  Wiedervereinigungs-Palastes, auf der sich – unvergesslich eingebrannt in das kollektive Gedächtnis – am Ende des Vietnam-Krieges in höchster Panik jene dramatischen Fluchtszenen abspielten.

Eine ganze Generation später hat der Alltag längst von der Stadt Besitz ergriffen. Mit Hotel- und Bürotürmen, die in der Stadtmitte wie Pilze aus dem Boden schießen. Seine unübertroffene Einmaligkeit gewinnt Saigon jedoch  als „Stadt in Bewegung“. Nicht allein wegen der von Musik begleiteten gymnastischen Übungen, mit denen die Menschen zu Scharen im Stadtpark den Sonnenaufgang begrüßen. Vielmehr tragen zu diesem Eindruck Hunderttausende von Mopeds und Motorrädern bei, die sich während der Verkehrs-Stoßzeiten alle gleichzeitig in Bewegung zu setzen scheinen.

Zupackende Hände

Der Kreis einer Reise nach Südvietnam schließt sich  in Nha Trang. Jener belebten Stadt an der Südostküste des Landes mit ihrem Inselresort von Ninh Van Bay. Die Baumkronen voller echter „Papillons“, die tagsüber mit ihrem bewegten Spiel alle anstecken, die sich auf ihr nach eigenem Geschmack konzipiertes Tagesprogramm freuen.

Auf ein Unterwasser-Abenteuer am Hausriff , auf das Erlernen heimischer Kochkünste mit Kräutern aus dem hauseigenen Bio-Garten bis hin zu einem der vielfältigen Massageangebote im stilvoll eingerichteten Spa. Hier beeindrucken besonders Nga und Hue, unter deren zarten und zugleich kräftig zupackenden Händen jeder augenblicklich dahin schmilzt. Entspannt bis hinunter in den tiefsten Seelenkern. Und zugleich auch in dem Bewusstsein, durch heilende Zuwendung dieser Art bei der Reise nach Fernost an der richtigen Stelle gelandet zu sein.

www.tischler-reisen.de; www.sixsenses.com; www.sofitel.com; www.vietnamairlines.com

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Das „südlichste Dorf Deutschlands“ zählt mit seiner Alpenlage zweifellos auch zu den attraktivsten.

Dantes Inferno am nördlichen Alpenrand? Gerade so, als hätte der bewährte mittelalterliche Hölleneingang ausgedient. Und nun, einem neuen Mythos folgend, an anderer Stelle überraschend die Elemente gewechselt, um auf ungewohnte Weise seine einstigen Schrecken mindestens genauso wirkungsvoll zu verbreiten. Diesmal nicht mit höllischem Feuer, sondern mit tosenden Wasserwirbeln, die sich in schäumenden Kaskaden über hohe Felsbänke hinweg abwärts stürzen.

Doch dann schlägt angesichts dieses grandiosen Naturschauspiels der Schrecken um in Bewunderung und die Furcht in Ehrfurcht. Vor allem gegenüber der sonst friedlich dahin plätschernden Breitach, die sich hier in der Breitachklamm mit unerwarteter Urgewalt hundert Meter tief in das solide Kalkgestein hinein gesägt hat.

Mächtige Naturkulisse

Natur, so hat es den Anschein, wird in dem „südlichsten Dorf Deutschlands“ großgeschrieben. Denn wer könnte sich dem Reiz der hohen Alpengipfel entziehen, die Oberstdorf als mächtige Naturkulisse einrahmen und mit ihrem prächtigen Erscheinungsbild ausstrahlen bis hinunter ins Tal? In gleichem Maße wächst die Lust, diese stolzen Zweitausender zu bezwingen.

So hat sich Oberstdorf als Ortschaft im Oberallgäu längst auf seine exponierte Lage inmitten der Natur eingestellt. Und gilt, seitdem der Autoverkehr weitgehend aus der Innenstadt verbannt wurde, als richtungsweisend für nachhaltigen Umweltschutz. Mit seiner sprichwörtlichen frischen Luft sowie den schmucken Straßen und Gässchen, die fast ausschließlich den Fußgängern und Fahrradfahrern gehören. Und natürlich der selbstbewussten Kuhherde auf ihrem täglichen Gang zu den nahen Weideplätzen.

Überwältigendes Bergpanorama

Doch schon ruft der Berg. Denn nicht weit entfernt befindet sich die Talstation der Fellhornbahn. Sie führt hinauf auf das mehr als zweitausend Meter hohe Fellhorn, dem mit seiner Blütenpracht seit jeher der gute Ruf eines „Blumenberges“ vorauseilt. Schnell trägt das überwältigende Bergpanorama dazu bei, den Inferno-Eindruck der Breitachklamm zu überlagern. Und wie von selbst die Vorstellung zu stärken, dem Himmel ein Stück näher gekommen zu sein.

Bei weniger hochalpinem Ehrgeiz, davon sind allerdings die beiden Wanderbegleiter Hannelore und Gerhard Miksch überzeugt, ist bereits die Mittelstation der Fellhornbahn ausreichend für ein erfüllendes Bergerlebnis. Denn diese lädt während der Sommermonate auf einer Felsenfläche ein zu stimmungsvollen Berggottesdiensten im Freien.

Unberechenbare Natur

Wer jedoch die Bewegung sucht, der entdeckt von hier aus jenseits des kleinen Schlappoldsees die Alpe Schlappold. Mit mehr als 1700 Metern die höchste bewirtschaftete Sennstation in Deutschland. Geduckt an den Fuß des Schlappoldkopfes ziehen, vom unberechenbaren Höhenwind getrieben, Wolkenfetzen fedrig leicht über sie hinweg. Und gellend pfeifende Murmeltiere nutzen die sommerliche Wärme, um auf den umliegenden Almwiesen ihre unterirdischen Bauten eiligst mit trockenem Heu für den Winter auszustaffieren.

Nur die Kühe strahlen mit ihrem hellen Glockengeläut eine beruhigende Atmosphäre aus. Mehr als siebzig Tiere, so Almhirt Florian Seltmann, die hier zwischen Himmel und Erde, einen ganzen Sommer lang seiner Obhut anvertraut sind. Nicht immer unter einfachen Bedingungen, besonders wenn selbst im Hochsommer ein Schneesturm das Grün der Almen mit einem dichten weißen Teppich überzieht. Für ihn ein wahrer Albtraum. So sind es auch für den Almhirten zweifellos die Unwägbarkeiten der Natur, die ihm in dieser Bergeinsamkeit stets den größten Respekt abverlangen.

Eine Oberstdorf-Foto-Show hier ...

www.oberstdorf.de; www.leder-eberhart.de; www.ando-kunst.de; www.alpe-schlappold.de

 

Der Geist von Genf

Facetten eines Lebensgefühls

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Fernab von asketischer Strenge beherrscht heute ausgiebige Feierlaune die „kleinste Metropole der Welt“.

 

Noch verbirgt sich die Sonne hinter dem Ostufer des Genfer Sees. Ob sie wohl ahnt, welchen Empfang man ihr vom lang gezogenen Steg der „Bains des Paquis“ aus bereiten wird? An diesem frühen Morgen ist es die Musikergruppe mit dem passenden Namen „Sonne von Afrika“, die sie im Rahmen der traditionellen „Aubes Musicales“-Konzerte schwungvoll über den Horizont des Seeufers geleiten will. Mit heißen Rhythmen aus Guinea, aufmunternd und anspornend zugleich.

Teilstück solch stilvollen Erwachens bildet auch die Wasserfontäne des Jet d’Eau. Jenes sich in allmorgendlichem Zeremoniell immer stets neu erschaffende Wahrzeichen der Stadt. Auf die Minute genau erhebt sie sich per Knopfdruck bei einer Geschwindigkeit von zweihundert Stundenkilometern 140 Meter hoch über die Wasseroberfläche. Sanft gestreichelt vom Morgenwind, der sich vom Montblanc herüber bis hinunter ins Tal bewegt. Insgesamt ein Morgen, der mit seinen immer deutlicher sichtbaren landschaftlichen Reizen den Geist der Schöpfung zu atmen scheint.

Sinnenfreude in der Kunst

Als der viel beschworene „Geist von Genf“? Fast möchte man sich bereits mit dieser Antwort zufrieden geben, wären da nicht – ausgestreckten Zeigefingern ähnelnd – die beiden wuchtig aufragenden Türme der Kathedrale. Deren Botschaft könnte darin bestehen, bei der Suche nach dem Geist von Genf nicht die Hinterlassenschaften der Reformation zu übersehen, die in ihrer speziellen Form des Calvinismus von hier aus ihren Ausgang nahm. Jene asketische Variante eines religiösen Neubeginns, die in ihrem religiösen Übereifer auf jegliche weltlichen Sinnenfreuden zu verzichten bereit war.

So musste sich der Geist von Genf in späteren Zeiten neu orientieren. Und tat dies besonders mit den Mitteln der Kunst. Symbolisch für den Durchbruch dieses freiheitlichen Geistes und der Sinnenfreude steht aktuell das Museum für zeitgenössische Kunst. Eröffnet vor etwa zwanzig Jahren in den geräumigen Hallen einer Fabrik, gilt das MAMCO, wie es respektvoll genannt wird, heute als „einer der wichtigsten Ausstellungsorte für die Gegenwartskunst in der Schweiz“.

Endstation Sehnsucht in Carouge

Weniger stilisiert geht es dagegen zu in Carouge, der ländlichen Vorstadt von Genf. Endstation Sehnsucht für alle, die in ungezwungener Atmosphäre für ein paar gemütliche Stunden Entspannung suchen außerhalb der „kleinsten Metropole der Welt“. Jenseits all der Banken und Geldinstitute, durch die sich Genf in die Liga der acht größten Finanzplätze der Welt emporgearbeitet hat. Wie anders dagegen das kleine Carouge mit seinen um den Wochenmarkt herum angelegten kleinen Gässchen.

Und doch verliert sich der Geist von Genf offenbar nicht in der Vorstadtidylle. Denn am anderen Ende der Stadt ragt, prächtig wie eh und je, das Palais des Nations empor, heute der prominenteste Ableger der Vereinten Nationen nach der UNO-Zentrale in New York. Hier, so Stadtführer Ariel Hämmerle, hat der Geist von Genf seine eigentliche Heimstatt gefunden. Denn nirgendwo anders wurde der Weltfrieden eindringlicher beschworen als hier.

Feierlaune am See

An diesem Sommerwochenende jedoch ist bei allem Einsatz für den Weltfrieden erst einmal Feiern angesagt. Denn während der Fetes de Geneve hat eine unbändige Feierlaune – Calvin hin und her – von der ganzen Stadt Besitz ergriffen hat. In einer Festtagsstimmung, die schließlich überhöht wird von dem einstündigen Feuerwerk, das als elegante Choreographie den See immer wieder einbezieht in das opulent aufsprühende Farbschauspiel. Abschließend vielleicht sogar die verdiente Belohnung dafür, dem Geist von Genf in seinem unverwechselbaren Facettenreichtum auf die Spur gekommen zu sein?

 Eine Genf-Foto-Show hier ...

www.geneva-tourism.ch, www.mamco.ch, www.cottagecafe.ch, www.beau-rivage.ch

 

Das Erbe der Maya

Guatemala entlang der Panamericana

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Farbenprächtig verschmilzt in Zentralamerika die alte Indiokultur mit der spanischen Kolonialarchitektur.

 

Eine Einladung zum Gespräch klingt anders. Denn kaum ergreift die Brüllaffen-Familie im Blätterdach der Urwaldriesen lautstark das Wort, muss die unterlegene menschliche Stimme ohne Gegenwehr kapitulieren. Und wird damit widerstandslos unter den dichten Klangteppich gekehrt, den die stimmgewaltigen Schreihälse über dem feuchten Dschungelboden ausrollen.

Allerdings scheint dieser akustische Klangteppich zu konkurrieren mit einer noch dichteren Decke am Urwaldboden. Mit jenem wuchernden Geflecht aus Baumwurzeln und Schlingpflanzen, vom tropischen Regenurwald offenbar eigens dazu geschaffen, um das einstmals an den Menschen verlorene Terrain nach und nach zurückzuerobern. Eine bewährte Erfolgsstrategie der „grünen Hölle“, der Tikal als die gigantische Tempelstadt der Maya im Norden Guatemalas fast zum Opfer gefallen wäre. Denn nur durch Zufall wurde sie mit ihren pyramidenartigen Tempeltürmen im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Und fieberhaft begab man sich auf die Suche nach dem Erbe der Maya, das diese in der Region hinterlassen hatten.

Panamericana als Lebensader

Fündig wurde man vor allem im Süden des Landes. Dort wo heute das graue Asphaltband der Panamericana Guatemala mit den Nachbarländern Mexico und El Salvador verbindet. Als eine Lebensader für Menschen und Güter, wie eine kurze Rast in Los Encuentros umgehend beweist. Einem Ort mitten in der Provinz, dessen Mittelpunkt der vor Lebhaftigkeit strotzende Busbahnhof zu sein scheint. Denn hier geben bunt bemalte und bis auf den letzten Platz gefüllte Busse in Windeseile ihre Menschenladungen frei, um sich sogleich wieder mit neuen farbig gekleideten Passagieren vollzusaugen. Viele von ihnen unterwegs zum legendären Atitlan-See mit seinen rund um das Seeufer verstreuten Indiodörfern.

San Antonio Palopo ist eines von ihnen. Wie ineinander verschachtelte Quader weißer Bauklötze schmiegen sich die Häuser an den Berghang am südlichen Seeufer. Zunächst verbergen sie noch den steilen Aufstieg bis hinauf zu Dorfkirche. Doch zum Glück gibt es die kleinen Webstuben, die immer wieder zur kurzen Rast einladen. Hier sitzen routiniert arbeitende Indiofrauen in handgefertigten blauen Kleidungsstücken am Webrahmen und praktizieren in lebendiger Tradition das von ihren Vorfahren erlernte Kunsthandwerk.

Hauch von Noblesse

Ganz anders dagegen die Atmosphäre in Antigua, der vom spanischen Kolonialstil geprägten ersten Hauptstadt Guatemalas. Übersichtlich angelegt im Schachbrettmuster und einst übervoll von Kirchen, die allerdings in ihrer Überzahl mehreren Erdbeben zum Opfer fielen. Obwohl Ende des 18. Jahrhunderts die Hauptstadt aus Sicherheitsgründen von hier nach Guatemala City verlegt wurde, hat sich Antigua seither einen Hauch von Noblesse bewahrt. Mit seiner verführerischen Jade-Schmuckindustrie, seinen ausgefallenen Läden und Restaurants. Oder dem unvergleichlichen Hotels „Casa Santo Antonio“, stilvoll eingepasst in die von Erdbeben zerstörte kirchliche Bausubstanz.

Zurück in Guatemala City schließt sich der Kreis einer Reise durch ein äußerst farbenfrohes Land. Als traditionelle Anlaufstelle gilt hier, unweit der Kathedrale, die Bar „El Portal“. Nicht nur die älteste Bar des Landes, sondern zugleich auch angesagter Treffpunkt, an dem sich schon Nobelpreisträger Miguel Angel Asturias und Revolutionsikone Che Guevara die Klinke in die Hand gaben. In der Tat ein weiter Bogen, der sich in Guatemala spannt von der Kultur der Maya bis hin zum quirligen und lebensfrohen Miteinander in der Gegenwart.

Eine Guatemala-Foto-Show hier ...

www.visitguatemala.com; www.visitcentroamerica.com; www.hotelatitlan.com; www.airfrance.de

 

Feierlaune an der Adria

Riminis Wandel zur Wellness-Hauptstadt

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Die Emilia Romagna an der italienischen Adriaküste setzt verstärkt auf ihr Potenzial als Genussregion.

Es war das goldene Zeitalter der Pappagalli. Auf den ersten Blick sicherlich Männer von zweifelhaftem Ruf. Und doch verfügten sie über ein bemerkenswertes Charisma, gelang es ihnen doch stets, ohne Umschweife zur Sache zu kommen. Und dabei ihren erwartungsvoll Schlange stehenden Strand-Bekanntschaften ein Stück Dolce Vita auf dem silbernen Tablett südlicher Sinnlichkeit zu servieren.

Geheimnisse östlicher Körperlickeit

Sicherlich eine aufregende Zeit am oftmals geschmähten „Teutonengrill“. Doch attraktiv genug, um ihr heute noch nachzutrauern? Wohl kaum. Ist es inzwischen doch längst gelungen, Alternativen an einem der berühmtesten Badestrände der Welt zu schaffen und diesen auf ganzer Länge in einen respektablen „Wellness Beach“ zu verwandeln. Ein wahres Wellness-Eldorado, in das man täglich eintauchen kann.

Beispielsweise in die Yoga-Meditation am pulverfeinen Sandstrand von Rimini. Hier führt Gayatori Randi ihre Gäste täglich ein in die Geheimnisse östlicher Körperlichkeit, wie sie es einst in einem indischen Ashram von der Pike auf gelernt hat. Schon nach mehreren Übungen im sanften Licht der Morgensonne fühlt sich der Körper im ständigen Wechsel von Anspannung und Entspannung energetisch durchflutet.

Farbenprächtiges Lichterspektakel

Der Drang zur Neuerung hat inzwischen auch das kulturelle Leben der Region erfasst. So lädt die Stadt Rimini alljährlich ein zu „La Notte Rosa“. Jener rosaroten Nacht, in der sich die gesamte Innenstadt in eine Kulisse gediegener Festlichkeit verwandelt. Zum Beispiel vor der schneeweiß leuchtenden Fassade des Grand Hotel di Rimini.

Die Feierlaune erstreckt sich von der Innenstadt bis hinunter um Yachthafen. Hier drängt sich um das erleuchtete Riesenrad herum eine Vielzahl Schaulustiger, um sich punkt Mitternacht das Feuerwerk nicht entgehen zu lassen. Niemand vermochte zu glauben, so rückblickend Touristenführerin Helga, zu welchem Erfolgsrezept sich „La Notte Rosa“ bereits innerhalb kürzester Zeit entwickeln würde.

Hochstapler und Frauenheld

Demgegenüber fasziniert im Hinterland von Rimini das Erbe der Vergangenheit. Zum Beispiel die hoch über dem Tal der Marecchia gelegene Bilderbuchstadt San Leo. Hier im wahrsten Sinne des Wortes überragend die Festungsanlage von San Leo, die in ihren kolossalen Ausmaßen wie eine Verlängerung des sie tragenden Felsens erscheint.

Mit der Übernahme durch den Kirchenstaat wurde die Festung im Inneren allerdings zu einem drakonischen Gefängnis ausgebaut. Nur dem berühmtesten seiner Insassen, dem Alchimisten, Hochstapler und Frauenheld Graf Cagliostro gelang es mit seinem vielfach bewährten Charisma, den Gefängniswärter auf seine Seite zu ziehen. Dafür jedoch landete er in einem noch tieferen Verlies.

Magie des Sangiovese

Zur Tradition gehört natürlich auch die Küche der Emilia Romagna. Wohl niemand beherrscht ihre Feinheiten so gut wie Giuseppina in der „Osteria Belvedere“ von San Leo. Virtuos knetet, walzt und rollt sie den Teig nach allen Regeln der Kunst zu einer hauchdünnen Masse, um daraus das pikante Piadina-Brot herzustellen.

Dazu darf natürlich auch ein guter Wein nicht fehlen. Anregungen dazu finden sich in der nahe gelegenen Ortschaft Dozza. Hier sucht man nicht lange nach der in der ganzen Umgebung bekannten „Enoteca Regionale Emilia Romagna“. Grund genug, um sich nach einer Weinprobe beschwingt auf den Weg zu machen und in den Gassen von Dozza die illustren Wandmalereien entspannt auf sich wirken zu lassen. In der Tat eine Genussregion, in der die Feierlaune nicht zu enden scheint.

Eine Rimini-Foto-Show hier ...

 www.emiliaromagnaturismo.com; www.riminiturismo.it; www.lanotterosa.it; www.bagno76rimini.it;

 

Unter der Haube

Coole Paare auf heißen Öfen

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

 

Zum 75. Jubiläum der legendären Sturgis Rally zieht es die Fangemeinde der Biker nach South Dakota.

Heiraten ist Geschmackssache. Die Wahl des Ehepartners sowieso. Aber auch das Drum und Dran muss stimmen, damit der Einstieg ins gemeinsame Eheleben in guter Erinnerung bleibt. Möglichst als Traumhochzeit! Heiraten ist aber auch eine Stilfrage. Und je profilierter und eigenwilliger ein Paar ist, desto weniger mag es sich einpassen in vorgegebene Formen. Harley-Davidson-Fahrer sind solche Leute, profitieren sie doch von ihrem Ruf als „Kings of the Road“. Und seit „Easy Rider“ haben sie an diesem Image ständig weiter gefeilt.

„Leben heißt fahren!“ ist häufig zu lesen auf den Stickern an ihren Maschinen. Und für sie gilt sicher auch der Umkehrschluss „Fahren heißt leben!“ Denn wer wollte bestreiten, dass jeder Biker seine Seele an seine Harley hängt und so auch einen großen Teil seines Lebensgefühls. Was liegt da näher als der Gedanke, die heißen Öfen zum Ambiente der Hochzeitsfeier zu erklären? Denn wenn es selbst FKK-Anhängern gestattet ist, bei entsprechendem Auftreten am Strand den Bund fürs Leben zu schließen, warum dann nicht auch Bikern auf den Rädern, die für sie die Welt bedeuten?

Biker aus Leidenschaft

Donna und John gehören zu den Harley-Davidson-Bikern aus Leidenschaft. Die Liebe zu ihren Maschinen wird nur noch übertroffen von ihrer gemeinsamen Zuneigung füreinander. Ihr Harley-Outfit lässt sie dabei meistens wie Trendsetter für modernen Highway Chic erscheinen. Nicht so heute. Denn nun sind sie wild entschlossen, ihren jährlichen Trip zum Harley-Davidson-Treff mit einer Eheschließung zu überhöhen.

Das langjährig bewährte Provinznest Sturgis liegt im Wilden Westen, genauer in South Dakota. Hier versammeln sich alljährlich in der zweiten Augustwoche mehrere hunderttausend Biker, um als Mitglieder der Harley-Davidson Owners Group (HOG) ihr Kultobjekt zur Schau zu stellen und dabei die einmalig ausgeflippte Stimmung zu zelebrieren.

Verhaltenes Dröhnen

So auch Donna und John. Diesmal jedoch nicht mit poppig bedrucktem T-Shirt, Stirnband und offen zur Schau gestelltem Tattoo. Vielmehr sie heute ganz in weiß und er komplett in schwarz. Nur auf den ersten Blick gutbürgerlich. Denn die Hochzeits-Zeremonie findet statt an der Einfahrt zur Hauptstraße von Sturgis, die an der endlos sich dehnenden Doppelreihe geparkter Feueröfen leicht zu erkennen ist.

Erst das Eheversprechen, dann der Hochzeitskuss, sogar Freudentränen. Und schon geht es los: Unter dem Beifall der anwesenden Fan-Gemeinde ertönt das verhaltene Dröhnen der zwei Maschinen, auf denen die beiden zunächst eine Ehrenrunde drehen und sich dann zum gemeinsamen Lebensweg aufmachen. Sturgis macht’s möglich!

Hügellandschaft der Black Hills

Doch davor liegt noch die Hochzeitsreise, damit der Ernst des Lebens noch ein wenig auf sich warten lässt. Sie führt, so haben Donna und John durchblicken lassen, kreuz und quer durch die malerische Hügellandschaft der Black Hills. In die alten Goldgräberstädte Deadwood und Keystone mit ihren alten Kneipen und historischen Spielsalons. Sowie zum Mount Rushmore mit seinen versteinerten Präsidentenköpfen. Kurz: Ein Hochzeitsarrangement aus einem Guss, das niemand vergisst. Für Biker jedenfalls die stilvollste Art des Ehegelöbnisses, seit Harley-Davidson vor mehr als hundert Jahren das Reitpferd als normales Fortbewegungsmittel ersetzte.

So wird es sie noch lange geben, die Harley-Davidson-Gemeinde, die ihr Kultobjekt fast abgöttisch liebt. Die alljährliche Gemeindeversammlung in Sturgis und nicht zuletzt Donna und John liefern dafür den besten Beweis. Die vier Präsidentenköpfe vom Mount Rushmore werden also auch in 25 Jahren zum runden hundertsten nicht auf den gewohnten Anblick verzichten müssen.

www.realamerica.de; www.sturgismotorcyclerally.com; www.visitrapidcity.com

 

Kaffeebraun und indigoblau

Begegnungen in El Salvador

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Als der kleinste Staat Zentralamerikas präsentiert sich El Salvador in bewundernswerter Vielfältigkeit.

Ein Waschbrettbauch zum Hingucken, denn Adel verpflichtet. Und Juan Carlos Ramos weiß genau, was er seinem Ruf als einem der besten Surflehrer in El Salvador schuldig ist. Mit Kennerblick überprüft er die Höhe der Brandung, die vom Pazifik her in dichter Folge donnernd über den El Tunca Beach hereinbricht. In Sekundenschnelle fällt seine Entscheidung für das flexibelste seiner drei Lieblings-Surfbretter und stürzt sich hinein in die schäumende Gischt. So dauert es nicht lange, bis das durchtrainierte Energiebündel „seine“ Welle gefunden hat, von der er sich in gekonntem Zickzack zurück an den Strand tragen lässt.

Amerikanisches Pompeji

Mit einem Abenteuer ganz anderer Art befasst sich Salvador Quintanilla. Ihm hat das Schicksal buchstäblich in die Hände gespielt, als ausgerechnet auf seinem Grundstück mit Bodenradar eine in ihrer Einmaligkeit nicht für möglich gehaltene Maya-Anlage entdeckt wurde. Und dies unter einer sechs Meter hohen Aschenschicht, die der angrenzende Loma Caldera vor 1400 Jahren ausgespuckt hatte. „Ein Musterbeispiel für mittelamerikanische Wohnkultur der präkolumbianischen Zeit“, wie Salvador sachlich feststellt. Und wie es das hervorragend aufbereitete archäologische Museum auf seine Weise beweist.

Heute ein Weltkulturerbe, wurden hier in Joya de Ceren seit dem Jahr1976 bereits zehn der insgesamt achtzehn vorhandenen Wohneinheiten ausgegraben. Und Salvador? Der zeigt sich natürlich überglücklich darüber, dass der Zufall ihm über Nacht ein „amerikanisches Pompeji“ bescherte. Und dennoch ist ihm eine gewisse Enttäuschung darüber anzumerken, dass sich seine Hoffnung auf einen plötzlichen Reichtum zerschlug. Doch was soll’s! Denn gegen den eigenen Namen in den Geschichtsbüchern des Landes, soviel Stolz muss sein, ist natürlich nichts einzuwenden.

Von giftgrün zu indigoblau

Auch Dieter und Rhina Rehmann ziehen das Interesse auf sich, die sich dem Projekt der natürlichen Indigo-Gewinnung verschrieben haben. Dieter, der einstige Pilot der Bundeswehr und Rhina als heimische Erbin eines Grundstücks im Hochland von El Salvador, die sich vor langer Zeit in Deutschland kennen lernten. Und sich dann dorthin zurück trauten, wo während des Bürgerkrieges bis 1992 auf dem Gelände eine Gruppe von Guerrilleros ungefragt Quartier bezogen hatte.

Doch vorbei ist vorbei. Und Dieter lässt von einigen seiner Plantagen-Spezialisten vorführen, wie es geht. Zunächst fermentieren grüne Zweige des Indigo-Strauches einen ganzen Tag lang in einem Bassin. Dadurch entsteht ein stark riechender giftgrüner Saft, der durch einstündiges kräftiges Aufpeitschen der Oberfläche mit Luftsauerstoff angereichert wird. Und sich dabei, völlig überraschend für uneingeweihte Zuschauer, immer mehr ins Blaue verfärbt. Dann ist es nur noch eine Frage der Geduld, um in weiteren Arbeitsschritten jenes indigoblaue Pulver zu gewinnen, auf das die Jeans-Industrie seit Lévy-Strauß begierig wartet. Und nicht nur die, wie die anschließende praktische Einführung in das Batik-Kunsthandwerk beweist.

Straßen der Begegnung

So sind es neben der landschaftlichen Vielfalt und der herben Schönheit des Landes die menschlichen Begegnungen, die haften bleiben. In den kleinen Gässchen der anheimelnden Kolonialstadt Suchitoto oder entlang der legendären Panamericana. Auf dem Weg zu den Vulkanen durch das Kaffeeanbaugebiet oder entlang der „Blumenroute“, auf deren bunten Märkten sich die Kauflaune von selbst einstellt, zumal dort kein Lächeln unbeantwortet bleibt.

Eine Foto-Show über El Salvador finden Sie hier ...

www.elsalvador.travel, www.visitcentroamerica.com, www.laposada.com.sv, www.airfrance.de

 

Insel im Farbenrausch

Djerba zelebriert seine Straßenkunst

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Überraschend wird die kleine Ferieninsel im Mittelmeer zum Zentrum eines künstlerischen Großprojekts.

„Drei Tage kommt er, drei Tage weht er, drei Tage geht er.“ Vor dem Wüstenwind aus der Tiefe der Sahara gibt es, so sagt man, kein Entrinnen. Im südlichen Tunesien nimmt er noch einmal richtig Fahrt auf, bevor er ansetzt zum Sprung auf die kleine Ferieninsel Djerba. Auch wenn er inzwischen schon den größten Teil seiner ursprünglichen Kraft eingebüßt hat, zeigt er hier noch einmal, was in ihm steckt. Pfeifend wirbelt er die Blätter der Palmenkronen wie schwerelos durcheinander. Sicherlich nicht die ideale Empfangsmusik für unbeschwerte Urlaubstage am lang gezogenen Sandstrand.

Schon am nächsten Morgen befinden sich die Ausläufer des Wüstenwindes wider Erwarten auf dem Rückzug. Und auch den vom Wind zerzausten Palmenkronen ist kaum noch etwas vom gestrigen Ausnahmezustand anzumerken. So präsentiert sich die großzügig gestaltete Poollandschaft der Anlage einladend wie eine mediterrane Traumwelt in leuchtendem Türkis. Nur das nach wie vor aufgewühlte Meer tut sich schwer mit der Spurenbeseitigung der Sturmattacke.

Motive und Stilrichtungen

Grund genug, um sich einem Tagesziel im Zentrum der Insel zuzuwenden. Einem kleinen Dorf, das binnen Jahresfrist Kunstgeschichte schrieb. Dadurch, dass sich hier 150 renommierte Straßenkünstler aus 30 Ländern zu dem Projekt „Djerbahood“ zusammen fanden. Und dabei Hauswände sowie Gartenmauern mit 300 Motiven der unterschiedlichsten Art bemalten.

Entsprechend hoch geht der Puls, als Zied Lasram, einer der Künstler, die Führung durch die Straßen des Dorfes Erriadh übernimmt. Ein Rundgang durch Gärten und Gässchen, über Innenhöfe und Dorfplätze. Die Fülle der Motive und Stilrichtungen in diesem Eldorado der Straßenkunst ist überwältigend. Und doch, so betont Zied, wissen sich alle Künstler verbunden in dem Anliegen, jegliche Aggression in ihren Darstellungen zu vermeiden. Und zugleich abwertenden religiösen oder gar politischen Motiven den Zutritt zum Dorf zu verwehren.

Neues Selbstbewusstsein

Was nicht immer völlig gelingt. Denn schwingt da nicht die Freude des politischen Frühlings mit, wenn eine Gruppe lang gestreckter und nur schwer zu identifizierender Lebewesen, ängstlichen Kaninchen gleich, die angedeuteten Trommelschläge offenbar als Zeichen des politischen Aufbruchs wertet? Oder wenn das neue Selbstbewusstsein der emanzipierten Frau gegenüber einer konservativen Gesellschaftsordnung gleich in mehreren völlig unterschiedlichen Motiven ihren Ausdruck findet?

Wind und Wetter fordern, wie einst an der Berliner East Side Gallery, natürlich ihren Tribut. Wenige Monate haben bei der salzhaltigen Luft bereits ausgereicht, um unverkennbare Spuren zu hinterlassen. Schäden, die geradezu danach schreien, sich „Djerbahood“ noch schnell anzuschauen, bevor es zu spät ist. Ob vielleicht nicht doch noch irgendjemand ein realistisches Konzept zu seiner Erhaltung vorlegt? Einige Bewohner von Erriadh jedenfalls, so hat Zied beobachtet, revanchieren sich bereits jetzt für die warme Dusche des plötzlichen Ruhms mit gut gemeinten Erhaltungsmaßnahmen.

Aufbruchsstimmung

Ob die allerdings auf Dauer ausreichen, weiß heute noch niemand zu sagen. Sicher ist nur, dass die „Djerbahood“-Kunstwerke zu originell sind, um sie dem Zahn der Zeit in Gestalt des unbarmherzigen Wüstenwinds zu überlassen. Denn der hat sich längst als Kunstbanause erwiesen und pfeift auf jegliche Straßenkunst. Schade, legt diese doch beredtes Zeugnis ab von einer Aufbruchsstimmung, die zumindest in ihrem Ursprungsland Tunesien auf fruchtbaren Boden fiel.

 www.tunesien.info - www.robinson.com - www.djerbahood.com - www.tunisair.de

Wunderwelten der Erosion

Arizona und seine Naturparks

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Die Landschaftskulisse des Südwestens erinnert in ihrer herben

Schönheit an den einstigen Pioniergeist.

„Whiskey Row“ wird sie liebevoll genannt. Jene Straßenzeile im Stadtzentrum von Prescott, die in ihrem formvollendeten Ambiente dem Bilderbuch des amerikanischen Südwestens entsprungen sein könnte. Und die sich selbst heute noch präsentiert als das südliche Eingangstor zum einstigen Wilden Westen mit Bars, Restaurants und Saloons in langer Reihe nebeneinander.

Das „Historic Palace Restaurant & Saloon“ erweist sich noch heute als ein Zufluchtsort für alle Durstigen. Bietet es doch all jenen Asyl, die sich außerhalb dieser sprudelnden Quelle keinen schöneren Ort vorstellen können. Wie Bob und Steve, die als stille Zecher auf ihren Barhockern festgewachsen zu sein scheinen. Ein Foto? Aber selbstverständlich! Und schon hat Bob seinen schwarzen Stetson parat. Nur lächeln wollen sie beide nicht. Denn das war in jener rauen Zeit auch nicht üblich, und so viel Seriosität muss sein!

Sandstein mit Festungscharakter

Wollen sie sich damit positiv abheben von den Minenarbeitern im benachbarten Jerome? Jenen rauen Burschen, die aus 900 Metern Tiefe unter höchstem körperlichem Einsatz Kupfererz ans Tageslicht zu bringen hatten, um es anschließend zum Schmelzofen ins Tal hinab zu befördern. Ganz in der Nähe wartet heute die zum Touristenzug umfunktionierte „Verde Canyon Railway“ darauf, Besucher dort hinauf zu transportieren, von wo aus sie früher das Kupfererz hinunter beförderte.

Mit einem Erscheinungsbild ganz anderer Art präsentiert sich die Stadt Sedona, umgeben von rotem Sandstein, der mancherorts Festungscharakter ausstrahlt. Genau der richtige Rahmen für eine „Pink Jeep Tour“ durch das holprige Gelände. Fahrer Roger wird bei dieser Hindernisrallye über steile Hügel und durch tiefe Schluchten nicht müde, die erdgeschichtlichen Vorgänge zu erklären, die zu diesen die Fantasie anregenden Felskonstellationen führten.

Spiel der Formen und Farben

Demgegenüber ist auf dem weiteren Weg in Richtung Norden Wüste angesagt, die sich gegen Abend wie ein Malkasten mit warmen Rottönen einfärbt. Hier liegt am Ufer des Little Colorado River die „Cameron Trading Station“. Ein bereits seit mehreren Generationen bestehendes Familienunternehmen, das ursprünglich dem Warenaustausch mit den in der näheren Umgebung angesiedelten Navajo-Indianern diente.

Und dann ist schließlich der Südeingang des unbeschreiblichen Grand Canyon erreicht. In einem Spiel der Formen und Farben, das zunächst sprachlos macht. Und den überwältigten Besucher schließlich vor die Frage stellt, wie er sich diesem grandiosen Naturphänomen am besten annähert. Vielleicht zu Fuß entlang dem Bright Angel Trail hinunter zu den Indian Gardens? Oder sogar auf dem Rücken eines geduldigen Maultieres noch weiter hinab bis in die Talsohle des Colorado River?

Wanderung mit den Augen

Oder doch lieber oben bleiben und von der Abbruchkante des Canyons aus die Eindrücke in sich aufsaugen? Ein Netz von Fahrradwegen macht’s möglich, an dem sich bis hin zum Yaki Point die schönsten Aussichtspunkte wie die Perlen an einer langen Kette aneinander reihen.

„Das Grand Canyon mit Wasser volllaufen lassen?“ Bei dieser einstmals ernst gemeinten Idee schüttelt es Bruce Brossman vom historischen El Tovar Hotel noch heute. „Statt des Grand Canyons ein Stausee mit Motorbooten und Wasserski?“ Zum Glück haben sich die Naturschützer dann doch noch durchgesetzt und Arizona als dem „Grand Canyon State“ zu seinem heutigen Ehrennamen verholfen.

Eine Foto-Show hier ...

www.arizonareise.de  - www.azstateparks.com - www.visitsedona.com - www.bikegrandcanyon.com

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

„Die schönste Seereise der Welt“? In der Tat

hält Norwegens Küste fesselnde Naturschauspiele bereit.

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

„Eisige Zeiten!“ Denn sobald der Nördliche Polarkreis überschritten ist, steigt Meeresgott Neptun persönlich hervor aus den Fluten des Nordatlantiks, angetan mit Netz, Dreizack und Krone. Allein in der Absicht, an dieser imaginären geografischen Linie die ihm zufallende heilige Handlung zu vollziehen: die Polarkreistaufe.

Keine Prozedur für Warmduscher. So kommt eine Suppenkelle voller scheppernder Eiswürfel gerade recht, die durch den weit geöffneten Hemdkragen den Rücken hinunter rieseln. Zum Glück hilft in dieser Schrecksekunde eine kräftige Portion Aquavit, um noch während des Kälteschocks den in Habachtstellung befindlichen Lebensgeistern wieder zum Durchbruch zu verhelfen.

 Mitternachtssonne und Polarlicht

Waren diese doch bereits seit Reisebeginn damit beschäftigt, das ringsum aufgeschlagene eiszeitliche Bilderbuch der norwegischen Küste in sich aufzusaugen. Und doch, soviel wird klar, ist diese Reise mehr als das Schwelgen in Landschaftserfahrungen. Denn hinzu kommt, wie stets nördlich des Polarkreises, die Jagd nach dem Licht: der Mitternachtssonne im Sommer und des Polarlichts im Winterhalbjahr.

Der Frühling zählt zur Übergangszeit. In ihr besteht noch die Hoffnung auf das farbintensive Lichtspektakel des Polarlichts. Jenes nur schwer nachzuvollziehende Naturschauspiel, wenn radioaktiv aufgeladenen Partikel der Sonnenwinde auf die Atome der Erdatmosphäre treffen. Und dabei vom Erdmagnetismus eingefangen und an der Nachtseite der Pole in unterschiedlichen Farbkombinationen sichtbar werden.

Wetterlagen und Farbspiele

Von Tromsö aus, dem „norwegischen Tor zum Arktischen Meer“ sind es nur noch wenige Postschiff-Stationen bis hinauf nach Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt. Heute jedoch auch an diesem exponierten Ort immer noch kein Nordlicht! Stattdessen entschädigt vorerst das Nordkap als der nördlichste Punkt Europas mit einem Farbspiel der besonderen Art. Denn um den über dem Horizont schwebenden Metallglobus scheinen sich die unterschiedlichsten Wetterlagen und Farbspiele innerhalb kürzester Zeit ein Stelldichein zu geben.

Ähnlich aufgewühlt wie der Himmel am Nordkap zeigt sich auch das Meer der Barentssee an der Nordspitze Norwegens bis hinüber nach Kirkenes. Wer hier das Licht in einer bewundernswert klaren Form sehen möchte, für den empfiehlt sich eine Übernachtung im legendären „Eishaus“. Einem Hotel in der Gestalt eines riesiges Iglus, das - bestehend aus purem Eis - innen hält, was es von außen verspricht. Eiskünstler aus China haben die vergängliche Schönheit für die Wintermonate errichtet und mit Motiven der Umgebung verziert.

Einsicht des Himmels

Ein letzter Höhepunkt vor der Rückreise ist die Hundeschlittenfahrt über einen zugefrorenen Fjord. Isabel ist als Musherin Herrin über die vier Husky-Paare, die ihr (fast) aufs Wort gehorchen. An dem rasanten Tempo haben selbst die Vierbeiner ihre Freude und quittieren jeden kurzen Stopp mit erwartungsfrohem Gebell.

Und dann hat der Himmel während der Rückfahrt doch noch ein Einsehen. Denn noch in der Barentssee nahe der Ortschaft Berlevag öffnet sich die Wolkendecke und er wartet auf mit dem sehnsüchtig erhofften Naturschauspiel. Zunächst nur in schwachen Ansätzen. Bis sich schließlich deutlich sichtbar ein grüner Vorhang lichtstark am Himmel entfaltet, als wolle sich das Nordlicht für seine Säumigkeit entschuldigen. Ringsum an Deck ein hörbares Staunen, besonders als an den Seitenrändern noch ein rötlicher Lichtstreifen als dekorativer Rahmen hinzukommt. Nach diesem Erlebnis steht der Heimreise in südlicher Richtung nun wirklich nichts mehr im Wege.

 www.hurtigruten.com;www.museumnord.no; www.kirkenessnowhotel.com; www.rautenberg-reisen.com

 

Zielpunkt Kap Hoorn

Wilde Natur an Amerikas Südspitze

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Im chilenischen Patagonien halten die Elemente eine breite Palette launischer Überraschungen bereit.

 „Kampf der Kulturen?“ Jedenfalls nicht am Tresen der stets gut besuchten Schiffsbar, an der sich Barkeeper Claudio eifrig bemüht, der regen Nachfrage an Pisco Sour umgehend nachzukommen. Jenem milchig im Glase schimmernden Zaubertrank, dem es auf wundersame Weise stets neu gelingt, das Stimmungsbarometer selbst bei frostigen Außentemperaturen nach oben zu treiben. Kalt serviert und heiß geliebt, gleichsam ein Lebenselixier in einer von Wind und Wetter heimgesuchten Umwelt.  

Urgewalt der Elemente

Wie auch im Nationalpark “Torres del Paine“, in der die Elemente mit Urgewalt aufeinander treffen, wie Parkbegleiterin Sophia erklärt. Entstanden aus vulkanischem Material, das in erstarrtem Zustand aussieht wie großflächig über die Erde verteiltes Riesenspielzeug. Zusätzlich dekoriert mit türkisfarbigen Seen und Lagunen. Auch die Winde scheinen es in ihrer Intensität den anderen Elementen gleichtun zu wollen wenn sie an Orten wie dem „Salto Grande“-Wasserfall den überraschten Wanderer buchstäblich aus den Schuhen heben. Ist dies bereits die Einstimmung auf das verrufene Kap Hoorn? Doch zum Zaudern ist es längst zu spät, denn schon entschwindet die „Stella Australis“ von Punta Arenas aus auf der Magellanstraße im Dunkel der Nacht.

 

Wider Erwarten bricht am nächsten Morgen die Sonne strahlend hervor und offenbart eine verschlungene, ja bizarre Fjordlandschaft. Schon bald öffnet sich der ersehnte Zugang zum Pia-Gletscher, der sich in seiner weißen Pracht auch heute wieder als einer der schönsten Gletscher des gesamten Archipels erweist. Bereits die Anfahrt zur steil aufragenden Gletscherwand löst spannungsvolle Erwartungen aus. Denn sind dort im sterilen Kreißsaal der Natur nicht bereits die Vorbereitungen für das Kalben des Gletschers in vollem Gange?

Aufsprühendes Getöse

Erinnert doch das ständige Knacken, das von der grellweißen Fassade ausgeht, an einsetzende Geburtswehen. Noch ist es nur ein gelegentliches Ächzen und Stöhnen, denn die Gletscherwand kreißt - und gebiert doch nur winzige Fehlgeburten. Das freudige Ereignis lässt also auf sich warten. So wird die Geduld der Zuschauer im Wartesaal des Pia-Fjordes auf eine harte Probe gestellt.

Doch dann verwandelt sich die Starre der majestätischen Eisfassade urplötzlich in Bewegung. Denn krachend bricht eine riesige Zacke aus ihrer Krone, um sich sodann widerstandslos den Gesetzen der Schwerkraft zu überlassen. Donnernd und polternd trifft sie auf die Wasseroberfläche, die mit aufsprühendem Getöse den eisigen Koloss zunächst verschlingt, bevor sie ihn zur Freude aller Beobachter zumindest teilweise wieder an die Oberfläche entlässt: Geburt gelungen, Nachwuchs wohlauf, Warten gelohnt!

Halbierung des Denkmals

Bis jetzt hat das Wetter für patagonische Verhältnisse erstaunlich gut gehalten. Wird sich dieses unerwartete Wetterwunder aber bis Kap Hoorn fortsetzen? Schon bald sausen wendige Schlauchboote knatternd los, um den kleinen Anlandungssteg neu zu befestigen. Oben am Leuchtturm wartet bereits Marineoffizier Manuel Canepa. Als offizieller chilenischer Inselrepräsentant mit seiner Frau und seinen zwei Kindern für ein ganzes Jahr lang einziger Bewohner dieses lebensfeindlichen Eilandes. „Mit bis zu 240 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit zugleich auch des stürmischsten“, wie Manuel respektvoll anmerkt.

Auf dem Rückweg vom Inselleuchtturm zum Schlauchbootsteg ziehen weitere Wolken auf, und es fallen bereits die ersten Tropfen. Doch kaum jemand interessiert sich noch dafür, wurde doch das ersehnte Ziel gerade noch einmal erreicht. Und schon winkt Ushuaia als die südlichste Stadt der Welt mit dem Heimflug. Wie nicht anders zu erwarten, hat Barkeeper Claudio an diesem Abend wieder einmal alle Hände voll zu tun.

 www.chile.travel; www.lan.com; www.australis.com; www.thesingular.com; www.rautenberg-reisen.de

 

Die Nebelwelt der Gorillas

Auf Dian Fosseys Spuren in Ruanda

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Wie einst die Nilquellen, üben heute die Nationalparks Ruandas eine magische Anziehungskraft aus.

 „Hier kriegt keiner was geschenkt!“ Lässt sich aus dem übermütigen Krächzen der Nashornvögel nicht sogar eine gehörige Portion Schadenfreude heraushören? Deutlich erkennbar sitzen sie im Geäst eines ausladenden Baumriesen im Trockenen und blicken aus ihrer erhöhten Position federschüttelnd herab auf den regennassen Urwaldboden. Auf eine kleine Schar seltsamer Wesen im Gänsemarsch, denen ein glitschiger Schlammbelag auf ihrem feuchten Pfad  höchste Aufmerksamkeit abverlangt.

Doch trotz aller Widrigkeiten scheinen Abenteuerlust und Entdeckerfreude die Gruppe voranzutreiben. Bis schließlich ihre Geduld von Erfolg gekrönt wird. Denn urplötzlich zieht ein schnarrendes Grunzen die Blicke nach oben in die Baumkronen. Direkt in das Nachtlager einer Schimpansenfamilie, die sich langsam aus ihren sorgfältig geflochtenen Baumnestern erhebt und sich geschäftig ihrer Morgentoilette hingibt. Bis ein jäher Schrei die Schimpansen zu einer wilden Aufbruchsjagd antreibt, hinein in das Abenteuer des noch jungen Morgens. 

Aufbruchsstimmung

In ähnlicher Aufbruchsstimmung wie die Schimpansen im Nyungwe-Nationalpark befindet sich auch das kleine Ruanda. Nur gerade einmal zwanzig Jahre sind es her, seit die Bevölkerungsgruppe der Hutu über die der Tutsi herfiel. Kaum ein Besucher des Genozid-Museums in Kigali, der nicht den Kopf schüttelt über ein solches Ausmaß an Verblendung. 

 „Eine Zerstörungswut, die das Land damals in die Knie zwang“, wie Joseph Birori, Chef der „Primate Safaris“ in Kigali rückblickend bestätigt. Doch dann, so fügt er nicht ohne ein Quäntchen Stolz hinzu, habe man sich mit besten Vorsätzen und unter vollem Einsatz an den Wiederaufbau heran gewagt und die Spuren der Verwüstung innerhalb kürzester Zeit beseitigt.

Bergdschungel

Vorbei am Lake Kivu, Ostafrikas schönstem See, bildet im äußersten Norden des Landes die Silhouette der mächtigen Ruwenzori-Gebirgskette eine natürliche Grenze. Bis zu seiner Mitte eingehüllt in einen Bergdschungel, aus dem sich nach jedem Regenfall fließende Nebelschwaden gespensterhaft in Bewegung setzen. Erinnert diese Gegend nicht sofort an Dian Fossey, die hier in dieser wilden Landschaft ein Zuhause fand, jedoch ihr Lebenswerk, die Rettung der Berggorillas, mit dem Leben bezahlte? 

Diese außergewöhnlichen Wesen aufzuspüren ist daher einer der Höhepunkte jeder Ruanda-Reise. Angeführt von dem Ranger-Duo Bernice und Jerome ist der erste Eindruck Auge in Auge mit den Berggorillas überwältigend.  In stoischer Ruhe liegt Silberrücken Munyinya im weichen Blattwerk und genießt die ihm von drei Familienmitgliedern gleichzeitig dargebrachte Fellpflege.  

Afrikanische Nacht

Ebenso wohl wie die Berggorillas in ihrem bequemen Buschwerk fühlen sich auch die Besucher der  Nationalpark-Lodges. Wunderbar gelegen inmitten einer Teeplantage eine der Schönsten von ihnen, die „Nyungwe Forest Lodge“ mit ihren Colobus Monkeys. Oder zieht gar die „Gorilla Mountain View Lodge“ am Fuße der Ruwenzori-Gebirgskette mit ihren wilden Tänzern mehr Aufmerksamkeit auf sich?

Und schließlich das „Ruzizi Tented Camp“ im Akagera-Nationalpark. Hier genießt man mit Einbruch der Dunkelheit das furiose Klickkonzert der zahlreichen Frösche, das sich wie ein Klangteppich über die Uferlandschaft legt. Ist dies nicht die Traumkulisse einer die Phantasie beflügelnden „afrikanischen Nacht“?

Safari im Geländewagen

Doch auch der Tag weiß zu punkten. Wenn bei einer Safari im Geländewagen sich die Tierwelt der Savanne am Wegesrand ein Stelldichein gibt. Besonders auf die Elefanten, so gibt Parkbegleiter Johnson zu bedenken, muss man dabei wegen der Jungen ein besonders wachsames Auge haben. Ostafrika auf kleinsten Raum – vielleicht ist es das, was Ruanda als Reiseziel so erstrebenswert macht.

 www.rwandatourism.com; www.abendsonneafrika.de; www.nyungweforestlodge.com

 

Aufwind am Nil

 Das Comeback der Ägyptenreise 

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Nach längerem Abwarten erweist sich das Land der Pharaonen für seine Fans erneut als unwiderstehlich

Es ist ein Wettlauf mit der Sonne, die sich mit einem schmalen Lichtstreifen am östlichen Horizont   ankündigt. Ein weiterer fauchender Feuerstrahl überwindet schließlich die Schwerkraft und trägt den bunt gestreiften Ballon wie eine riesige Christbaumkugel hinauf in den Nachthimmel. Dann endlich schiebt sich die rötlich schimmernde Sonnenscheibe über den östlichen Horizont und verwandelt die Dämmerung in Licht. Dabei belebt sie mit tänzelnden Lichtreflexen den behäbig dahin gleitenden Strom.

Obwohl sich Ballonführer Hisham mit Luftströmungen bestens auskennt, hat er doch selbst unter Einsatz seiner Zugseile nur geringe Einflussmöglichkeiten auf die Fortbewegung des Ballons. Denn dessen Richtung kennt allein der Wind. Und der führt das Gefährt heute in federhafter Leichtigkeit vorbei am  Totentempel der Pharaonin Hatschepsut. Angelehnt an eine hoch aufragende Felswand strahlen seine in der Morgensonne leuchtenden Kolonnadenreihen aus weißem Kalkstein bedeutungsvoll herauf.

Begegnung mit dem Pharao

Schon wird im Zentrum des zerklüfteten Gebirgsmassivs von Theben West das mit Spannung erwartete Tal der Könige erkennbar. Legendäre Begräbnisstätte der Pharaonen  über mehrere Dynastien hinweg. Oftmals ausgeplündert durch skrupellose Grabräuber. Nur die heute berühmteste aller Totenkammern entging ihrem Zugriff - das Grab des Tutanchamun.

So ist es Ehrensache, nach der bemerkenswert weichen Landung der Gondel am Rande der Steinwüste, diesem Grab die Ehre zu erweisen. Gleich hinter den in die Tiefe hinab führenden legendären sechzehn Treppenstufen kommt es drunten zu einer unerwarteten persönlichen Begegnung mit dem Pharao, dessen gut erhaltene und doch zerbrechlich wirkende Mumie sofort starke Emotionen auslöst.

Klappernde Pferdehufe

Auch andere Grabkammern  laden an diesem Vormittag  mit ihren Kunstwerken zur Besichtigung ein. Davor Gruppen von Besuchern, denen ihre Neugierde leicht anzumerken ist. Hat nach mehrjährigem Zögern das touristische Leben am Nil wieder Tritt gefasst?  

„Willkommen, willkommen“, ruft schließlich auf der Ostseite des Nils der Händler auf dem Markt von Luxor einer Besucherschar zu, die sich ihm unter der Geräuschkulisse klappernder Pferdehufe in ihren wendigen Kutschen  nähert.  Offensichtlich gilt diese Herzlichkeit jener wachsenden Vorhut von Reisenden, die sich nach den politischen Irritationen der letzten Jahre nun wieder ins Reich der Pharaonen vorwagen. Der Bann, soviel zeichnet sich in diesen Tagen deutlich ab, scheint inzwischen gebrochen.

Modellstadt für urbanes Leben

Eine Nilkreuzfahrt an Bord der „MS Nile Crown II.“  bietet anschließend  Gelegenheit, in Gesprächen diese ermutigenden Wahrnehmungen zu vertiefen.  Dabei reihen sich während der Fahrt nach Süden die von den Pharaonen gestifteten Highlights ägyptischer Tempelkultur  aneinander: vom Horus-Tempel in Edfu bis hin zur prächtigen Isis-Tempelanlage von Philae mit ihren jeweiligen nächtlichen Lichteffekten .

Ganz anders die neue Welt von El Gouna. Jene idyllische Kunststadt an der Festlandseite des Roten Meeres, die gegen Ende des letzten Jahrhunderts als eine Modellstadt für urbanes Leben in Ägypten konzipiert wurde. Durchzogen von gewundenen Kanälen, wirkt sie wie ein nordafrikanisches Venedig.

Aber auch der sportliche Ausgleich wird in der Stadt großgeschrieben. Mit ihrem modern ausgestalteten Golfplatz  und einer der größten und modernsten Wakeboardanlagen der Welt. Damit bewährt sich El Gouna  erneut als begeisternder und zugleich unkomplizierter Aufenthaltsort für die schönsten Wochen des Jahres.

www.egypt.travel,  www.fti.de, www.dream-balloons.com, www.moevenpick-hotels.com/el-gouna    

 

Die Leichtigkeit des Seins

Unter weißen Segeln vor Kubas Küste

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Auf dem Großsegler „Star Flyer“ bietet sich die seltene Gelegenheit, Kuba vom Meer aus zu erkunden.

Die Karibik ist nicht ohne. Urplötzlich treibt eine Wetterfront vom Nordatlantik  mit ihren Sturmböen den eleganten Viermaster vor sich her. Mit einer solchen Wucht, dass die Spitze des Hauptmastes aufgeregt imaginäre Figuren an den pergamentfarbenen Abendhimmel zeichnet. Gibt so das hoch gelobte karibische Urlaubsparadies seine Visitenkarte ab?

Doch schon am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei. Genau der richtige Zeitpunkt, um sich  in das am Klüverbaum aufgespannte Netz zurückzuziehen. Und von dieser exponierten Stelle aus dem munteren Spiel der Delfine zuzuschauen, die aus der Gischt des Schiffsbugs heraus mit ihren weiten Sprüngen in tänzerischer Leichtigkeit die Gesetze der Schwerkraft aufzuheben  scheinen.

Erotische Ausstrahlung

Erinnern sie in ihrer choreografisch exakten Geschmeidigkeit nicht gar an den Tanzstil des legendären Tropicana-Ballets? Jener Tanzkompanie aus Havanna, die wie keine zweite die afrokubanische Tanztradition seit nunmehr sieben Jahrzehnten weiter entwickelt und zur ästhetischen Vollendung führt. In schnell aufeinander folgenden Tanzfiguren, die in ihrer Virtuosität selbst dem Zuschauer höchste Konzentration abverlangen.

Doch an der scheitert es ohnehin nicht. Verfügen doch die Körper der Tänzerinnen und Tänzer neben ihrer federnden Elastizität zugleich über eine hohe erotische Ausstrahlung, wie sie sich aus farbenprächtigen  Roben heraus entfaltet. Oder aber beim Einsatz von eher spärlicher Bekleidung, die in betörender Offenheit ihren karibischen Zauber ausstrahlt. Vergleichbar den Delphinen, die sich nun schon minutenlang von der Bugspitze antreiben lassen und auf ihre Weise lustvoll die ungebremste Leichtigkeit des Seins demonstrieren.

Der Kuss des Delphins

Stets auf der Suche nach den schönsten Stränden, ist die „Star Flyer“ inzwischen vor der Insel Cayo Largo vor Anker gegangen. Direkt gegenüber von Playa Sirena, einem, wie es heißt, der Spitzenstrände in der gesamten Karibik. Und in der Tat lädt ein kühler Sandstrand aus feinem Korallenstaub zum Sonnenbad ein. Und regt zugleich dazu an, sich in die flach am Ufer auslaufende Brandung zu stürzen.

Doch die lässt sich auf eigenwillige Weise auch in einer kleinen Bucht im Strandbereich entdecken. Hier zeigen sich muntere Delphine bereit,  mit neugierigen und wagemutigen Gästen ausgelassen herumzutollen. Ihre Balancierkunst bringt es sogar fertig, eine im Wasser liegende Person mit koordiniertem Nasendruck auf beide Füße senkrecht über die Wasseroberfläche zu erheben. Eine artistische Höchstleistung, gefolgt von einem kühlen Kuss, zu dem sich Mensch und Tier in unvergesslicher Pose einen Augenblick lang vereinen.  

Nähe zum Meer

Die kubanische Leichtigkeit des Seins überträgt sich auch auf das Bordleben der „Star Flyer“. Sie ermutigt, am Vordermast über eine Leiter hinaufzusteigen zum Ausguck, um von dort den Blick über das belebte Sonnendeck oder die Inseln am Horizont schweifen zu lassen – und dabei wie eine Möwe hoch über der Wasseroberfläche zu schweben.

Schon liegt die Hafenstadt Cienfuegos an der Südküste Kubas als Endpunkt der Kreuzfahrt in greifbarer Nähe. Eine Stadt, die in ihrem Zentrum mit einem unerwartet gepflegten Äußeren aufwartet. Hier am Ziel der Reise wird abschließend deutlich, dass man nirgendwo dem Meer so nahe ist wie unter weißen Segeln. Unter ihnen lassen sich zudem verstecke Regionen der karibischen Inselwelt erschließen, die für die Giganten der Kreuzfahrtindustrie unerreichbar bleiben.

info@star-clippers.de               www.star-clippers.de

 

Überholspur auf der Wüstenpiste

Dubais stürmischer Aufbruch in die Moderne

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 Fotos: Dr. Bernd Kregel

Jenseits intensiver Traditionspflege hat die Neuzeit in dem Emirat am Golf längst Einzug gehalten.

„Warum denn gleich in die Luft gehen?“ Es dauert nur wenige Augenblicke, bis die anfängliche Zurückhaltung beim Blick aus der Glaskanzel des Helikopters umschlägt in Sprachlosigkeit. Denn erst aus der Vogelperspektive erschließt sich der Bauboom, der in den letzten Jahren von Dubai Besitz ergriffen  hat. Dazu geeignet, den einstmals  bescheidenen Wüstenort in eine pulsierende Großstadt zu verwandeln. Die beeindruckende Spitzenposition, in die sich Dubai im souveränen Umgang mit Stahlbeton und Glasfassaden zunehmend hinauf katapultiert, verfügt bereits über ein Symbol. Schlank ragt das Burj Khalifa aus dem Morgendunst 826 Meter hinauf in den blauen Himmel.

Und doch kann Dubai auch anders. Denn inmitten seiner oftmals Schwindel erregenden Kulisse finden sich alternative Zufluchtsorte, die es jenseits aller Hektik erst zu entdecken gilt. So zum Beispiel das Madinat Jumeirah, ein modernes und zugleich idyllische gelegenes Strandresort unter Palmen, das sich mit seinen hoch aufragenden Windtürmen im arabischen Stil zugleich der heimischen Tradition verschrieben hat.

Holzsteg zum Stelzenbau

Für Gabriele Kurz aus Berchtesgaden ist das von Kanälen durchzogene Resort  inzwischen zur zweiten Heimat geworden. Denn als Küchenchefin im Talise Spa kann sie entsprechend ihrer „flexitarischen“   Grundausrichtung mit ihren ausgefallenen Kreationen beim Lunch gezielt kulinarische Akzente setzen. In einer gesundheitlichen Ausgewogenheit für alle, die hier mit Tai Chi, Yoga oder  Kung Fu ihrem Körper einen sportlichen Ausgleich bieten möchten.

Bei vierzig über das Gelände verteilten Restaurants kommt das Essen im Jumeirah Madinat ohnehin nicht zu kurz. Angefangen beim orientalischen Frühstück  bis hin zum abendlichen Auswahl-Dinner nacheinander in mehreren internationalen  Restaurants. Gekrönt vom Dessert im Pierchic, das - über der Wasseroberfläche auf Stelzen ruhend - nur über einen langen Holzsteg erreicht wird. Auch hier wieder diese wundervolle Ruhe, die nur vom sanften Rauschen der Wellen unterbrochen wird. Oder aber ganz unerwartet von einem krachenden Feuerwerk, das dem gegenüber liegenden  Burj Al Arab bei jeder Explosion jedes Mal ein neues buntes Segel überwirft.  

Waschbrettpisten und Dünenkämme

Eine weitere Möglichkeit, dem Leben der Großstadt zu entfliehen, bietet eine Wüstensafari unmittelbar vor den Toren Dubais. Sich mit Fahrer Eric auf einem vierradgetriebenen Geländewagen von einer Waschbrettpiste durchrütteln zu lassen oder sanft über feinsandige Dünenkämme hinweg zu gleiten, stellt ein intensives und zugleich begeisterndes Naturerlebnis dar. Bei anbrechender Dunkelheit wird es Zeit, das nahe Beduinenlager aufzusuchen und sich der orientalischen Gastfreundschaft anzuvertrauen. In einem vom aufgehenden Mond und von dezent angebrachten Fackeln erleuchteten Areal wie aus 1001 Nacht, wo bereits dicke gemütliche Sitzkissen in die Nähe des Lagerfeuers einladen.

Dort warten  bereits dekorative Schischas auf ihren Einsatz, die sogleich mit blubbernden Geräuschen Wolken unterschiedlicher Tabakaromen verströmen. So gelingt es mit ihrer Hilfe, die gefürchteten Wüstengeister, die hier nachts ihr Unwesen treiben sollen, vom Lager fernzuhalten. Und dazu die richtige Atmosphäre zu schaffen für ausgelassene Tänze, bei denen, heimischer Tradition folgend, allerdings nicht der Bauchtanz im Mittelpunkt steht.  

Virtuose Ausgelassenheit

Vielmehr kreisen in schwungvollen Folgen die langen schwarzen Haare der Tänzerin um ihren Kopf und vermitteln dabei die Stimmung einer virtuosen Ausgelassenheit.  Nicht jeder, so ist ringsum zu vernehmen, hätte in dem kleinen Emirat am Persischen Golf insgesamt eine solche Fülle unterschiedlicher persönlicher Eindrücke erwartet.

www.dubaitourism.ae; www.jumeirah.com; www.emirates.de; www.platinum-heritage.com

 

Gletscherabbrüche und Pinguinhighways

Vom Zauber einer Entdeckungsreise in die Antarktis

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Als eines der wenigen eisfesten Polarschiffe bewegt sich die „MS Fram“ in abenteuerlicher  Tradition.

Kap Hoorn wie es im Buche steht. Drohend rollen die Wellenberge heran und versprühen, aufgepeitscht von einem starken Westwind, ihre schäumende Gischt an der Steuerbordseite bis hinauf aufs Aussichtsdeck. Nervös sausen die Kaffeetassen in der Cafeteria von einer Tischseite auf die andere. Ein Überraschungsangriff der Naturgewalten auf den kleinen Außenposten der Zivilisation?  

Und dies auf dem direkten Weg von Feuerland hinunter in die Antarktis, die einst am Ende des Zeitalters der Entdeckungen als der größte weiße Fleck auf der Landkarte übrig blieb. Und mittendrin der Südpol, bei dessen Eroberung sich der Norweger Roald Amundsen und der Engländer Robert Scott ein erbittertes Wettrennen lieferten, aus dem Amundsen schließlich als Sieger hervorging.

Geburtswehen eines Gletschers

Endlich zeichnet sich nach der zweitägigen Überquerung der Drake Passage das legendäre Elephant Island als Schatten am Horizont ab. Jener Ort, an dem einst Ernest Shakletons Mitreisende in polarer Finsternis der Tragödie ihrer „Endurance“ nur knapp entgingen. Ein erhabenes Gefühl, endlich an einem der exponierten Schauplätze des Antarktis-Abenteuers angekommen zu sein.

In jener labyrinthartigen  Eislandschaft, durchzogen von unüberschaubaren Fjorden und Kanälen. Dazu  hin und wieder das vielsagende Ächzen eines Gletschers vor dem Kalben, der mit seinem leuchtenden Weiß den Eindruck eines sterilen Kreißsaales vermittelt. Bis schließlich ganz überraschend ein riesiger Eisbrocken aus der Steilwand herausbricht, um sich als stattlicher Eisberg umgehend von seiner Abbruchkante abzunabeln. Geburt gelungen, Sprössling wohlauf, alle begeistert!

Kolonisten im Frack

Und überall diese possierlichen Wesen im eleganten Frack, die hier ihre Kolonien errichten. Wobei leicht torkelnde Pinguin-Männchen mit Eifer Kieselsteine in ihrem Schnabel selbst steile Anhöhen hinauf  transportieren, um damit ein ansehnliches Nest zu bauen. Daher ein ständiges Kommen und Gehen auf  zahlreichen Pinguinhighways. 

Das größte Interesse jedoch erwecken die Wale. Sobald jemand eine Familie von Buckel- oder Killerwalen erspäht hat, füllt sich das Beobachtungsdeck in Windeseile. Gebannt liegt dann der Blick auf den Meeresgiganten, deren Schwanz- und Rückenflossen immer wieder behäbig aus dem eiskalten Wasser auftauchen.     

Klicken an der „Kodak-Spalte“

Schon ist mit Port Lockroy knapp oberhalb des südlichen Polarkreis die letzte Station der Reise erreicht. Einst eine  britische Beobachtungsstation während des Zweiten Weltkrieges, ist sie heute der Ort, an dem „Postmaster“ Stephen Skinner im Souvenirshop höchstpersönlich  Briefe und Postkarten abstempelt. Attraktive Erinnerungsstücke, die erst lange nach der Reise irgendwann in die heimischen Briefkästen  flattern.

Nun noch als letzter antarktischer Höhepunkt das genussvolle Gleiten durch den Lemaire Kanal. Jene „Kodak-Spalte“, die wegen ihrer prächtigen Eiskulisse auf  jeden Fotografen eine geradezu magnetische Anziehungskraft ausübt. Unmerklich dreht jetzt das Schiff durch ein großflächiges Eisfeld hinüber zur Drake Passage. Und die bietet bis zurück zum argentinischen Ausgangshafen Ushuaia genügend Gelegenheit, sich der Einzigartigkeit dieser Reise ans südliche Ende der Welt  bewusst zu werden.

www.hurtigruten.de - www.rautenberg-reisen.de - www.ukaht.org

 

Tropengärten und Zwillingstürme

Malaysias Ankunft in der Moderne

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Zunehmend entwickelt sich die farbenfrohe Malaiische Halbinsel zum angesagtesten Reiseziel in Fernost.

„Hast Du schon gegessen?“  Schon wieder diese unerwartete Frage, an die sich der Reisende in Fernost erst gewöhnen muss. Sie verdeutlicht, dass den Malaysiern ein gewöhnliches „Wie geht’s?“ viel zu banal wäre, um sich nach dem Wohlbefinden ihres Gesprächspartners zu erkundigen. Denn kulinarische Sinnlichkeit, so Stadtbegleiterin Saras aus Kuala Lumpur, ist hier jedem Einzelnen bereits in die Wiege gelegt.

Wo sonst könnte man genüsslich gleich auf drei hochkarätige Esskulturen zurück greifen? Deren verbindende Grundlage ist natürlich der Reis. Doch was das pikante Drumherum angeht, da haben die Malaien, Chinesen und Inder im Land der exotischen Gewürze ihre jeweils eigenen Gewohnheiten entwickelt.

Hauch von Bollywood

Unterschiedlich wie die Küche ist auch die Kultur des Landes. Herausragend das indische Lichterfest Deepavali, das alljährlich in der Millionenstadt Melaka, dem früheren Malakka, stilvoll und zugleich hingebungsvoll gefeiert wird. Ein Hauch von Bollywood liegt in der Luft, wenn die Tänzerinnen und Tänzer mit ihren farbenfrohen  Kostümen in liturgisch anmutender Pose die Finsternis vertreiben.

Welch andere Welt als die der Portugiesen und der Holländer, die hier vor der Westküste der malaiischen Halbinsel einst mit ihren Segelschiffen aufkreuzten und ihre architektonischen Duftnoten hinterließen.

Gefolgt von den Engländern bei ihrer Suche nach den begehrten tropischen Gewürzen, die in der nordeuropäischen Heimat sogar mit Edelmetall aufgewogen wurden.

Seele des Hochlandes

Erst relativ spät entdeckte der Engländer Cameron vor knapp einhundert Jahren das unter tropischem Regenurwald verborgene Hochland. Ein Gottesgeschenk voller überquellender Fruchtbarkeit. In dieser Umgebung wird ein Dschungelausflug mit Ranger Balan, einem bodenständigen und zugleich knorrigen Einheimischen, zum puren Vergnügen. In seinem betagten Landrover vorbei an vor Feuchtigkeit triefenden Baumriesen im ältesten erhaltenen Urwald der Welt.

Doch die eigentliche Seele des Hochlandes, das betont Balan in immer neuen Variationen, ist eingeflossen in das hellblättrige Grün der ausgedehnten Teeplantagen, die von überall her herauf schimmern. Gruppen von Teepflückern mühen sich ab, um zügig ihre Kiepen zu füllen.

Florale Fülle

Selbst auf der weiter nördlich gelegenen Insel Penang haben die Engländer ihre Spuren hinterlassen. Als „very british“ präsentiert sich daher auch das Zentrum der Inselhauptstadt Georgetown. Bezaubernd der Spaziergang vorbei an dem weiß leuchtenden alten Uhrenturm hinunter zu den Clan Jetties. Auch die tropischen Gärten in der Stadt und ihrer Umgebung versprühen in ihrer floralen Fülle ihre duftenden  Reize.  

Den abschließenden Höhepunkt bildet dann die rasante Fahrt mit der Bergbahn hinauf auf den Penang Hill zum Sonnenuntergang. Stärker noch als der sternbedeckte Abendhimmel glitzert nun das Lichtermeer Georgetowns in leuchtender Strahlkraft herauf.

Glitzernde Zwillingstürme

Nur noch übertroffen von dem Blick aus den Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur. Der höchsten Doppelturm-Konstruktion der Welt, die aus ihrer Aussichtsplattform heraus den Blick freigibt über den gesamten inneren Bereich der malaysischen Hauptstadt. Wie Zwerge erscheinen demgegenüber aus dieser Vogelperspektive die Hotels und Bürogebäude der näheren Umgebung.

So hat das heutige Malaysia in seiner Vitalität und seiner bunten Vielfalt  längst die europäischen Wurzeln überwuchert und versteht sich nun als ein Land im Wandel zur Moderne, voller freundlicher Menschen, einladender Strände und kulinarischer Abenteuer. Damit ist es zweifellos eines der angesagtesten Reiseländer in Fernost.

www.tourismmalaysia.com    www.malaysiaairlines.com    www.smokehousehotel.com  

 Barfuß zurück zur Natur

Neuer Luxus auf den Malediven

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd Kregel

Die Spitzenresorts „Soneva Fushi“ und „Velaa Private Island“ bezaubern mit ausgefallenen  Angeboten.

„Liegt das Paradies im Jenseits oder im Abseits?“ Bereits der Anflug im kleinen Wasserflugzeug von der Malediven-Hauptstadt Male aus schärft die Sinne  für eine wie von Zauberhand geschaffene Meereslandschaft. Vergleichbar ovalen Perlenketten leuchten die Atolle aus dem türkisfarbenen Wasser herauf und versprechen ein unvergleichliches Inselerlebnis. Ziel des etwa halbstündigen Fluges ins nördlich gelegene Baa-Atoll ist das Robinson-Inselresort Soneva Fushi mit seinem legendären Lebensstil des „Slow Life“.

Schon steht „Mr. Friday“ als persönlicher Gehilfe mit einem  lautlosen Elektromobil für eine erste Orientierungsfahrt bereit. Vorbei an dem einzigen Observatorium  der Malediven und dem „Six Senses“-Spa, in dem sich bei einem breiten Angebot der  Behandlungsmethoden jeder Jetlag sofort effektiv wegmassieren lässt.

Sündhaftes Schokoparadies

Als die wohl beliebteste Anlaufstelle während des ohnehin komfortablen Robinson-Daseins auf der Insel erweist sich der Schokoladen- und Eiscremeraum. Treffpunkt fast rund um die Uhr für Schleckermäuler jeden Alters bei handgemachter Pralinen-Auswahl und exotischen Eis-Spezialitäten. Somit zweifellos die sündhafteste Ecke im Reich von Sonu und Eva Shivdasani, den Namensgebern des von Ihnen ins Leben gerufenen Soneva-Inselparadieses.

Damit es jedoch nicht zu üppig zugeht, hält das Resort mit seinem „Fresh in the Garden“-Restaurant ein Alternativprogramm bereit. Auf langen Stelzen hoch in den tropischen Baumkronen gelegen, blickt Chefkoch Christopher Warwick von hier aus hinab in einen der Insel-Gemüsegärten. Dort findet er zu jeder Zeit eine genügende Auswahl von frischen Kräutern und Zutaten, um damit seine ausgefallenen Speisen abzurunden und zu veredeln. Großartig auch die Tauchschule von Thomas Wälchli, der seine Gäste äußerst professionell hinunter begleitet in die lebhafte Welt des Korallenriffs. Ein Urerlebnis voller Intensität, das typisch zu sein scheint für eine Vielzahl der  Malediven-Inseln.

Leichtigkeit des Seins

So natürlich auch für Velaa Private Island, einem erst vor wenigen Monaten eröffneten Hideaway weiter nördlich im Noonu-Atoll. Vom ausgefallenen Angebot und vom eigenen Selbstverständnis her bereits angesiedelt „jenseits des Luxus“, steht hier das ungestörte Privatleben der Gäste im Vordergrund. Zwar ist zum Sonnenuntergang der Anlegesteg ein beliebter Treffpunkt, wenn sich hier während der Fütterungszeit zahlreiche dunkle Rochen-Silhouetten schattenhaft an die Oberfläche drängen. Doch für den, der das Alleinsein bevorzugt, geht es auch ohne. Dafür stehen wunderbar konzipierte Strandvillen zur Verfügung, die in der Tat während des Aufenthalts Zeit und Raum vergessen lassen.  

Den kulinarischen Höhepunkt von Velaa Private Island indes bietet das hallenförmig gestaltete Aragu-Restaurant knapp über der Wasseroberfläche. 365 vom Reetdach herab hängende metallisch glitzernde fliegende Fische tragen neben ausgesuchten Speisen und erlesenen Weinen bei zum unmittelbaren Erleben der Leichtigkeit des Seins. Einem Wohlfühl-Konzept, wie Resortleiter  Mohamed Nihaj es von Beginn an mit gutem Erfolg anstrebt.

Paradies im Abseits

Kein Wunder also, dass sich Malediven-Angebote dieser Art einer immer stärkeren Beliebtheit erfreuen. So Dominik Babel, der als Leiter der „Elegant Travel“-Reiseagentur solche Aufenthalte an der Spitze des Malediven-Angebots möglich macht. Barfuß und Luxus bilden für ihn keinen Widerspruch bei dieser Art von „intelligentem Luxus“, in dem Annehmlichkeit und Nachhaltigkeit eine nahtlose Verbindung eingehen. So ist auch nach seinem Empfinden hier im maledivischen Abseits das Paradies längst Wirklichkeit geworden.

www.soneva.com; www.velaaprivateisland.com; www.elegant-travel.de; www.visitmaldives.com

 

Starparade der Prachtfassaden

Die Wiener Ringstraße im Jubiläumsfieber

   Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

Auch nach 150 Jahren gelingt in Wien das Zusammenspiel von imperialer Pose und bürgerlichem Glanz.

Ob sich der türkische Großwesir Kara Mustafa Pascha aus dem Jenseits heraus wohl ungläubig den Bart raufte? Denn immerhin hatte die Wiener Stadtmauer während des letzten Türkenkrieges mit ihren mächtigen Wehranlagen bis zuletzt seiner geballten militärischen Schlagkraft  standgehalten.  

Möglichkeit zum Besonderen

Was damals jedoch seine wuchtig aufschlagenden Kanonenkugeln nicht geschafft hatten, das vollbrachten nun seine einstigen  Gegner aus freien Stücken mit Hilfe einfacher Spitzhacken. Als Voraussetzung genügten allein die unaufhaltsame Bevölkerungsexplosion im Inneren des Mauerringes sowie ein einziger schwungvoller Federstrich von Kaiser Franz Joseph, um eine der widerstandsfähigsten Festungsanlagen des Abendlandes dem Erdboden gleich zu machen.

So beängstigend diese verteidigungstechnische Selbstentblößung für manche auch sein mochte, so befreiend wirkte sie demgegenüber auf viele Andere. Denn bot nicht die frei gewordene Fläche mitsamt ihrem vorgelagerten Grüngürtel eine nie dagewesene Möglichkeit, um städtebaulich etwas ganz Besonderes zu schaffen?

Phönix aus der Asche

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. So entstand innerhalb kürzester Zeit ein fünf Kilometer langer Alleenring, der am 1. Mai 1865 im Beisein von Kaiser Franz Joseph pompös eröffnet wurde. Erstanden nach beispiellosem Bauboom wie ein Phönix aus der Asche und seitdem einer der schönsten und prächtigsten Boulevards der Welt.

Jedes dieser Gebäude in seinen Dimensionen gleichsam ein Universum für sich. Dies gilt ganz besonders für die Wiener Staatsoper, als Haus mit dem größten Repertoire eines der wichtigsten Opernhäuser der Welt. Fast so unübersichtlich wie das Labyrinth von Knossos verfügt der Bühnenbereich hinter dem „Eisernen Vorhang“ neben der Hauptbühne über eine jederzeit aktivierbare Drehbühne sowie zusätzliche Nebenbühnen.  

Kaffee-Raffinessen

Auch die Kaffeehäuser an der Ringstraße sind wie die städtischen Bühnen aus dem Wiener Kulturleben nicht wegzudenken. Ihre unfreiwilligen Gründungsväter, so die Legende, seien die vom Kaffeegenuss berauschten  Türken, die damals bei ihrer übereilten Flucht die prall gefüllten Kaffeesäcke vor den Mauern Wiens zurückließen. Weltweit einzigartig wurden die Wiener Kaffeehäuser  unlängst gar in den Rang eines „immateriellen Landeskulturerbes  der UNESCO“ erhoben.

Als Besitzer von Café Weimar und zugleich Obmann der Wiener Kaffeesieder  kennt Maximilian Platzer  die Eigenheiten der Wiener Kaffeehauskultur wie kein Anderer. Mit ihm sich zu unterhalten ist belebend wie eine seiner vielfältigen Kaffeekreationen. Und schon schnell gewinnt der Zuhörer einen Einblick in all die Geheimnisse, die mit dem Kaffeesieder-Handwerk  zusammenhängen.  Garniert mit einer gehörigen Portion Wiener Schmäh rückt er dabei die Maßstäbe innerhalb und außerhalb seiner Zunft zurecht. 

Hauch von Jubiläumsfieber

Doch unter dem Strich bricht er eine Lanze für das Wiener Kaffeehaus, dem er sein Leben verschrieben hat: „Wer bisher überlebt hat“, so zeigt er sich überzeugt, „wird auch weiter leben“. Damit bescheinigt er bei zunehmender Allerwelts-Kaffeekonkurrenz selbstbewusst und von höchster Stelle aus dem Wiener Kaffeehaus auch nach 300 Jahren seiner Existenz  eine tragfähige Zukunft.

So zeigt sich Wien am Vorabend des Ring-Jubiläums auf allen Ebenen bestens gerüstet und versprüht bereits einen Hauch des zu erwartenden Jubiläumsfiebers. Nicht zuletzt im Stolz darauf, als festes Bollwerk im Südosten mit seiner Widerstandskraft der europäischen Kultur einen nicht zu unterschätzenden  Dienst erwiesen zu haben.

 www.wien.info, www.kempinski.com/wien, www.lufthansa.com, www.cafeweimar.at

 

Felsenfestung im Nordatlantik

Die Färöer-Inseln als neues Reiseziel

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

 

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

Seit der Fußball-Weltmeisterschaft richtet sich der Blick verstärkt auf den Außenposten im Nordatlantik.

Musste Deutschland zittern? Vor einer Fußball-Nationalmannschaft der entlegenen Färöer-Inseln, die in früheren Jahren mit unerwarteten Siegen bereits die Österreicher und Litauer das Fürchten gelehrt hatte?  „Die Färöer sind nicht San Marino“, hatte Joachim Löw seinen Spielern in der Vorrunde der letzten Fußball-Weltmeisterschaft  mit auf den Weg gegeben. Eine Warnung, die die deutsche Mannschaft mit ihrem 3:0-Sieg zum Glück nicht in den Wind schlug.

Nur selten richtete sich bisher die Aufmerksamkeit der Europäer auf die kleine Inselgruppe im Nordatlantik. Eine von Fjorden und Meerengen zerfurchte Gebirgslandschaft irgendwo im Dreieck zwischen Schottland, Norwegen und Island, die völkerrechtlich zu Dänemark gehört. Deren Bewohner sich jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich einen respektablen Autonomiestatus vom Mutterland erstritten. Mit eigenem Parlament, eigener Regierung und nicht zuletzt mit einer eigenen Fußball-Nationalmannschaft.

Tradition in der Gegenwart

An Selbstbewusstsein und Erfolgserlebnissen scheint es den Färingern, so die Bezeichnung der Inselbewohner, demnach nicht zu fehlen. Farmer Joannes Patursson aus dem Örtchen Kirkjuböur glaubt, die Antwort zu kennen. Er schwört auf die Traditionspflege, die mit ihrem Wissen aus der Vergangenheit das Überleben in der Gegenwart erleichtert.       

Lückenlos über 17 Generationen hinweg reicht selbst seine eigene Familientradition bis zurück in das Zeitalter der Reformation. Und nun steht mit einem seiner Söhne bereits die 18. Generation bereit, um das Familienerbe anzutreten. Keine einfache Aufgabe, wo doch die ständigen Herausforderungen der Natur bereits den Vorfahren bei Wind und Wetter stets härtesten Einsatz abverlangten.

Herbe Schönheit

Ist es aber nicht gerade die herbe Schönheit dieser von den Naturgewalten zerzausten Insellandschaft, die die Abenteurer aus ihrem gebändigten mitteleuropäischen Umfeld in den hohen Norden zieht? Zu den schroffen Vogelfelsen in der Meerenge von Vestmanna, wo in den steilen verwitterten Klippen und Klüften rotschnäbelige Papageientaucher aus ihren Nestern heraus bei schrillem Geschrei mit der lautstark anrollenden Brandung konkurrieren.

Oder vorbei an neugierig dreinblickenden Schafen entlang den zahlreichen Wanderwegen auf den Hauptinseln Eysturoy und Streymoy? Wo kein Ort weiter als fünf Kilometer vom Meer entfernt ist und massive Steinpyramiden entlang der Wegstrecke selbst bei plötzlich auftauchenden Nebelschwaden oder Wolkenfetzen die Orientierung gewährleisten.   

Küche als Kraftquell

Doch auch innerhalb geschlossener Räume kann man den Färöer-Inseln Genussvolles abgewinnen. Vor allem dann, wenn dabei die gute Inselküche mit ins Spiel kommt. Musterbeispiel ist der Schoner „Nordlysid“ (Nordlicht) im Hafenbecken von Torshavn. Er steht unter dem Kommando von Kapitän Birgir Enni, einem Multitalent, das sich nicht nur als Maler und Musiker einen Namen gemacht hat, sondern zugleich einen guten Ruf genießt als Taucher, Koch und brillanter Gastgeber.

Denn regelmäßig holt er persönlich vom Meeresgrund herauf, was er für seine kleine aber feine Bordküche benötigt. Von der Muschel bis zum Seeigel, den er nach eigenem Rezept zubereitet und sogar gekrönten Häuptern wie unlängst dem König von Dänemark serviert. Ja, wenn Birgir beim Nachtisch zu erzählen beginnt, denkt niemand so schnell an Aufbruch. Kein Wunder, dass die Färinger auch aus einer solchen Küchenkultur ihre Stärke gewinnen. Und so ist es nicht auszuschließen, dass hier bei der nächsten Gelegenheit auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wieder auf einen nicht zu unterschätzenden Gegner treffen wird.  

www.visitfaroeislands.com, www.visittorshavn.fo , www.hotelforoyar.fo www.smyrilline.de

 

Die Fährte des Löwen

Spurensuche unter weißen Segeln

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

In historischer Mission kreuzt die Viermast-Barkentine „Star Clipper“ durch das östliche Mittelmeer.

Seine Krallen waren scharf und seine Kraft war gefürchtet. Wo immer der venezianische Löwe sich zeigte, kannte er kein Pardon. Ja selbst das prächtige Konstantinopel musste sich vor ihm fürchten. Von vielen gehasst als eine rücksichtslose  Bestie, wurde er hingegen von anderen bewundert als durchsetzungsfähiges Alpha-Tier, dessen kulturelle Hinterlassenschaften noch heute Hochachtung hervorrufen. Ihm bis in die Höhle des Löwen nachzuspüren ist das vorrangige Ziel der „Star Clipper“ bei ihrer Kreuzfahrt durch das östliche Mittelmeer. Schon gehen an der Hafenausfahrt von Piräus knatternd die weißen Segel in Position, bis kurz danach der Wind sie mit prallen Bäuchen vor sich her treibt.

Die Spurensuche im Gefolge der venezianischen Galeeren erfolgt mit einer schnittigen Viermast-Barkentine aus der Familie der Clipper-Schiffe des 19. Jahrhunderts. Bis zu siebzehn Knoten schafft es die „Star Clipper“ unter allergünstigsten Voraussetzungen. Unter normalen Bedingungen ist Kapitän Yuriy Sastenin schon mit acht Knoten zufrieden. Denn atemlose Hektik ist das Letzte, das er seiner geliebten  „White Lady“ abverlangen möchte.

Launen des Poseidon

Schon bald nähert sich die „Star Clipper“ der Insel Santorin. Der einzigen Vulkaninsel weltweit, in deren Caldera Schiffe hineinfahren können. Ein wahrer Augenschmaus und ein Vergnügen zweifellos auch für die Venezianer,  die seinerzeit nach ihrem Sieg über Konstantinopel  die strategisch wichtige Vulkaninsel ihrem Einflussbereich unterstellten. Doch wirklich ungeteilte Freude wird bekanntlich keinem Irdischen zuteil. Zweifellos hat sich der launische und wetterwendische Meeresgott Poseidon dazu entschlossen, im Ionischen Meer an der Westseite der Peloponnes eine rauere Gangart einzuschlagen als in der Ägäis.

Diesmal jedoch hat er dann doch noch ein Einsehen, und das Meer vor Korfu präsentiert sich plötzlich wie aus einem maritimen Bilderbuch. Ehrfurcht gebietend  wirkt allerdings das venezianische Fort, das einst dabei half, jeden äußeren Angriffswillen bereits im Keim zu ersticken. Denn an dieser Stelle verstand der venezianische Löwe am wenigsten Spaß, musste er doch von hier aus am südlichen Ende des Adriatischen Meeres den Zugang zu seiner Höhle streng überwachen.

Wehrhafte Mauer

Schon bald nach dem Aufbruch folgt das kleine Montenegro, in das sich ein Fjord tief ins Landesinnere einschneidet. Für die Venezianer damals zweifellos ein Gottesgeschenk, hielt doch diese tiefe Kerbe in der Küstenlinie bei maritimen Überraschungen  jeglicher Art einen geeigneten Unterschlupf bereit. An seinem Ende öffnet sich die weit ausladende Bucht von Kotor.  Sensationell die wehrhafte Mauer des Städtchens, aus deren Quadern der in Stein gemeißelte venezianische Löwe stolz  herab schaut.

Und schon wartet die „Star Clipper“ erneut darauf, ihre Reise in die nördliche Adria fortzusetzen. Vorbei an Dubrovnik, jener einstigen Festungsstadt Ragusa an der kroatischen Adriaküste, an deren festen Mauern der venezianische Löwe sich einst selber die Zähne ausbiss.

Morbide Kulisse

Dann endlich ist es soweit. Durch eine kleine Lücke nördlich des Lido schiebt sich der Schiffsbug hinein in die legendäre  Lagune. Schon reihen sich an der Steuerbordseite dicht gedrängt die prächtigen Patrizierhäuser aneinander. Noch vor der Einmündung des Canal Grande öffnet sich am Dogenpalast die stattliche Häuserfront  und gibt den Blick frei auf den geflügelten venezianischen Löwen. 

Selbstbewusst  blickt er vom Uhrturm am Markusdom herüber, als grüße er die stolze „Star Clipper“ nach erfolgreichem Einholmanöver auf dem Weg zu ihrer Anlegestelle in der Straße von Giudecca. Vorbei an einer morbiden aber noch immer äußerst attraktiven  Kulisse, die die große Vergangenheit Venedigs noch heute erahnen lässt. Als die nach wie vor imponierende Stadt des Löwen, dessen Krallen jedoch längst stumpf geworden sind. 

 info@star-clippers.de; www.star-clippers.de

 

Der Kuss des Delfins

Die Meereswelten der Florida Keys

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

Parallel zum Golfstrom erstreckt sich die langgezogene Inselgruppe weit hinein in den Golf von Mexiko.

 „Delfine sind auch nur Menschen!“ Sylvia weiß, wovon sie spricht. Seit vielen Jahren ist sie als „Delfinflüsterin“ immer weiter in die seelischen Tiefen der intelligenten Meeresbewohner vorgedrungen. Jener einstigen Landsäugetiere, die die Evolution, vergleichbar den Walen, in das feuchte Element zurück beorderte. Lucky ist eines der vier ihr anvertrauten Tiere in Hawks Cay auf den Florida Keys. Voller Lebenslust erhebt es sich mit Hilfe seiner heftig rotierenden Schwanzflosse zu einem Freudentanz aus dem Wasser.

Nur wenige Sekunden später zeigt sich Lucky plötzlich auf Augenhöhe mit seinem  zweibeinigen Besucher. Bereit zu einem Kuss von Säuger zu Säuger, wenn auch leicht abgekühlt unter den Vorgaben der karibischen Wassertemperatur. Sollte es tatsächlich so sein, wie manche Verhaltensforscher behaupten, dass „Delphine uns direkt ins Herz schauen“? Und dabei, „ausgestattet mit heilender Energie“, diese auf Menschen zu übertragen vermögen? Zumindest in dieser emotionalen Ausnahmesituation kein abwegiger Gedanke.

Fluoreszierendes Blau

Ein erstes Inselabenteuer, das neugierig macht. Denn in dem Inselparadies der Florida Keys reiht sich eine Inselwelt an die andere. Wie eine riesige Perlenkette von Key Largo bis Key West. Und jeder Zwischenstopp auf dem Weg dorthin versehen  mit einer neuen Überraschung. So zum Beispiel im John Pennekamp Coral Reef State Park bei Key Largo. Kritisch beäugt ein wachsamer Barrakuda die für ihn rätselhafte Gestalt, die mit ihrer Schnorchel-Ausrüstung von der Bootstreppe herab ins Wasser steigt, um das angenehm temperierte feuchte Element zu ergründen. 

Für ihn lediglich blauer Alltag, für den Schnorchel-Enthusiasten hingegen  eine Offenbarung. Wenn er sich inmitten schaukelnder Weichkorallen plötzlich umgeben sieht von nahezu hundert dunkelblauen Paletten-Doktorfischen, die sich beim Abgrasen ihrer Unterwasser-Weide nicht aus der Ruhe bringen lassen. In fluoreszierendem Hellblau leuchten ihre Flossenränder im Gegenlicht der Sonne.

Heiße Meeresrhythmen

Eine andere Art der Begegnung mit der karibischen Unterwasserwelt vermittelt das „Keys Aquarium Encounters“ in Marathon. Gerade erst eröffnet, bietet es die Gelegenheit, nicht nur mit den bunten Rifffischen sondern auch mit Rochen und mehreren  Arten von Haien auf Tuchfühlung zu gehen. Für viele besonders während der Fütterung durch Museumsbegleiterin  Dani ein Schlüsselerlebnis im Vergleich zu vorangegangenen Aquariumserfahrungen.

Zu einem Höhepunkt des maritimen Lebens auf den Florida Keys entfaltet sich alljährlich das Unterwasser-Musikfestival am Looe Key Reef. Nirgendwo jedoch erscheint eine Band, der unter Wasser die Blasinstrumente volllaufen könnten. Stattdessen, so wird erst am Ankerplatz klar, befindet sich die Quelle der heißen Meeresrhythmen direkt unter dem Tauchboot, von dem aus die charmante Unterwasser-Nixe Samantha zur Freude der Taucher in ihrem rosafarben glitzernden Unterwasserkostüm auf dem Meeresgrund hinab gleitet.

Sunset Celebration

Sobald sich jedoch die Dämmerung ankündigt über Key West, ist es Zeit für die legendäre Sunset Celebration auf dem Mallory Square. Dieser gibt den Blick frei auf den sich in karibischer Dramatik präsentierenden  Abendhimmel. Als Treffunkt eines amüsanten Straßenkarnevals zugleich ein Eldorado für jeden, der sich die karibische Leichtigkeit dieses  Key-Lebensgefühls schon immer erträumt  hat.

So wie einst Ernest Hemingway, der hier in Key West einen Teil seiner Meeresabenteuer zu Papier brachte. Um sich anschließend in Sloppy Joe’s Bar einen Daiquiri zu genehmigen, der inzwischen auf den Florida Keys zum Genussleben fest dazu gehört. Schmeckt dieser eisgekühlte Drink zu fortgeschrittener Stunde nicht ebenso tierisch gut wie der Kuss des Delfins?

 www.fla-keys.de  www.DolphinConnection.com  www.FloridaKeysAquariumEncounters.com

 

Königliche Sommerfrische

Der Chiemsee und seine Ausstrahlung  

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

Als „Königlich Prien“ besinnt sich die Stadt auf die reichen Natur- und Kulturschätze vor ihrer Haustür.

Mit Napoleon lässt sich gut Staat machen!“ Zu dieser befreienden Erkenntnis gelangten die Bayern, als sie der französische Eroberer zu Beginn des 19. Jahrhunderts überraschend wegen ihrer Bündnistreue mit dem bayerischen Königtum belohnte. Zwar hatte diese monarchische Institution von Napoleons Gnaden nur Bestand bis zum Ersten Weltkrieg. Doch den Bayern bescherten ihre Könige aus dem Fürstengeschlecht der Wittelsbacher bis heute einen erheblichen Anteil ihrer bajuwarischen Identität. Vor allem ist es König Ludwig II., der als exzentrischer Monarch im kollektiven bayerischen Unbewussten seinen Platz fand.

Ausgangspunkt des Ludwig-Kults

Der bayerische Chiemsee gehört zu den Landschaften, denen König Ludwig II. seinen Stempel aufgedrückt hat. Die Stätten, auf die der „Kini“ einst seinen Fuß setzte, haben daher bis heute den Status Heiliger Orte. In einer Mischung aus Verehrung und Mitleid, insbesondere angesichts seines Todes im Starnberger See, dessen Ursachen und Hintergründe bis heute nicht vollständig geklärt sind.  Die Gemeinde Prien am Westufer des „Bayerischen Meeres“ hat sich zu einem wesentlichen Ausgangspunkt des heutigen Ludwig-Kults entwickelt. 

Hat sie doch dem König viel zu verdanken. Denn mit der Anbindung an die Bahnstrecke München – Salzburg sowie der kleinen „Bockerlbahn“  hinunter zur Haupt-Anlegestelle der Chiemsee-Fährschiffe, hat sich die Stadt  in der Tat zu einem Verkehrsknotenpunkt des Chiemsee-Tourismus entwickelt. Und dessen Hauptschneise führt hinüber zur Insel Herrenchiemsee.

„Sonnenkönig“ als Vorbild

Zu einem Bauwerk der Superlative, das König Ludwig II. auf der Insel errichten ließ: das Schloss Herrenchiemsee. So prächtig, dass nach seiner Fertigstellung die Baukosten höher ausfielen als die Gesamtkosten aller seiner übrigen Schlösser. Obwohl jedoch das Bauwerk höchsten europäischen Prunk-Maßstäben entsprach, sollte es doch nicht speziell als bajuwarisches Vorzeigeobjekt dienen. Ja nicht einmal dem Ruhm seines Erbauers sollte es mehren. Vielmehr bestand in der Vorstellungswelt Ludwigs seine Funktion ausschließlich darin, dem französischen „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. allerhöchste  Reverenz zu erweisen.

So darf sich die Region auch weiterhin mit dem Ruhm dieses „königlichen“ Bauwerks schmücken in der Gewissheit, dass der Besucherstrom an diesen heiligen Ort fürstlicher Repräsentation  niemals abreißen wird. Doch weiß man darüber hinaus auch um die Schönheit der Chiemseer Seenlandschaft. Einer von den Bergen der Voralpen aufgelockerten Region, die sich auf großzügig angelegten Radfahrwegen bestens erschließen lässt.

 Bayerische Gemütlichkeit

Mit Einkehrmöglichkeiten am Seeufer, in denen, wie in der Fischhütte von Michi und Brigitte Reiter, umgehend bayerische Gemütlichkeit um sich greift.  Michi, einer der 17 Fischer in der Chiemsee-Region, steht am Grill, wo er die von ihm gefangenen frischen Seeforellen mit pikanter Pfeffer- und Salzsauce bestreicht und als „Steckerlfisch“ an einem langen Stab über dem Holzkohlenfeuer garen lässt. Drinnen in der Hütte serviert Brigitte das schmackhafte Mahl mit einem würzigen Bayerischen Bier.

Ihr bewährter Wahlspruch: „Schee dass hie seid’s“, der einladend an ihrer Eingangstür angebracht ist, verfehlt, wie Brigitte überzeugt erklärt, als Einkehr-Philosophie natürlich nicht seine Wirkung. Ebenso wenig wie auch das offizielle Motto der Stadt „Königlich Prien“ 2014, das zum „Royal Urlauben am Bayerischen Meer“ einlädt. Zu authentischen Hofstaatführungen und wildromantischen Nachtwanderungen, zu „See-Insel-Königs-G’schicht’n“ und Kutschfahrten zum Königsschloss.

Noch ist es Zeit, denn der Sommer ist noch lang.

 www.tourismus.prien.de   www.herren-chiemsee.de   www.chiemsee-schifffahrt.de

 

Die Entdeckung des Lichts

Glanzpunkte einer legendären Tunisreise

  Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

Nach hundert Jahren ist die von August Macke und Paul Klee ausgelöste Initialzündung weiterhin aktuell.

„Mehr Licht!“ Niemand weiß, ob Goethes letzter Stoßseufzer in Erfüllung ging und ihm am Ende seiner Tage ein Licht von irgendwoher leuchtete, das ihm Klarheit und Wahrheit verschafft hätte. Mit seinem sehnlichen Wunsch jedoch, in die höheren Sphären eines imaginären Lichtuniversums vorzudringen, gab er  unbeabsichtigt ein Thema vor, das sich erst nach ihm in künstlerischer Hinsicht  wie mit einem Paukenschlag entfalten sollte. Und dies ausgerechnet auf einer Reise ins entlegene Tunis. Dorthin, wo  das Licht in seiner Intensität erstmals in seiner Bedeutung für die Kunst angemessen gewürdigt wurde und dadurch zur Offenbarung werden sollte für eine ganze Künstlergeneration.

Es waren die Maler August Macke, Paul Klee und Louis Moilliet, die sich vor genau hundert Jahren  von der Lichtintensität Tunesiens blenden  ließen. Von der Leuchtkraft der Farben, die sie nun deutlicher als je  zuvor wahrnahmen. Mit einer Ausstrahlung, die ihnen, stellvertretend für ihre Künstlerkollegen im fernen Nordeuropa, die Augen öffnete und sie zu einem künstlerischen Neuanfang animierte.

Traum in Blau und Weiß

Viele Nachahmer haben sich nach dem Ersten Weltkrieg auf ihre Spuren geheftet, um ebenfalls in der Farbintensität des Maghreb zu schwelgen. Und fanden sich wieder in dem inzwischen zu Berühmtheit gelangten  Ort Sidi Bou Said in der Nähe von Tunis. Jenem Dorf, das schon ein Jahr nach dem Besuch der drei Tunis-Reisenden im Jahr 1915 als Künstlerort unter Denkmalsschutz gestellt wurde. Ein architektonischer Traum in Blau und Weiß, bestens dazu geeignet, mit dem intensiven Blau des Meeres und dem strahlenden Himmel farblich zu korrespondieren.

Wohl wegen seiner vorzüglichen Lage entfaltete sich Hammamet zum ersten größeren touristischen Zentrum der zwanziger Jahre. Alle künstlerisch Interessierten wollten nun  das nordafrikanische Land mit eigenen Augen sehen und machten sich auf den langen Weg. Bunt geht es auch zu in Nabeul, einem quirligen Ort ganz in der Nähe. Hier ist neben dem legendären Kamelmarkt auch das Keramikhandwerk zuhause. Geschäftiges Treiben einerseits auf der geräumig angelegten Marktstraße. Daneben, versteckt in einem kleinen Gässchen, das Dar Sabri, ein Musterbeispiel gepflegten Wohnens.

Inspiration durch Volkskunst

Doch noch steht mit der Hauptstadt Tunis das letzte Ziel der aktuellen Tunisreise  aus. Auch in Tunis ist die Spurensuche nach den Künstlern erfolgreich. So im Grand Hotel de France, in dem noch heute die Zimmer so gestaltet sind wie zu Mackes Zeiten vor hundert Jahren. Die wichtigste Spur jedoch führt in das Haus der regen Künstlerin Sadika Keskes. Als Kuratorin der Ausstellung „Paul Klee und der tunesische Teppich“ hat Sadika über die Jahre hinweg tunesische Kelime bis in die Zeit der Tunisreise vor hundert Jahren gesammelt. Mit denen erbringt sie den Beweis, wie sehr sich Paul Klee damals von Formen und Farmen der Volkskunst inspirieren ließ, die auf 130 Farbnuancen zurückgreifen kann.

Im Gespräch jedoch erklärt Sadika, dass sie über den künstlerischen Bereich hinaus auch noch einen gesellschaftlichen Auftrag wahrnehme. So in einem Dorf ganz im Zentrum des Landes, wo auf ihre Anregung hin nicht nur politische Bewusstseinsprozesse  in Gang gekommen sind. Vielmehr werden hier neuerdings auch Teppiche hergestellt, die mit Hilfe der Anregungen durch Paul Klee zurück führen genau zu der Volkskunst, die in der Vorstellungswelt der Frauen noch in Bruchstücken verankert ist. In der Tat: Eine Tunisreise vor hundert Jahren mit weit reichenden Folgen bis tief hinein in die Gegenwart. 

www.tunesien.info   www.fti.de   www.tunisair.com.tu   www.darelmarsa.com

 

Schweinsteiger & Co.

Mediterranes Glanzlicht „Lido Palace“

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

Ganze hundert Jahre lang wartete das Nordufer des Gardasees auf die Wiedereröffnung einer Institution.

„Wozu braucht man einen Schlüssel, wenn es ohnehin nichts zu stehlen gibt?“ Goethe hatte, wie immer, ein offenes Auge für seine Umgebung. Und ganz besonders während seiner legendären „Italienreise“, die ihn im Jahr 1786 mit der Pferdekutsche von Rovereto aus an das Nordufer des Gardasees führte.

Doch sein Blick galt nicht nur der Armut dieser Region sondern auch der Schönheit der Landschaft. Stolze Zweitausender standen sich hier bei Riva del Garda direkt gegenüber und umschlossen in weitem Bogen den See. So recht nach dem Geschmack auch des österreichischen Kaiserpaar Franz-Josef und Elisabeth, die der Stadt vom fernen Wien aus einen Besuch abstatteten und sich hier sogar am Seeufer einquartierten. Sie kannten allerdings noch nicht den aus dem Rahmen fallenden Hotelneubau, der alle Unterkünfte der Umgebung von Ausstattung und Lage her in den Schatten stellen sollte. Eine Offenbarung geradezu für alle Liebhaber  der „Belle Epoque“.

Dornröschenschlaf

Am vorletzten Tage des Jahrhunderts, am 30. Dezember 1899, wurde es als „Lido Palace“ feierlich eröffnet. Als eine standesgemäße Bleibe für die High Society der damaligen Zeit. Ja selbst Erzherzog Franz Ferdinand, der österreichische Kronprinz, konnte seinen Wunsch nicht unterdrücken, diesem angesagten Ort einen persönlichen Besuch abzustatten.

 Wie hätte er auch ahnen können, dass sein plötzlicher Tod vor genau hundert Jahren in Sarajewo dieser kurzen aber stolzen Tradition ein jähes Ende setzen sollte?  Denn mit dem Ersten Weltkrieg verfiel das „Lido Palace“ in einen tiefen Dornröschenschlaf.

Gläserne Krone

Im Juni 2011 war es dann schließlich soweit. Das „Lido Palace“ wurde in alter und neuer Pracht wiedereröffnet und erfreut sich seitdem, so Hotelchef Gabriele Galieni, regen Zuspruchs. Für den Neuentwurf hatte man den venezianischen Architekturprofessor Alberto Cecchetto verpflichten können, der dem alten Gebäudetrakt mit einem unauffälligen neuen Stockwerk gleichsam eine repräsentative gläserne Krone aufsetzte.

Auch der Gartenbereich wurde in Cecchettos Neuplanung einbezogen. Er verwandelte sich in ein neues gastronomisches Zentrum, in dem die Restaurants unmittelbar in den Parkbereich eingebunden sind. So fühlt sich jeder, während er die Köstlichkeiten von Sternekoch Giuseppe Sestito zu sich nimmt, beim Blick in den Garten eher umgeben von der Natur als von der Architektur.

Schweinsteiger & Co

Supermodern auch die Wellness-Anlage. Allein die blumige Beschreibung der unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten lässt aufhorchen. Da ist die Rede von einem antiken Bade-Ritual aus Japan, dem Garten der Genüsse, einem südamerikanischen Sonnenuntergang bis hin zu einem Birmanischen Traum.

Auch nördlich der Alpen muss sich dies herumgesprochen haben. Warum sonst hätte sich im letzten Jahr der FC Bayern München mit seinem Trainer Josep Guardiola im Rahmen des Sommer-Trainingscamps hier eine Woche lang einquartiert? Man sieht es förmlich, wie Schweinsteiger & Co. hier am Pool ausgelassen Unsinn treiben.

Italienische Nacht

Wenn dann der Abend seine dunkle Decke über den See wirft, leuchtet vom gegenüber liegenden Gipfel des Rocceta-Berges die Fassade der Sta. Barbara-Kapelle herunter. Und erweckt für einen Augenblick die Illusion, als sei in leichtem Abenddunst gerade der Mond aufgegangen.

Wen würde es da wundern, wäre Goethe heute Zeuge dieser einzigartigen Stimmung, wenn er sofort sein Schreibgerät zücken würde. Und sicherlich könnte ihn nichts davon abhalten, in mediterraner Vorahnung den Zauber dieser italienischen Nacht in Versform zu kleiden. Vielleicht sogar mit dem Unterton: „Verweile doch, du bist so schön?“ 

www.rivadelgarda.com  www.gardatrentino.it  www.lido-palace.it

 

Sommersonnenwende am Polarkreis

Füllhorn des Lichts im nördlichen Lappland

 Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Die lange Winternacht an der Nordspitze Europas findet ihr Gegenstück in der Lichtfülle des Sommers.

 „Wo ist das Haus vom Nikolaus?“ Manche vermuten es in Alaska oder gar am Nordpol. 40.000 Kinder aus aller Welt hingegen meinen es aus Erfahrung besser zu wissen. Alljährlich schicken sie ihre an Santa Claus adressierten Herzenswünsche direkt an den Nördlichen Polarkreis nach Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands. Mit großem Erfolg. Denn Santa Claus und seine Helfer versäumen es nicht, zum Beweis seiner Existenz und zur Freude aller Kinder die Briefe persönlich zu beantworten.

Wildes Lappland

Doch wovon träumen Erwachsene, wenn ihnen das Lappland nördlich des Polarkreises in den Sinn kommt? Sicherlich ist es vor allem das wilde Lappland, das die unternehmungslustigen Menschen hinter ihrem heimischen Ofen hervor holt. Und ist es die Begegnung mit Naturmenschen, die sich noch den Herausforderungen des

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

Lebens in der Wildnis stellen. So wie Raimo Hekkanen aus Nuorgam und sein Sohn Santeri. Mit dem Finnenmesser am Gürtel pirschen sie während der Mitternachtssonne auf Rentierpfaden über die Fjelle des hohen Nordens. Um dann mit ihren Gästen am Lagerfeuer vor ihrer Jagdhütte gemeinsam getrocknetes Rentierfleisch zu genießen.

Wild geht es zu auch weiter südlich am Tennenjoki-Flusssystem, einer  Landschaft mit uralter Goldgräbertradition. Zu einer Zeit, in der die abenteuerlustigen Digger bereits alle erdenklichen Mühen auf sich nahmen, bevor das Gebiet mit halbwegs befestigten Straßen aufwarten konnte. Wie mühselig das Geschäft sein kann, zeigen Nils und Aslak Paltto, zwei Brüder aus dem Volk der Samen. Immer wieder helfen sie den Möchtegern-Goldgräbern, ihre  Goldwaschpfannen mit Erdreich zu füllen, um es anschließend  nach allen Regeln der Goldgräberkunst  auf seine Goldbestandteile hin zu untersuchen.                                                    

Im Sog der Stromschnellen

Noch nicht Wildnis genug? Das Rafting-Abenteuer auf dem reißenden Juutuajoki ist wie kein zweites geeignet, augenblicklich Abhilfe zu schaffen. Schon treibt das Boot einer ungewissen Zukunft entgegen. Je näher die ersten Stromschnellen kommen, umso schneller wird es in ihren Sog hinein gezogen. Und schon ist es mittendrin, versinkt in einem Wellental, um sich auf dessen anderer Seite wieder steil aufzubäumen. Ein Wechselbad der Gefühle, das zudem nicht ohne kalte Dusche abgeht.

Doch das wilde nördliche Lappland mag es auch romantisch. Ruhig gleitet das kleine Motorboot von Bootführer Tapani Lappalainen über den Inarisee, den größten See Lapplands. Kurvenreich sucht es seinen Weg durch das Inselgewirr von 3000 Inseln und Inselchen.  An einer kleinen Bucht hält Tapani Angelzeug bereit.  Schon bald hängt ein stattlicher Hecht an der Angel. Nicht nur für Zugereiste, sondern auch für die Finnen stellt daher diese Region in solchen Situationen so etwas wie eine Endstation Sehnsucht dar, in der sie offenbar ihre tiefe Erfüllung finden.

Sauna mit Kultcharakter

Bei allen kulturellen und sprachlichen Unterschieden gibt es jedoch eine alle verbindende Gemeinsamkeit mit Kultcharakter. Dies ist zweifellos die Sauna, die fast überall und zu allen Jahreszeiten angeheizt wird. Wohlige feuchte Wärme steigt nach dem Aufguss schweißtreibend aus der Steinkrone des Ofens empor.

Und schon bald hat jeder das Bedürfnis, sich im Adams- oder Evakostüm ins Freie zu begeben und sich im nahen See abzukühlen. Bei 13 Grad Celsius sicherlich eine Herausforderung, die jedoch durch das anschließende Wohlgefühl an Leib und Seele reichlich belohnt wird. Genau der richtige Ort und Zeitpunkt, um lange gehegte Urlaubsträume unmittelbar und in aller Intensität wahr werden zu lassen.

www.onlyinlapland.com  www.inarisaariselka.fi   www.visitinari.fi   www.visitfinland.com

 

Im Dienst der Schönheit

Stilgefühl am Tegernsee

Von Dr. Bernd Kregel und Cecilie Kregel

 

Fotos: Dr. Bernd  Kregel

Die Schönheit der Landschaft und die Ästhetik der Kleidung verleihen der Region ihren speziellen Reiz.

Irgendetwas muss dran sein am Dirndl. Denn nicht grundlos lässt es die Männerherzen höher schlagen. „Wenn wir Frauen es nicht so leicht hätten, wären wir alle schon längst ausgestorben“, erklärt mit einem Augenzwinkern Fanny Probst. Und die muss es schließlich wissen. Denn mit ihrem guten Namen steht sie für stilechte Dirndlherstellung am Tegernsee. Ein wahrer Sinnenrausch bei einer seit Generationen bewährten Ästhetik. Wie geschaffen für die Schönheit des Tegernseer Tals, in deren Dienst sie sich stellt. Jenes unvergleichliche Fleckchen Erde in überschaubaren Dimensionen, wo nicht zu hohe Berge den nicht zu großen See nach menschlichem Maß malerisch umrahmen.

Wie aus dem Ei gepellt

Unter den frühen Besuchern befand sich im Mittelalter schon Kaiser Friedrich Barbarossa, der hier im Kloster am Seeufer einst die überregional berühmte Schreibwerkstätte der Benediktinermönche aufsuchte. Auch Ludwig II., so wird überliefert, soll sich hier des Öfteren wohlgefühlt haben. Eitel vom Kopf bis zur Sohle, zeigte er sich  stets wie aus dem Ei gepellt. Und diente damit als ein Vorbild für all die gestandenen Mannsbilder, die bis heute ihre Trachtenkollektion an Fest- und Feiertagen öffentlich zur Schau stellen, die jedem ihrer Träger den letzten modischen Schliff verleiht. 

So jedenfalls sieht es Hutmacher Martin Wiesner aus dem benachbarten Kreuth, der sich, so zeigt sich  im Gespräch, offenbar in den verborgensten Winkeln eitler Männerseelen bestens auskennt.  Wer sich jedoch mit einer fachmännisch angepassten Trachtenkleidung auf dem jährlich zum Sommeranfang stattfindenden Tegernseer Klosterhoffest  einfindet, weiß genau, dass er oder sie nichts falsch macht. Denn, so fragt Martin Wiesner, ist sie nicht der äußere Ausdruck einer tief verwurzelten  Identität, die nicht nur das Selbstbewusstsein beflügelt sondern auch das bayerische Wir-Gefühl bestärkt?

Weiß-blauer Himmel

Den Beweis dafür liefert das „Tegernseer Bräustüberl“ nahe dem Seeufer. Ein Treffpunkt von jung und alt, gut betucht und weniger reich, bayerisch oder zugereist. Hier findet, so Bräustüberl-Mitarbeiterin Barbara Lang, bei einem guten Tropfen und einer üppigen Mahlzeit jeder seinen Gesprächspartner. Und schwelgt dazu, teils auf schmalen Holzbänken an langen Tischen, in bayerischem Lebensgefühl. Weit oberhalb des Seeufers liegt „DAS TEGERNSEE“. Ein ansehnlicher Hotelkomplex, der sich ebenfalls der Schönheit des Tegernseer Tals verschrieben hat. Mit modernstem Hotelneubau  bis hin zu einem schmucken Schlösschen aus Wilhelminischer Zeit.  Eine Klasse für sich bietet auch das „Seehotel Überfahrt“ an der schmalsten Stelle des Tegernsees.  Besonders in seinem Inneren unterstützen stilvoll gestaltete Blumenarrangements den Gesamteindruck von diesem traditionellen und doch modern konzipierten  Refugium. Dazu gehört die am Seeufer versteckte neue „Fährhütte 14“. Betont schlicht und rustikal  in ihrem Äußeren, weiß sie jedoch mit ihrer Küche in höchstem Maße zu überzeugen.

Liebe zum Detail

Einen abschließenden Höhepunkt bietet das „Hotel Bachmair Weissach“ in Rottach-Egern, in dem bereits „Kini“ Ludwig II. Einkehr hielt in einem der Nebenräume an einem massiven Holztisch am Kamin. Heute jedoch wird er für jedem Bürgerlichen zum abendlichen Dinner gedeckt. Einst in Vergessenheit geraten und dem Verfall preisgegeben, erstrahlt das „Bachmair Weissach“ unter Hotelchef Korbinian Kohler seit wenigen Jahren in neuem Glanz. Die Stoffe und Holzmöbel sind so perfekt gearbeitet, dass sie sogar bei der Berührung ein taktiles Vergnügen auslösen.

Ist demnach auch das „Bachmair Weissach“ ein Beitrag im Dienste der Schönheit des Sees? Hotelchef Kohler will es nicht ausschließen und verweist auf seine eigene in die Kindheit zurück reichendeTegernseer Identität. Kein Wunder, dass anhand solcher positiven Beispiele verstärkt deutsche Reiseziele in den Mittelpunkt des Interesses rücken.

www.tegernsee.com; www.geniesserland-tegernsee.com; www.dastegerndsee.de; www.bachmair-weissach.com 

 

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